Mietmarkt in Spanien: Über 4.000 Wohnungen binnen zehn Tagen entzogen
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 22:45 Uhr | Redaktion boerse-global.deAus Furcht vor Mietausfällen entscheidet sich ein privater Eigentümer in Madrid dafür, seine Immobilie ungenutzt zu lassen, anstatt ein finanzielles Risiko einzugehen. Der Vermieter Marcial erklärte, dass er das Objekt lieber leer stehen lasse, als sich der Gefahr ausbleibender Mietzahlungen auszusetzen.
Seine Zurückhaltung verdeutlicht ein Phänomen, das derzeit den gesamten spanischen Wohnungsmarkt prägt: Aus Sorge vor rechtlichen und wirtschaftlichen Hürden ziehen sich immer mehr Besitzer aus der regulären Vermietung zurück.
Vorbehalte bei der Mieterwahl und rechtliche Vorgaben
Wenn er sich doch zu einer Vermietung entschließt, bevorzugt der Eigentümer Bekannte aus seinem Heimatort – und das auch zu einem geringeren Mietpreis.
Der Hintergrund für diese Vorsicht liegt in der familiären Zukunftsplanung, da er die Wohnung für seine drei Kinder benötigt, sobald diese ein Studium aufnehmen. Er richtet sich dabei an Studenten; konkrete Preise und Mieten werden hierbei nicht genannt.
Der rechtliche Rahmen der Ley de Arrendamientos Urbanos regelt solche Fälle in Artikel 9.3: Ein Eigenbedarf für Verwandte ersten Grades ist demnach nach Ablauf des ersten Vertragsjahres möglich, sofern dies bereits bei Vertragsschluss schriftlich festgehalten wurde und die Ankündigung mit einer Vorlauffrist von zwei Monaten erfolgt.
Rückzug aus dem Langzeitmietmarkt
Die Haltung des Madrider Eigentümers spiegelt sich in landesweiten Branchendaten wider. Nach Angaben des Verbands Federation of Real Estate Associations (FAI) nahmen Eigentümer in Spanien innerhalb von zehn Tagen über 4.000 Wohnungen aus dem Segment der Langzeitvermietung. Eine FAI-Umfrage unter mehr als 600 Immobilienagenturen erfasste insgesamt 5.758 Fälle von Marktveränderungen.
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Davon wurden 2.067 Wohnungen komplett zurückgezogen, 1.224 Einheiten zum Verkauf gestellt, 944 in die Saison- oder Zimmervermietung umgewandelt und 1.523 Vertragsunterzeichnungen vorerst ausgesetzt. Rund 89 Prozent der befragten Agenturen meldeten derartige Verschiebungen. Der Verband rechnet in den kommenden Wochen mit einem Rückgang der Transaktionen um 25 bis 30 Prozent.
Auch auf lokaler Ebene zeigen sich die Folgen der angespannten Marktlage. Der Immobilienmakler Juan Luis Blanco aus Valladolid musste kürzlich drei Mietvertragsunterzeichnungen verschieben und verwies auf ein Umfeld mit geringem Angebot bei gleichzeitig hoher Nachfrage. Nach Angaben der Fundación Alquiler Seguro kommen im Schnitt 133 Interessenten auf ein einziges Mietinserat innerhalb von zehn Tagen.
Regulierungsdebatte und Marktreaktionen
Als wesentliche Treiber für den schrumpfenden Markt gelten zunehmende Rechtsunsicherheiten infolge der Wohnungsgesetzgebung und neuer staatlicher Eingriffe.
Am 6. Oktober 2026 beschloss die spanische Regierung zwei Dekrete. Seit dem 8. Oktober ist eine zweijährige Verlängerung auslaufender Verträge bis Ende 2028 vorgesehen; zudem wurden Mieterhöhungen ohne neue Vereinbarung bis Ende 2027 auf maximal 2 Prozent gedeckelt.
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Ein weiteres Dekret soll am 15. November 2026 in Kraft treten. Die Regierung stellte für kleine Vermieter bei bezahlbaren Mieten klare Regeln sowie steuerliche Anreize in Aussicht. Über die Maßnahmen muss noch die Diputación Permanente des Kongresses entscheiden.
Die langfristigen Marktdaten unterstreichen die Verknappung des Angebots: Die Zahl der Langzeitinserate auf dem Immobilienportal Idealista sank von 902.664 im Jahr 2018 auf 510.091 im Jahr 2025, was einem Rückgang von 44 Prozent entspricht.
Unterdessen stieg die Durchschnittsmiete in Spanien im September 2026 auf 15,1 Euro pro Quadratmeter und Monat, während für Madrid ein Wert von 23,4 Euro verzeichnet wurde. Die spanische Durchschnittsmiete lag zuletzt bei 1.214 Euro im Monat. Für das Gesamtjahr 2026 wird für den spanischen Mietmarkt ein weiterer Nettoverlust von voraussichtlich 7.705 Wohnungen prognostiziert.
