Minijob-Kosten, Milliarden

Minijob-Kosten: 1,9 Milliarden Euro Mehrbelastung für Unternehmen geplant

Veröffentlicht: 14.07.2026 um 14:18 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Hohe Nachfrage nach Minijobbern steht Reformplänen gegenüber. Arbeitgeber warnen vor Milliardenkosten, während Experten über die Zukunft der geringfügigen Beschäftigung streiten.

Minijob-Streit: Söder gegen Abschaffung, Reformpläne belasten Firmen
Mitarbeiter im Einzelhandel, einige mit Schürzen, bestücken Regale und bedienen Kunden in einem modernen Supermarkt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Aktuelle Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen: Allein heute sind bundesweit 41.181 Minijob-Stellen ausgeschrieben. Große Filialisten wie Lidl, Kaufland, REWE und Adler Modemärkte suchen händeringend Personal für Verkauf und Logistik.

Regionale Unterschiede bei Löhnen

In Kiel waren Mitte Juli knapp 60 Minijobs inseriert, in Gütersloh rund 347. Die Vergütung variiert stark: Manche Arbeitgeber zahlen 13,90 bis 15,00 Euro pro Stunde. Paketdienste und spezialisierte Dienstleister bieten teils 16,00 bis 17,50 Euro. Der Bedarf an flexiblen Arbeitskräften scheint ungebrochen.

Söder stellt sich gegen Abschaffung

CSU-Chef Markus Söder sprach sich Mitte Juli deutlich für den Erhalt der Minijobs aus. Er warnt vor schweren Folgen für Gastronomie, Handel und Landwirtschaft. Unterstützung kommt vom Handelsverband Deutschland (HDE) und dem Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA). Beide warnen in Schreiben an die Bundesministerien vor einer massiven Verteuerung der Arbeit.

Die Fronten sind klar: Der Sozialverband Deutschland (SoVD) fordert eine Rentenversicherungspflicht für alle Minijobber. Bereits im Juni hatte eine Alterssicherungskommission empfohlen, den Sonderstatus weitgehend aufzuheben. Nur Schüler sollen ausgenommen bleiben.

Millionenlast für Unternehmen

Die geplanten Reformen hätten handfeste finanzielle Folgen. Ein Entwurf zum GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz sieht vor, den Arbeitgeber-Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung um 4,5 Prozentpunkte auf 17,5 Prozent anzuheben. HDE-Präsident Alexander von Preen rechnet mit Mehrkosten von 1,9 Milliarden Euro jährlich. Zusätzlich soll der Pauschalsteuersatz von zwei auf fünf Prozent steigen – rund 18 Euro mehr pro Minijobber und Monat.

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Für Beschäftigte sähe eine Vollintegration in die Sozialversicherung düster aus: Bei einem Bruttoverdienst von maximal 603 Euro blieben netto nur rund 475 Euro übrig. Ein Minus von 21 Prozent.

Experten uneins über den richtigen Weg

Ein Experte des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nennt die aktuellen Reformvorschläge halbherzig. Er fordert eine klare Grenze für die volle Sozialversicherungspflicht und warnt vor der „Minijob-Falle“. Ein Mitglied des Sachverständigenrates hingegen hält die Aufregung für übertrieben: Reguläre Teilzeit sei für Arbeitgeber nicht zwingend teurer, da der Minijob-Pauschalbeitrag von 31 Prozent über den regulären Sozialabgaben von rund 21 Prozent liege.

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Kompromiss zeichnet sich ab

Die Politik sucht nach Auswegen. SPD-Politiker Armin Willingmann plädierte heute dafür, Minijobs für Studierende zu erhalten – sonst drohe Abwanderung in die Schwarzarbeit. Auch zwischen Union und SPD gibt es Gesprächsbedarf, besonders bei Ausnahmeregelungen für bestimmte Personengruppen. Eine Einigung ist noch nicht in Sicht.

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