Mietmarkt, Bestandsmieten

Mietmarkt: Bestandsmieten steigen bundesweit um 10,2 Prozent

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 14:25 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im dritten Quartal 2026 erhöhten sich Bestandsmieten bundesweit um 10,2 Prozent; in mehreren Metropolen betrug der Zuwachs 22 bis 23,5 Prozent.
Ein Rohbau eines modernen Wohngebäudes mit Gerüsten vor einem klaren Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Die Situation auf dem Wohnungsmarkt spitzt sich weiter zu. Nach Einschätzung von Experten und Marktbeobachtern führt die anhaltend hohe Nachfrage bei einem zeitgleich schrumpfenden Angebot dazu, dass Vermieter ihre Auswahlkriterien für Mietinteressenten spürbar verschärfen. Für viele Wohnungssuchende wird der Zugang zu bezahlbarem Wohnraum damit zunehmend schwieriger.

Ökonom Jonas Zdrzalek vom Kiel Institut für Weltwirtschaft erklärte in einem Interview mit dem Sender NDR Info, dass die Mietpreise in Deutschland weiter anziehen dürften. Aus seiner Sicht werde eine Vergesellschaftung von großen Wohnkonzernen die Lage am Markt nicht entsannen. Stattdessen sei zwingend ein verstärkter Wohnungsbau erforderlich, um das Angebot nachhaltig zu erhöhen.

Auch eine Analyse von PwC Legal kommt zu dem Ergebnis, dass Bestandsmieten großer privater Wohnungsunternehmen unter den Neuvermietungs-Angebotsmieten lägen und Enteignungen das Problem des Wohnraummangels nicht lösen würden, während sie zugleich Risiken für Banken und den Investitionsstandort mit sich brächten.

Wohnraumknappheit belastet Verbraucherbudgets

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Verknappung beschäftigen auch die Politik. Der Wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums warnt davor, dass die Wohnraumknappheit zu einem handfesten gesamtwirtschaftlichen Problem heranwachse.

Laut den Berechnungen des Beirats legten die Angebotsmieten in Deutschland zwischen 2012 und 2024 im Durchschnitt um rund 20 Prozent zu. In Ballungsräumen dürfen Mieten binnen drei Jahren um bis zu 15 Prozent steigen.

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Die finanzielle Belastung privater Haushalte hat sich dadurch deutlich verlagert: Der Anteil der Mietkosten an den gesamten Konsumausgaben stieg von 23,7 Prozent in den 1990er-Jahren auf zuletzt 29,2 Prozent. Betrachtet man Wohnen und Energie gemeinsam, kletterte dieser Anteil von zuvor 27 Prozent auf rund 38 Prozent.

Zudem wichen viele Arbeitnehmer auf das Umland aus, was die Pendlerzahlen innerhalb von 15 Jahren um 30 Prozent steigen ließ. Um gegenzusteuern, plädiert der Beirat unter anderem für mehr Bauland und verbindliche Wohnungsbauziele für Kommunen.

Daten belegen Preissprünge im Bestand

Wie stark die Dynamik im Markt ist, verdeutlicht der Empirica-Regio-Index für das dritte Quartal 2026, der auf Daten der Value AG aus Inseraten von über 100 Plattformen basiert. Im Vergleich zum Vorjahresquartal legten die Neubaumieten bundesweit um 3,8 Prozent zu, während die Bestandsmieten um 10,2 Prozent nach oben schnellten.

In Metropolen wie Frankfurt am Main, Hamburg und München kletterten die Bestandsmieten im selben Zeitraum um 22 bis 23,5 Prozent. Die Neubaupreise erreichten im bundesweiten Durchschnitt 5230 Euro pro Quadratmeter, was einem Plus von 1,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal entspricht, während die Bestandspreise um 6,6 Prozent zulegten.

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Die regionalen Auswirkungen zeigen sich auch am Beispiel einzelner Städte. Im dritten Quartal 2026 verzeichnete Düsseldorf laut dem Mietpreisindex des Kieler Instituts für Weltwirtschaft einen Anstieg der Angebotsmieten um 2 Prozent gegenüber dem Vorquartal und lag damit bundesweit auf Platz zwei hinter Berlin.

Innerhalb eines Jahrzehnts kletterten die Preise neu angebotener Mietwohnungen in Düsseldorf um 50 Prozent, während der Anteil öffentlich geförderter Wohnungen unter 4 Prozent des Gesamtbestands sank.

Zudem konstatierte der Mieterverein Düsseldorf in seinem Mietenmonitor 2026, dass jede zweite Mietwohnung in den Online-Inseraten überteuert angeboten werde. Angesichts dieser Verengung bleibt die Lage für Mietinteressenten bei der Wohnungssuche stark angespannt.

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