Minijob-Debatte, Rentenkommission

Minijob-Debatte: Rentenkommission fordert Abschaffung des Sonderstatus

25.06.2026 - 05:05:12 | boerse-global.de

Ab Januar 2026 gilt ein Mindestlohn von 13,90 Euro. Die Rentenkommission fordert zudem die Abschaffung des Minijob-Sonderstatus für Erwachsene.

Neuer Mindestlohn 2026: Minijob-Grenze steigt auf 603 Euro
Minijob-Debatte - Nahaufnahme einer Hand, die Euro-Münzen hält, mit unscharfem Hintergrund von Taschenrechner und Dokumenten, die finanzielle Anpassungen symbolisieren. 25.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Anhebung um rund einen Euro bringt nicht nur höhere Verdienstgrenzen für Minijobber mit sich – sie fällt mitten in eine grundlegende Debatte um die Zukunft der geringfügigen Beschäftigung.

Die monatliche Minijob-Grenze steigt auf 603 Euro. Auch der Midijob-Bereich wird angepasst: Hier liegt die Obergrenze künftig bei 2.000 Euro. Parallel dazu profitieren Rentner von der sogenannten Aktivrente: Bis zu 2.000 Euro monatlich können sie ab Januar steuerfrei hinzuverdienen. Landwirte erhalten zudem ab dem Verbrauchsjahr 2026 wieder die volle Agrardiesel-Rückerstattung.

Rentenkommission will Minijob-Sonderstatus abschaffen

Doch die aktuellen Anpassungen könnten nur ein Zwischenschritt sein. Eine von der Regierung eingesetzte Rentenkommission hat 33 Maßnahmen zur Stabilisierung der Alterssicherung vorgelegt – und eine der zentralen Forderungen: Schluss mit dem Minijob-Sonderstatus für Erwachsene.

Die Idee: Geringfügige Beschäftigungen sollen in reguläre, sozialversicherungspflichtige Jobs überführt werden. Nur Schüler sollen weiterhin ausgenommen bleiben. Die Konsequenz wäre gravierend: Arbeitnehmer müssten auch bei niedrigen Einkommen eigene Beiträge zur Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zahlen. Bei 603 Euro Verdienst wären das rund 130 Euro Abzüge.

Bundeskanzler Merz machte bei einer Regierungsbefragung am 24. Juni klar: Die Rentenreform soll noch dieses Jahr über die Bühne gehen. Ein Koalitionsausschuss berät am 1. Juli über die Details.

Kapitalrente, Rente mit 63 und längeres Arbeiten

Die Reformvorschläge gehen weit über die Minijob-Frage hinaus. Ein Überblick über die Kernpunkte:

  • Kapitalrente: Eine verpflichtende private Säule mit paritätisch finanziertem Zusatzbeitrag von zwei Prozentpunkten
  • Rente mit 63: Sie soll auslaufen
  • Renteneintrittsalter: Ab 2032 an die Lebenserwartung gekoppelt
  • Selbstständige: Sie sollen künftig versicherungspflichtig werden
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Durch die Anhebung des Mindestlohns ändert sich zum Januar 2026 auch die Verdienstgrenze für geringfügig Beschäftigte. Mit dieser kostenlosen Mustervorlage sichern sich Arbeitgeber rechtlich ab und passen ihre Verträge in wenigen Minuten an die neuen Vorgaben an. Rechtssicheren Minijob-Arbeitsvertrag kostenlos herunterladen

Arbeitszeit wird flexibler – Bürgergeld verschwindet

Neben der Rentenpolitik tut sich auch beim Arbeitsrecht etwas. Das Arbeitsministerium bereitet eine Reform des Arbeitszeitgesetzes vor. Der bisher starre Acht-Stunden-Tag soll zugunsten einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit gelockert werden – allerdings nur, wenn Tarifvertragsparteien das vereinbaren. Die elektronische Arbeitszeiterfassung soll dafür verpflichtend werden.

Und das soziale Sicherungssystem wird umgekrempelt: Ab Juli 2026 ersetzt eine neue Grundsicherung das bisherige Bürgergeld. Die Regelsätze bleiben für Alleinstehende bei 563 Euro. Dafür gibt es schärfere Sanktionen, eine striktere Vermögensprüfung und eine Begrenzung der Wohnkosten. Der Vermittlungsvorrang in Arbeit wird gestärkt.

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„Produktivitätsfern“ – Kritik aus der Wirtschaft

Die Pläne kommen nicht überall gut an. In der Paket- und Expresslogistik hagelte es auf einer Branchenkonferenz am 23. Juni Kritik am neuen Mindestlohn. Der sei produktivitätsfern, hieß es. Die Warnung: Der steigende Kostendruck werde die Automatisierung in der Branche beschleunigen.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) schlägt ebenfalls Alarm. Rund 800.000 Minijobs gibt es allein im Einzelhandel. Eine Abschaffung des Sonderstatus bezeichnete der Verband als riskanten Weg.

Auch Sozialverbände und Gewerkschaften meldeten Bedenken an. Der Sozialverband Deutschland warnt vor steigender Altersarmut, weil Hinzuverdienstmöglichkeiten wegfallen. Gewerkschaftsvertreter kritisieren die geplante Kapitalrente und die Anhebung des Renteneintrittsalters. Die Fronten sind klar – die Verhandlungen werden spannend.

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