Minijob-Reform, Handelsverband

Minijob-Reform: Handelsverband warnt vor 800.000 verlorenen Jobs

22.06.2026 - 01:48:28 | boerse-global.de

Die geplante Einschränkung von Minijobs auf Schüler stößt auf breite Kritik von Wirtschaftsverbänden und Ökonomen.

Minijob-Reform: Streit um Pläne der Rentenkommission
Minijob-Reform - Ein Nahaufnahme-Bild von aufeinander gestapelten 1- und 2-Euro-Münzen, die unsicher balancieren, mit verschwommenem Hintergrund eines Geschäfts. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Pläne der Rentenkommission sorgen für dicke Luft: Geringfügige Beschäftigungsverhältnisse sollen künftig fast nur noch für Schüler erlaubt sein. Wirtschaftsverbände und Ökonomen laufen Sturm.

Handelsverband fürchtet 800.000 Jobs in Gefahr

Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), bezeichnete die Überlegungen gestern als „gefährlichen Irrweg“. Allein im Einzelhandel stünden rund 800.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Viele Beschäftigte könnten wegen fehlender Kinderbetreuung nicht in Vollzeit oder sozialversicherungspflichtige Teilzeit wechseln. Eine Abschaffung der Minijobs käme einem „fatalen Nackenschlag“ gleich.

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Auch der Gastgewerbeverband Dehoga schloss sich der Kritik an. Die geplante Beschränkung auf Schüler treffe die Branche hart.

Experte rechnet mit 25 Milliarden mehr Schwarzarbeit

Wirtschaftswissenschaftler Friedrich Schneider von der Universität Linz warnt vor massiven Ausweichbewegungen in die Schattenwirtschaft. Seinen Berechnungen zufolge könnte die Schwarzarbeit 2027 um mindestens 25 Milliarden Euro steigen.

Schneider erinnert daran, dass die Einführung der Minijobs Anfang der 2000er-Jahre eines der erfolgreichsten Instrumente gegen illegale Beschäftigung war. Aktuell wird der Gesamtwert der Schattenwirtschaft in Deutschland auf rund 500 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.

Gewerkschaften gespalten – Ökonomen uneins

Verdi-Chef Frank Werneke begrüßte die Abkehr von Minijobs grundsätzlich, da sie oft in die Altersarmut führten. Andere Teile des Reformpakets lehnt er strikt ab – etwa die Anhebung des Renteneintrittsalters. Auch die IG Metall kündigte Widerstand an.

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Unter Wirtschaftswissenschaftlern herrscht ebenfalls Uneinigkeit. Während Monika Schnitzer die Vorschläge lobte, kritisierte die Wirtschaftsweise Veronika Grimm sie gestern als unzureichend – vor allem die geplante Kapitalsäule. DIW-Präsident Marcel Fratzscher sieht eine mangelnde Konsequenz im Kampf gegen Altersarmut und eine einseitige Belastung der Jüngeren.

Das steckt im Reformpaket

Die Minijob-Pläne sind Teil eines umfangreichen Pakets mit 30 Einzelmaßnahmen. Die Rentenkommission will es am Mittwoch offiziell an Kanzler Merz und Arbeitsministerin Bas übergeben. Die Kernpunkte:

  • Schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters auf 68 Jahre bis 2051
  • Abschaffung der Rente mit 63
  • Neue Kapitalsäule: Zwei Prozent des Bruttolohns, hälftig von Arbeitnehmern und Arbeitgebern
  • Einbeziehung von Selbstständigen, Politikern und Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung
  • Beitragssatz soll bis 2028 auf 19,9 Prozent steigen

Die politischen Reaktionen fallen gemischt aus. SPD-Co-Chefin Bärbel Bas fordert Übergangsfristen und Vertrauensschutz. Grüne und Linke kritisieren fehlende Garantien für ein stabiles Rentenniveau – Prognosen zufolge könnte es ab 2031 unter die Marke von 48 Prozent sinken.

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