Metall-Tarifrunde: IG Metall fordert 5 Prozent mehr Geld
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIn der deutschen Metall- und Elektroindustrie beginnt am Mittwoch eine schwierige Tarifrunde für rund 3,7 Millionen Beschäftigte.
IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld
Die Gewerkschaft verlangt eine Erhöhung der Entgelte um fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Sie begründet die Forderung mit dem Ausgleich der zuletzt gestiegenen Inflation und will zugleich über die Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten verhandeln.
In sogenannten Boom-Unternehmen sollen Beschäftigte nach dem Willen der IG Metall außerdem am Gewinn beteiligt werden. Die Forderung liegt im langjährigen Vergleich im unteren Mittelfeld. In der vorangegangenen Tarifrunde hatte die Gewerkschaft sieben Prozent mehr Geld verlangt; vereinbart wurden schließlich 5,1 Prozent in zwei Stufen über 25 Monate.
Arbeitgeber verweisen auf Deindustrialisierung
Gesamtmetall sieht keinen Verteilungsspielraum. Der Verband verweist auf den Abbau von rund 350.000 Stellen seit 2019, die rückläufige Produktion und hohe Lohnkosten. Der neue Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter erklärte, es müsse darum gehen, Kosten zu senken und den Industriestandort zu retten.
Unternehmensvertreter wie der Autobauer Mercedes-Benz fordern sogar eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Die tarifliche 35-Stunden-Woche steht jedoch nicht zur Verhandlung.
Autoindustrie in der Krise, andere Bereiche stabiler
Die Lage der betroffenen Branchen ist unterschiedlich. Die Autoindustrie leidet unter Absatzproblemen und wachsender Konkurrenz aus China; auch der Maschinenbau ist angeschlagen. Die Elektroindustrie, die Medizintechnik, die Luft- und Raumfahrt sowie der sonstige Fahrzeugbau mit Rüstungsgütern entwickeln sich dagegen besser.
Beschäftigte bei Volkswagen sind vom Flächentarifvertrag ausgenommen, weil für den Konzern ein eigener Haustarifvertrag gilt. In der Fläche verhandeln dagegen unter anderem die Beschäftigten von Audi, Mercedes-Benz und BMW.
Erste Gespräche in Südwest und Nordrhein-Westfalen
Den Auftakt machen am 7. Oktober die Bezirke Südwest und Nordrhein-Westfalen. In regionalen Runden loten Gewerkschaft und Arbeitgeber zunächst mögliche Annäherungen aus. Ein später ausgewählter Pilotbezirk könnte stellvertretend einen Abschluss aushandeln, der anschließend auf weitere Tarifgebiete übertragen wird.
Warnstreiks ab November möglich
Die aktuellen Tarifverträge laufen am 31. Oktober aus. Weil keine nachlaufende Friedenspflicht vereinbart wurde, wären danach sofort Warnstreiks möglich. Umfangreiche befristete Arbeitsniederlegungen mit hunderttausenden Beteiligten gelten in der Branche als übliches Druckmittel.
Ein unbefristeter Streik bleibt dagegen wenig wahrscheinlich. Der letzte reguläre Streik im Flächentarif Metall und Elektro fand 2002 statt.
Tarifrunde trifft auf ungleiche Branchenlage
Die Verhandlungen betreffen einen ungewöhnlich breiten industriellen Querschnitt. Während die Autoindustrie unter schwacher Stimmung, sinkenden Auftragserwartungen und wachsendem Wettbewerbsdruck aus China leidet, gibt es in der Elektroindustrie sowie im Rüstungs-, Medizin- und Luftfahrtbereich teilweise bessere Geschäfte. Ein einheitlicher Abschluss muss deshalb sehr unterschiedliche Unternehmenslagen abbilden.
Die konjunkturellen Signale bleiben widersprüchlich. Im deutschen Maschinen- und Anlagenbau gingen die Auftragseingänge im August binnen Jahresfrist real um fünf Prozent zurück; zugleich lag für die ersten acht Monate noch ein Plus von vier Prozent vor. Dieses Wachstum beruhte allerdings wesentlich auf einzelnen Großaufträgen. Für Beschäftigte bedeutet das: Die Tarifrunde entscheidet nicht nur über die Kaufkraft, sondern auch über die Verteilung des Risikos in einer Phase unsicherer Nachfrage.
Was der Ausgang für Beschäftigte bedeutet
Eine Erhöhung um fünf Prozent für zwölf Monate würde die Einkommen kurzfristig stützen, dürfte aus Arbeitgebersicht aber die Kostenbelastung verschärfen. Entscheidend werden daher neben der Lohnhöhe die Laufzeit, Regelungen zur Beschäftigungssicherung und mögliche Lösungen für einzelne Standorte sein. Nach dem Ende der Friedenspflicht am 31. Oktober könnten Warnstreiks den Druck rasch erhöhen. Für die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist damit eine Tarifrunde absehbar, in der Reallohnschutz und Arbeitsplatzsicherung eng miteinander verknüpft sind.
