Meta-Verfahren, Milliarden

Meta-Verfahren: EU droht bis zu 8 Milliarden Euro Strafe

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 22:16 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die EU-Kommission beschuldigt Meta, mit manipulativen Algorithmen die psychische Gesundheit von Nutzern zu gefährden. Milliardenstrafen drohen.

EU wirft Meta gefährliche Abhängigkeitsmechanismen bei Instagram und Facebook vor
Eine Person hält ein Smartphone mit einer unscharfen Social-Media-Ansicht, im Hintergrund ein stilisiertes Büro der EU-Kommission. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Nach zweijähriger Untersuchung wirft Brüssel dem US-Konzern systematische Abhängigkeitsmechanismen vor.

Algorithmen als „Sogwirkung“ kritisiert

Im Zentrum der Vorwürfe stehen Designelemente wie endloses Scrollen (Infinite Scroll), automatische Videowiedergabe (Autoplay) und personalisierte Empfehlungsalgorithmen. Diese Mechanismen führten dazu, dass Nutzer – besonders Minderjährige – unverhältnismäßig viel Zeit auf den Plattformen verbringen, so die Kommission.

Auch das System der Push-Benachrichtigungen steht in der Kritik. Meta habe es versäumt, Risiken für die psychische Gesundheit angemessen zu bewerten und wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen. EU-Technologiekommissarin Henna Virkkunen erklärte, die Algorithmen entfalteten eine zu starke Sogwirkung. Das Verfahren läuft seit Mai 2024.

Milliardenstrafen drohen

Bestätigen sich die vorläufigen Ergebnisse, droht Meta eine saftige Geldstrafe. Der Digital Services Act erlaubt Bußgelder von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Bei rund 125 Milliarden Euro Umsatz 2024 wären das etwa acht Milliarden Euro. Andere Schätzungen gehen bei anhaltenden Verstößen sogar von bis zu zwölf Milliarden Euro aus.

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Brüssel fordert zudem tiefgreifende Design-Änderungen:
- Autoplay und Infinite Scroll sollen standardmäßig deaktiviert sein
- Bessere Funktionen zur Erinnerung an die Bildschirmzeit
- Umgestaltung der Empfehlungssysteme gegen den sogenannten „Kaninchenloch-Effekt“

Meta wies die Vorwürfe zurück und verwies auf bestehende Jugendschutzeinstellungen. Ein Sprecher betonte jedoch die Absicht, weiter konstruktiv mit der Kommission zusammenzuarbeiten. Parallel zog das Unternehmen am selben Tag nach öffentlicher Kritik ein neues KI-Tool zur Bildgenerierung zurück.

Breitere Debatte über Jugendschutz

Der Fall Meta ist Teil einer größeren europäischen Diskussion über Kinderschutz im digitalen Raum. Der Anteil problematischer Social-Media-Nutzung unter Jugendlichen in der EU stieg von 2018 bis 2022 von sieben auf elf Prozent.

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Bereits am 13. Juli soll ein Expertengremium einen Bericht vorlegen. Er könnte die Grundlage für neue EU-weite Regeln oder sogar Verbote für bestimmte Altersgruppen bilden. EU-Justizkommissar Michael McGrath kündigte zudem bis Ende 2026 strengere Vorschriften gegen Abo-Fallen und manipulative Designmuster (Dark Patterns) an.

Auch international wächst der Druck. Am 8. Juli reichten 29 US-Bundesstaaten sowie die Stadt Boston Klagen gegen Meta und andere Plattformbetreiber ein. In den USA werden Schadensersatzforderungen in Billionenhöhe diskutiert. Großbritannien prüft derweil ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren.

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