Metall-Industrie: 11.000 Jobs im Halbjahr gestrichen, VW plant Werkschließungen
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 06:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der bayerischen Metall- und Elektroindustrie hat sich der Stellenabbau im ersten Halbjahr 2026 weiter beschleunigt. Nach Branchenangaben wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres rund 11.000 Arbeitsplätze gestrichen, sodass die Zahl der Beschäftigten Ende Juni bei 836.000 lag.
Seit Beginn des Jahres 2024 summiert sich der Personalabbau damit auf über 35.000 Stellen. Parallel dazu sank die Produktion im zweiten Quartal 2026 um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Angesichts dieser Entwicklung drängen Arbeitgebervertreter auf moderate Abschlüsse in der kommenden Tarifrunde.
Volkswagen plant konkrete Termine für Produktionsende an deutschen Standorten
Die Krise in der Schlüsselbranche wird durch neue Pläne des Volkswagen-Konzerns untermauert. Demnach beabsichtigt die Konzernleitung, die Produktion an mehreren deutschen Standorten langfristig einzustellen. Für die Werke in Emden und Zwickau ist das Produktionsende für das Jahr 2031 vorgesehen.
In Hannover soll die Fertigung im Jahr 2032 auslaufen, gefolgt von Neckarsulm im Jahr 2034. Ziel des Managements ist es, die Produktion aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit verstärkt nach Osteuropa zu verlagern, unter anderem nach Mladá Boleslav, Bratislava und Pozna?.
Der laufende Abbau von 50.000 Stellen bis zum Jahr 2030 wird laut Konzernangaben nicht ausreichen, um die angestrebte Umsatzrendite von 8 bis 10 Prozent zu erreichen, nachdem diese zuletzt bei 3,8 Prozent lag.
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Zusätzlich zum bereits vereinbarten sozialverträglichen Stellenabbau drohen nun Werkschließungen und eine Reduzierung der Management-Stellen um etwa 25 Prozent. Konkrete Entscheidungen hierzu werden innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate erwartet.
Widerstand der Gewerkschaften und Krisenstimmung bei Zulieferern
Die IG-Metall-Vorsitzende Benner kritisierte die Strategie von VW-Chef Blume scharf. Sie betonte, dass die angekündigten Werksschließungen in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm mit der Gewerkschaft nicht umsetzbar seien. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Region Ostfriesland, wo etwa 30.000 Arbeitsplätze indirekt vom Standort Emden abhängen. Für den 21. September hat die IG Metall zudem zu einem bundesweiten Autoaktionstag aufgerufen.
Auch in der Zulieferindustrie hält der Konsolidierungsdruck an. Bosch hat sich mit dem Betriebsrat auf den Abbau von 22.000 Stellen in der Zuliefersparte geeinigt.
Allein am Standort Feuerbach soll die Belegschaft von 3.325 auf 2.500 Personen reduziert werden, wobei betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2027 ausgeschlossen bleiben. ArcelorMittal plant unterdessen, sein Stahlwerk und das Knüppelwalzwerk in Duisburg bis September 2027 zu schließen, wovon 550 Arbeitsplätze betroffen sind.
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Elektroindustrie und politische Reformforderungen
In der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) lag die Beschäftigtenzahl am Ende des ersten Halbjahres 2026 bei 865.000, was einem Rückgang von 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Trotz des allgemeinen Abbaus stieg die Zahl der offenen Stellen seit Jahresbeginn um 25 Prozent auf knapp 10.000 an. Das ifo-Beschäftigungsbarometer stieg im August zwar auf 94,8 Punkte, was den höchsten Wert seit Mai 2025 markiert, doch in der Industrie dominieren weiterhin Planungen für Stellenkürzungen.
Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) fordert angesichts der wirtschaftlichen Lage eine grundlegende Reform des Betriebsverfassungsgesetzes. Arbeitgeberpräsident Dulger mahnte an, Deutschland müsse effizienter und weniger bürokratisch werden.
Die BDA schlägt unter anderem feste Fristen für Einigungsstellen und eine einseitige Regelungsbefugnis in Eilfällen vor, um betriebliche Prozesse zu beschleunigen. Aktuell verfügen nur noch sieben Prozent der Betriebe über einen Betriebsrat.
