Minijob-Reform: Regierungskommission plant Abschaffung für 7 Millionen
28.06.2026 - 23:38:09 | boerse-global.de
Die Pläne sehen vor, geringfügige Beschäftigungen in die Rentenversicherungspflicht einzubeziehen. Davon wären bundesweit 6,8 bis 7 Millionen Menschen betroffen.
Das plant die Kommission
Der Reformvorschlag sieht vor, dass Beschäftigungsverhältnisse bis zur 603-Euro-Grenze künftig reguläre Sozialabgaben zahlen. Konkret diskutiert die Kommission einen Rentenbeitragssatz von 9,3 Prozent. Bei einem Verdienst an der Höchstgrenze wären das rund 56 Euro. Insgesamt könnten die Abzüge aus Steuern und Sozialversicherung auf etwa 130 Euro steigen.
Ausnahmen sollen nur für Schüler gelten. Ein Opt-out-Verfahren, bei dem sich Beschäftigte von der Pflicht befreien lassen können, ist nicht vorgesehen. Ziel der Maßnahme: Minijobs als Sackgasse am Arbeitsmarkt beenden und die Altersarmut bekämpfen.
Unterstützung aus Politik und Wissenschaft
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann verteidigte die Empfehlungen. Er betonte die Notwendigkeit einer Gegenfinanzierung im Rahmen einer Einkommensteuerreform. Eine Erhöhung der Reichensteuer schloss er nicht aus.
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Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer nannte die aktuelle Ausgestaltung der Minijobs eine „Subvention für bestimmte Branchen“. Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und Wissenschaftler begrüßten die Pläne. Sie argumentieren: Minijobs verhinderten oft den Sprung in eine reguläre, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.
Aktuelle Daten der Rentenversicherung zeigen: 79,1 Prozent der Minijobber nutzen die bestehende Rentenversicherungspflicht nicht.
Scharfe Kritik aus der Wirtschaft
Massiven Widerstand gibt es aus Branchen mit vielen geringfügig Beschäftigten. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) kündigte Protest an. Allein in der Gastronomie arbeiten rund 1,1 Millionen Minijobber. In der Landwirtschaft stellen sie laut Bauernverband etwa 40 Prozent der Mitarbeiter. Das Gebäudereiniger-Handwerk beziffert den Anteil auf 30 Prozent.
Handwerkspräsident Hans Peter Dittrich bezeichnete Minijobs als „unverzichtbares Instrument für die betriebliche Flexibilität“. CSU-Chef Markus Söder warnt vor einem massiven Anstieg der Schwarzarbeit – besonders in Privathaushalten, der Pflege und der Gastronomie. Rentenexpertin Gertrud Lietzmann befürchtet den Verlust zahlreicher Arbeitsplätze. Die höheren Lohnnebenkosten seien für viele Arbeitgeber nicht tragbar.
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Härtefälle: Rentner und Frauen besonders betroffen
Neben Studenten trifft die Reform vor allem Rentner und Frauen. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) schätzt: Rund 4 Millionen Minijobber müssten zunächst mit einem geringeren Nettoeinkommen rechnen.
Der Sozialverband Deutschland (SoVD) warnt: Besonders Frauen mit lückenhaften Erwerbsbiografien würden durch den Wegfall des Netto-Verdienstvorteils hart getroffen. Unter den derzeitigen Minijobbern sind etwa 1,2 Millionen Menschen, die bereits eine Altersrente beziehen und sich etwas dazuverdienen.
Die Koalitionsverhandlungen laufen. Während die Union bei der geplanten Steuerreform ab Anfang 2027 auf eine Verschiebung des Spitzensteuersatzes drängt, beharrt die SPD auf sozialer Ausgewogenheit. Die Abschaffung der Steuervorteile bei Minijobs bleibt ein zentraler Streitpunkt.
