Metall-Tarifstreit, Metall

Metall-Tarifstreit: IG Metall startet Warnstreiks für 3,7 Millionen Beschäftigte

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Gewerkschaft weitet Arbeitsniederlegungen aus; bei den Tarifangeboten liegen die Positionen von IG Metall und Arbeitgebern deutlich auseinander.
Nächtliche Außenansicht eines großen Industriebetriebs der Metallverarbeitung bei gedimmter Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt.

Unmittelbar nach dem Auslaufen der Friedenspflicht um Mitternacht hat die IG Metall mit Warnstreiks in der deutschen Metall- und Elektroindustrie begonnen. Betroffen von der aktuellen Tarifauseinandersetzung sind rund 3,7 Millionen Beschäftigte in den Branchen Automobilbau, Maschinenbau, Elektroindustrie und Metallverarbeitung.

Nach dem Auftakt in der Nacht kündigte die Gewerkschaft an, die Arbeitsniederlegungen in den kommenden Tagen massiv auszuweiten und bis zum Ende der Woche Aktionen in über 2.000 Betrieben im gesamten Bundesgebiet durchzuführen.

Erste Arbeitsniederlegungen in mehreren Bundesländern

Bereits kurz nach Mitternacht traten Beschäftigte an verschiedenen Standorten in befristete Ausstände. In Niedersachsen versammelten sich rund 300 Beschäftigte vor dem Werk von KSM Castings in Hildesheim, wo die IG Metall das offizielle Startsignal für die Aktionen im Bundesland gab. Weitere Warnstreiks sind dort unter anderem in Hannover, Braunschweig, Salzgitter und Osnabrück angekündigt.

Auch im rheinland-pfälzischen Andernach legten rund 300 Beschäftigte des Unternehmens thyssenkrupp Rasselstein kurz nach Mitternacht zeitweise die Arbeit nieder. Im Tarifgebiet Mitte, das Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland umfasst und rund 388.000 Beschäftigte zählt, bereitet die Gewerkschaft ebenso wie in Thüringen zusätzliche Streikmaßnahmen vor.

In Bayern beteiligten sich in München Beschäftigte von RF 360 Europe/Qualcomm an nächtlichen Protesten. Zum Wochenbeginn soll dort erstmals auch ein großer bayerischer Automobilhersteller von den Arbeitsniederlegungen betroffen sein.

Weit auseinanderliegende Positionen der Tarifparteien

Die Warnstreiks folgen auf zwei ergebnislose Verhandlungsrunden; eine dritte Runde befindet sich derzeit in Planung. Die Friedenspflicht, die befristete Arbeitsniederlegungen ohne vorherige Urabstimmung untersagt, endete am Samstag.

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Seit Mitternacht ist die Friedenspflicht vorbei — die IG Metall kündigt Aktionen in über 2.000 Betrieben an, und in der dritten Verhandlungsrunde stehen sich 5 Prozent Forderung und ein Angebot von 1,3 Prozent ab Juli 2028 gegenüber. Wer jetzt die Rechtslage bei Warnstreiks und einen belastbaren Ausfallplan parat hat, verliert in den kommenden Tagen keine Produktionsstunde. Kostenlosen Leitfaden zur Tarifrunde anfordern

Die IG Metall fordert für die Beschäftigten und Auszubildenden ein Entgeltplus von 5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Ergänzend verlangt die Gewerkschaft eine soziale Komponente für die unteren Entgeltgruppen sowie eine verpflichtende Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen.

Das Angebot der Arbeitgeberseite aus der zweiten Verhandlungsrunde sieht hingegen eine Einmalzahlung in Höhe von 1 Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttoeinkommens im Juli 2027 vor.

Daran anschließend soll ab Juli 2028 eine dauerhafte Entgelterhöhung von 1,3 Prozent greifen, bei einer Gesamtlaufzeit bis Ende 2028. Bei einer Laufzeit von 26 Monaten entspricht dies einer jährlichen Steigerung von 0,6 Prozent.

Die IG Metall wies den Vorschlag als Provokation zurück und stufte ihn als nicht verhandelbar ein. IG-Metall-Chefin Christiane Benner erklärte hierzu, die Offerte der Arbeitgeber habe in der Belegschaft Unverständnis und Wut ausgelöst.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und tariflicher Hintergrund

Die Arbeitgeberseite verweist ihrerseits auf die angespannte Lage der Branche. Nach Angaben des Arbeitgeberverbands NiedersachsenMetall gingen in der deutschen Metall- und Elektroindustrie seit 2018 knapp 350.000 Arbeitsplätze verloren. Der Verband Pfalzmetall hob hervor, dass die tariflichen Entgelte erst im April um 3,1 Prozent angehoben worden seien.

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Ein Warnstreik ist eine befristete Arbeitsniederlegung ohne Urabstimmung — zulässig erst nach Ende der Friedenspflicht, und genau dort stehen wir jetzt. Für HR-Leiter und Betriebsräte entscheidet sich in dieser Woche, ob Teilnahme, Bezahlung und Betriebsablauf rechtssicher geklärt sind oder ob der erste Ausstand zur Compliance-Frage wird. Unser Leitfaden führt Sie Schritt für Schritt durch die Rechtslage. Warnstreik-Recht jetzt prüfen

Warnstreiks gehören in der Branche zur etablierten Verhandlungspraxis. Im Jahr 2024 beteiligten sich nach Angaben des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall knapp 290.000 Personen in knapp 1.600 Betrieben an elf Streiktagen; die Gewerkschaft bezifferte die Zahl der Teilnehmenden damals auf mehr als 600.000. Ein regulärer, unbefristeter Streik nach einer Urabstimmung liegt hingegen länger zurück: Der letzte dieser Art fand im Jahr 2002 in Baden-Württemberg sowie in Berlin-Brandenburg statt.

Mehr zum Thema bei BR24: „IG Metall startet auch in München mit Warnstreiks“

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