Metalltarifrunde: IG Metall stellt Forderungen am 23. September
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Vorfeld der offiziellen Forderungsbekanntgabe für die anstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie hat die Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, Bereitschaft zu flexiblen Lösungen signalisiert.
In einem Interview Ende August bot Benner einen differenzierten Tarifabschluss an, der spezifische Öffnungsklauseln für die Unternehmen vorsehen könnte. Dieser Vorstoß erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Gewerkschaft ihre strategische Ausrichtung für die kommenden Verhandlungen präzisiert.
Ergebnisse der Beschäftigtenbefragung und Zeitplan
Die Grundlage für die anstehenden Verhandlungen bildet eine großangelegte Befragung unter 267.000 Beschäftigten der Branche. Die Auswertung dieser Umfrage ergab ein geteiltes Meinungsbild hinsichtlich der Entgelterwartungen: Während 47,8 % der Befragten eine moderate Erhöhung der Bezüge befürworten, sprachen sich 35 % für eine kräftige Lohnsteigerung aus. Als Hauptgrund für die Forderungen nach deutlichen Zuwächsen werden die anhaltend hohen Lebenshaltungskosten angeführt.
Der weitere Fahrplan für die Tarifrunde steht bereits fest. Am 22.09.2026 werden zunächst die Tarifkommissionen über die konkreten Forderungen beraten und diese beschließen. Einen Tag später, am 23.09.2026, wird der Vorstand der IG Metall die endgültige Entscheidung über das Forderungspaket treffen.
Wer sich mit komplexen Entgeltstrukturen und Tarifvorgaben befasst, muss auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Arbeitszeit im Blick behalten. Dieser kostenlose Ratgeber unterstützt Sie mit praktischen Checklisten und Vorlagen dabei, Ihre betriebliche Zeitdokumentation rechtssicher zu gestalten. Gratis-Checkliste zur Arbeitszeiterfassung herunterladen
Regionale Schwerpunkte und sektorale Sonderregeln
Ein bedeutender Fokus der Tarifrunde liegt auf Baden-Württemberg, wo die Verhandlungen für die rund 900.000 Beschäftigten der dortigen Metall- und Elektroindustrie am 07.10.2026 beginnen.
Für diesen Bezirk hat die Gewerkschaft bereits ein konkretes Berechnungsmodell für die Lohnforderung skizziert. Dieses setzt sich aus dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von 2 %, einer Produktivitätskomponente von etwa 1 % sowie einer zusätzlichen Umverteilungskomponente zusammen. Daraus ergibt sich eine Zielgröße von 3 plus x Prozent.
Ergänzend dazu brachte die Bezirksleiterin der IG Metall in Stuttgart, Barbara Resch, am 11.09.2026 weitere Differenzierungsmöglichkeiten ins Gespräch. Sie bezeichnete Sonderregelungen für Unternehmen, die derzeit hohe Übergewinne erwirtschaften, als denkbar. Dies beziehe sich insbesondere auf Betriebe aus den Bereichen Rüstung und Medizintechnik.
Die Durchsetzung spezifischer Forderungen in der Industrie erfordert oft eine starke Mitbestimmung und klare rechtliche Grundlagen. Wie Sie die gesetzlichen Mitbestimmungsrechte optimal für die Belegschaft nutzen, erfahren Sie in diesem kostenlosen Experten-E-Book. Das Herzstück der Mitbestimmung: Gratis-Leitfaden für Betriebsräte
Protestmaßnahmen und Fokus auf Standortsicherung
Neben den Entgeltfragen stehen Investitionszusagen und der Erhalt bestehender tariflicher Standards im Zentrum der gewerkschaftlichen Agenda. In Baden-Württemberg ist bereits ein Aktionstag geplant, an dem Beschäftigte namhafter Unternehmen wie Mercedes-Benz, Porsche, Bosch, Mahle und ZF teilnehmen sollen. Ein spezieller Fokus der Proteste liegt zudem auf dem Audi-Werk in Neckarsulm.
Die Strategie der IG Metall sieht für den weiteren Verlauf der auseinandersetzung gezielte Nadelstiche vor. Geplant sind demnach kurze, werksbezogene Arbeitsniederlegungen, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen.
Flächendeckende Streiks sind nach aktuellem Planungsstand hingegen nicht vorgesehen. Die Gewerkschaft verbindet ihre Lohnforderungen explizit mit der Forderung nach langfristigen Standortgarantien und Investitionssicherheiten durch die Arbeitgeber.
