Minijob-Reform: Pauschalsteuer steigt auf 5 Prozent, Rente wird Pflicht
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 03:03 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Während Arbeitsmarktexperten die Pläne als halbherzig kritisieren, warnen Wirtschaftsverbände vor steigenden Kosten.
Höhere Steuern und Pflicht zur Rente
Am Mittwoch wurden Details der Minijob-Reform bekannt. Kernpunkte: Der Pauschalsteuersatz für Arbeitgeber steigt von 2 auf 5 Prozent. Bei der aktuellen Verdienstgrenze von 603 Euro bedeutet das Mehrkosten von rund 18 Euro pro Monat. Die monatliche Steuerbelastung klettert von 12,06 auf 30,15 Euro.
Noch einschneidender: Die verpflichtende Rentenversicherung für Minijobber. Bisher konnten sich Beschäftigte per Opt-out befreien lassen. Die Regierung will diesen Sonderstatus nun abschaffen. Ziel ist es, die rund 6,8 Millionen geringfügig Beschäftigten stärker in die gesetzliche Rente einzubinden.
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„Halbherzig" und „Sackgasse"
Professor Ulrich Walwei vom IAB bezeichnete die Pläne als unzureichend. Er rechnet nicht mit nennenswerten Effekten auf den Minijob-Einsatz – wohl aber mit staatlichen Mehreinnahmen zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro. Seine Forderung: volle Sozialversicherungs- und Steuerpflicht ab einer bestimmten Grenze, mit Ausnahmen für Schüler, Studenten und Rentner.
Soziologin Jutta Allmendinger geht noch weiter. Sie fordert die komplette Abschaffung des Modells. Ohne gleichzeitigen Ausbau der Kinderbetreuung drohe besonders Frauen die Abwanderung in Schwarzarbeit. Wirtschaftsweise Monika Schnitzer nannte Minijobs eine „Sackgasse". Auch Andrea Nahles, Chefin der Bundesagentur für Arbeit, sieht darin Fehlanreize, die sozialversicherungspflichtige Jobs unattraktiv machen.
Wirtschaft schlägt Alarm
Die Branchen reagieren nervös. Der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA warnt vor einem massiven Attraktivitätsverlust. Die höhere Pauschalsteuer verteuere Beschäftigung und gefährde indirekt auch reguläre Arbeitsverhältnisse. Ähnlich sieht es der Gebäudereiniger-Verband BIV.
Besonders hart träfe es den Handel: Knapp eine Million Minijobber arbeiten dort. Einzelhändler befürchten Engpässe in Spitzenzeiten und mehr Schattenwirtschaft. Bauernpräsident Joachim Rukwied betont: Minijobber seien in der Landwirtschaft nicht ersetzbar, das Modell müsse für Saisonarbeit erhalten bleiben.
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Während die Steuererhöhung bereits feststeht, bleibt die konkrete Ausgestaltung der Rentenversicherungspflicht offen. Die Koalition will im Herbst eine endgültige Entscheidung treffen.
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