Minijob-Reform, Rentenkommission

Minijob-Reform: Rentenkommission fordert Versicherungspflicht für 6,8 Millionen

29.06.2026 - 05:02:40 | boerse-global.de

Rentenkommission will Minijob-Sonderstatus abschaffen. Wirtschaft warnt vor Folgen, Gewerkschaften und Ökonomen unterstützen die Pläne.

Minijob-Reform: Rentenpflicht für alle sorgt für Streit
Minijob-Reform - Verwitterte Hände halten welke Pflanzen. Im verschwommenen Hintergrund sind Finanzdokumente oder Münzen zu sehen. 29.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Rentenkommission schlug am 23. Juni vor, den steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus von Minijobs weitgehend abzuschaffen. Besonders Landwirtschaft und Gastgewerbe warnen vor schwerwiegenden Folgen.

Rentenversicherungspflicht für alle Minijobber

Kern der Empfehlung: Eine generelle Rentenversicherungspflicht für alle Minijobs ohne Befreiungsmöglichkeit. Der Beitragssatz soll bei 9,3 Prozent des Bruttoverdienstes liegen. Bei der aktuellen Verdienstgrenze von 603 Euro entspricht das rund 56 Euro monatlich für die Beschäftigten. Ausnahmen sind nur für Schüler vorgesehen.

CDU-Generalsekretär Linnemann rechtfertigte die Pläne am 28. Juni mit der Notwendigkeit besserer Altersvorsorge. „Auch Minijobber müssen für ihr Alter vorsorgen“, sagte er. Linnemann schloss eine Erhöhung der Reichensteuer zur Gegenfinanzierung von Steuerentlastungen nicht aus. Bundeskanzler Merz und Bundestagspräsidentin Bas signalisierten bereits Unterstützung für das Reformpaket mit insgesamt 33 Empfehlungen.

Existenzielle Sorgen in Landwirtschaft und Gastronomie

Die betroffenen Wirtschaftsverbände kündigten massiven Widerstand an. Nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes arbeiten rund 40 Prozent aller Mitarbeiter in der Landwirtschaft auf Minijob-Basis. DBV-Präsident Rukwied lehnt den Vorschlag entschieden ab.

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Ähnlich deutlich äußerte sich die Hauptgeschäftsführerin des Gastronomieverbandes DEHOGA, Schimke, am 27. Juni. In der Gastronomie seien rund 1,1 Millionen Beschäftigte als Minijobber tätig – die Hälfte der gesamten Branche. Arbeitgeber zahlen bereits Pauschalbeträge von 15 Prozent für die Renten- und 13 Prozent für die Krankenversicherung. Der Verband werde mit aller Kraft für den Erhalt des Status quo kämpfen. Auch CSU-Chef Söder sprach sich gegen die Abschaffung aus.

Unterstützung von Gewerkschaften und Ökonomen

Während die Wirtschaftsverbände warnen, erhalten die Pläne Zuspruch von Gewerkschaften und Ökonomen. Die Wirtschaftsweise Schnitzer begrüßte den Vorstoß am 27. Juni. Die aktuelle Regelung sei eine Subvention für bestimmte Branchen. Auch der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Zeitler, plädierte für das Ende der Minijobs. Sie würden prekäre Verhältnisse zementieren.

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Sozialverbände wie der SoVD warnen hingegen vor Risiken für Frauen. Die Dimension der geplanten Änderung zeigt ein Blick auf die Statistik: Von den bundesweit rund 6,8 Millionen Minijobbern zahlten zuletzt 79,1 Prozent keine eigenen Beiträge in die Rentenversicherung ein. Betroffene wie die 69-jährige Rentnerin Rita Mangliers kritisieren, dass die Reform finanzielle Spielräume für Rentner beschneide. Sie stockt ihre Rente von 1.200 Euro mit einem Minijob auf.

Beratungen im Koalitionsausschuss

Die Reformempfehlungen sind Teil eines größeren Pakets. Es sieht unter anderem das Ende der Rente mit 63, eine kapitalgedeckte Zusatzrente sowie die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung ab 2042 vor. Letzteres stieß bereits auf Kritik von Manuela Schwesig (SPD). Der Co-Vorsitzende der Kommission, Weise, verteidigte das Gesamtkonzept.

Ein konkreter Gesetzesentwurf liegt noch nicht vor. Experten stufen die Maßnahme aber als sofort umsetzbar ein. Der Koalitionsausschuss wird sich voraussichtlich am 1. Juli mit den Vorschlägen befassen.

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