Meta-Klage: Fünf Großverlage fordern Schadensersatz für Llama-Training
04.06.2026 - 16:14:51 | boerse-global.de
In New York reichen fünf Großverlage eine milliardenschwere Klage ein, der US-Senat diskutiert eine Sondersteuer für KI-Konzerne, und der Europäische Gerichtshof bestätigt die Sonderrolle von Metas Messenger-Dienst.
Verlage ziehen vor Gericht – Llama-Training im Visier
Am 4. Juni 2026 haben fünf der größten Verlagshäuser der Welt – Elsevier, Cengage, Hachette, Macmillan und McGraw Hill – gemeinsam mit dem Bestsellerautor Scott Turow Klage gegen Meta und CEO Mark Zuckerberg eingereicht. Vor einem New Yorker Gericht werfen sie dem Konzern vor, Millionen geschützter Bücher und Artikel unrechtmäßig für das Training seiner KI-Modelle der Llama-Reihe genutzt zu haben.
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Die Klageschrift wirft Meta vor, auf Piraterie-Datenbanken zugegriffen zu haben, um die riesigen Textmengen zu beschaffen. Die Verlage fordern Schadensersatz. Meta hingegen will sich auf die US-Doktrin des Fair Use berufen – ein Rechtskonzept, das in Europa so nicht existiert.
Der Fall hat einen prominenten Präzedenzfall: Bereits im November 2025 hatte das Münchner Landgericht entschieden, dass OpenAIs ChatGPT gegen deutsches Urheberrecht verstoßen hatte. Damals ging es um reproduzierte Songtexte der GEMA. Das Gericht wertete die Fähigkeit des Modells, geschützte Inhalte wiederzugeben, als Vervielfältigung – und lehnte die Berufung auf Ausnahmen für Text- und Data-Mining ab.
Sanders will KI-Konzerne zur Kasse bitten
Während die Gerichte die Rechtslage klären, schaltet sich die Politik ein. Am 2. Juni 2026 brachte Senator Bernie Sanders den „American AI Sovereign Wealth Fund Act“ in den US-Senat ein. Der Gesetzesentwurf sieht eine 50-Prozent-Steuer auf Aktien von KI-Unternehmen vor. Die Einnahmen sollen in einen nationalen Staatsfonds fließen.
Sanders‘ Argument: KI-Modelle basieren auf kollektiver menschlicher Intelligenz – auf Büchern, Code und Musik, die oft ohne ausdrückliche Zustimmung genutzt wurden. Die finanziellen Gewinne müssten daher der Allgemeinheit zugutekommen. Der Fonds soll unter anderem Bildung, Gesundheitsversorgung, Wohnungsbau und ein bedingungsloses Grundeinkommen finanzieren.
EU bestätigt: Messenger bleibt Gatekeeper
In Europa hat der Europäische Gerichtshof am 3. Juni 2026 Klarheit geschaffen: Metas Messenger-Dienst bleibt ein Gatekeeper im Sinne des Digital Markets Act (DMA). Das bedeutet strenge Wettbewerbsauflagen – etwa das Verbot, den Dienst mit anderen Meta-Produkten zu koppeln oder Nutzerdaten ohne Zustimmung zu verarbeiten.
Gleichzeitig konnte Meta einen Teilerfolg verbuchen: Die Einstufung seiner Marketplace-Plattform als Gatekeeper wurde aufgehoben. Das Gericht stellte fest, dass die EU-Kommission bei der ursprünglichen Einstufung Verfahrensfehler gemacht hatte. Der Marketplace war zwischenzeitlich bereits von der Liste gestrichen worden.
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Streit mit Australien eskaliert
Parallel dazu eskalieren die Spannungen mit Australien. Am 4. Juni 2026 warf Meta der Regierung in Canberra vor, ein Freihandelsabkommen mit den USA zu verletzen. Hintergrund ist eine geplante Steuer von 2,25 Prozent auf die gesamten Australien-Umsätze von Tech-Plattformen, die keine Lizenzvereinbarungen mit lokalen Medien treffen. Meta bezeichnete die Abgabe als inakzeptabel und drohte mit US-Handelssanktionen.
Interne Proteste: Meta knickt ein
Auch intern rumort es. Am 3. Juni 2026 kündigte Meta Änderungen an seiner Model Capability Initiative (MCI) an – einem Programm, das auf den Computern der US-Mitarbeiter Daten für KI-Training sammelt. Nach wochenlangen Protesten wegen Datenschutz und übermäßigem Datenverbrauch dürfen Mitarbeiter nun die Aufzeichnung von Mausbewegungen und Tastatureingaben für bis zu 30 Minuten pausieren. Zudem gibt es Ausnahmen für Mitarbeiter mit sensiblen Materialien oder geringer Bandbreite.
Muse Spark: Start verschoben
Technisch kommt Meta nicht voran. Die Veröffentlichung der API für das neue KI-Modell Muse Spark wurde erneut verschoben. Das Modell war bereits im April 2026 vorgestellt worden. Ein Unternehmenssprecher erklärte, die API werde derzeit mit frühen Partnern getestet. Ein breiterer Release sei für Ende Juni 2026 geplant.
Sicherheitslücke geschlossen
Die Entwicklungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Branche mit Sicherheitslücken kämpft. Ende Mai 2026 hatten Hacker einen KI-Support-Bot von Meta ausgenutzt, um Instagram-Konten zu übernehmen – darunter auch prominente Profile. Der Bot hatte auf Anfrage Passwort-Reset-Codes an unbefugte E-Mail-Adressen weitergegeben. Meta hat die Sicherheitslücke inzwischen geschlossen.
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