Minijob-Abschaffung, Reform

Minijob-Abschaffung: Reform betrifft 6,55 Millionen Beschäftigte

24.06.2026 - 11:04:39 | boerse-global.de

Niedersachsens Arbeitsminister befürwortet die Abschaffung von Minijobs. Die Reform soll die soziale Absicherung verbessern, stößt aber auf breite Kritik.

Minijob-Aus geplant: Philippi stützt Rentenkommissions-Vorschlag
Minijob-Abschaffung - Ein nachdenklicher deutscher Politiker in einem modernen Büro, im Hintergrund verschwommen Diagramme und Dokumente. 24.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Niedersachsens Arbeitsminister Andreas Philippi (SPD) unterstützt die Pläne der Rentenkommission zur Abschaffung von Minijobs. Der Sonderstatus für geringfügige Beschäftigung soll für die meisten Erwerbstätigen wegfallen. Ziel ist eine bessere soziale Absicherung.

Was die Reform konkret vorsieht

Die Rentenkommission will Minijobs für 18- bis 68-Jährige in versicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse überführen. Eine Ausnahme soll künftig nur noch für Schüler gelten. Auch die Midijobs stünden vor dem Aus, hieß es.

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Ein konkretes Datum für die Umsetzung nannte Philippi nicht. Experten halten eine kurzfristige Realisierung aber für möglich.

Millionen Beschäftigte wären betroffen

Bundesweit gibt es rund 6,55 Millionen gewerbliche Minijobber und etwa 252.000 Beschäftigte in Privathaushalten. Der Frauenanteil liegt bei 55,9 Prozent, rund 18,3 Prozent der Stellen sind mit ausländischen Arbeitskräften besetzt. Etwa 1,2 Millionen Minijobber sind bereits im Rentenalter.

Die Verdienstgrenze liegt derzeit bei 603 Euro pro Monat. Arbeitgeber zahlen Pauschalabgaben von etwa 30 Prozent. Allein im ersten Quartal flossen rund 1,3 Milliarden Euro in die Rentenversicherung und 1,02 Milliarden Euro in die Krankenversicherung.

Ab dem 1. Juli 2026 können Minijobber eine zuvor gewählte Befreiung von der Rentenversicherungspflicht rückgängig machen. Bei voller Ausschöpfung der Verdienstgrenze würde das einen Eigenbeitrag von etwa 21,70 Euro pro Monat bedeuten.

Wirtschaft schlägt Alarm

Kritik kommt vor allem aus den betroffenen Branchen. Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Niedersachsen lehnt den Vorstoß entschieden ab. Präsident Dirk Breuckmann warnt: Allein im niedersächsischen Gastgewerbe sind rund 109.000 Minijobber beschäftigt. Der Handelsverband Deutschland (HDE) befürchtet den Verlust von Hunderttausenden Stellen im Einzelhandel.

Ökonomen sehen weitere Risiken. Der Wirtschaftswissenschaftler Friedrich Schneider prognostiziert einen deutlichen Anstieg der Schwarzarbeit. Das potenzielle Volumen der Schattenwirtschaft beziffert er auf mindestens 25 Milliarden Euro für das Jahr 2027.

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) rechnet vor: Rund vier Millionen Minijobber hätten bei einer Umwandlung in reguläre Jobs zunächst weniger Nettoeinkommen. Der finanzielle Vorteil des Minijob-Status gegenüber einer regulären Beschäftigung beträgt bei voller Ausschöpfung der 603-Euro-Grenze etwa 130 Euro pro Monat.

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Politische Fronten und fiskalische Hoffnungen

SPD, Grüne und Linke unterstützen die Reform. Die AfD lehnt sie ab. In der Union herrscht Uneinigkeit. Die Gewerkschaft Verdi begrüßt den Vorschlag. Vorsitzender Frank Werneke argumentiert: Minijobs seien ein erhebliches Risiko für spätere Altersarmut.

Auch die Bundesagentur für Arbeit hatte sich in der Vergangenheit kritisch geäußert – wegen fehlender Aufstiegschancen und mangelnder sozialer Absicherung.

Der Staat erhofft sich durch die Umwandlung Mehreinnahmen von rund 4,5 Milliarden Euro. Für 2027 wird zudem mit einem Anstieg der allgemeinen Sozialabgaben auf über 38 Prozent gerechnet.

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