Milliardenstrafe, Verstöße

Meta droht Milliardenstrafe: EU wirft Verstöße gegen Kinderschutz vor

04.05.2026 - 12:19:11 | boerse-global.de

Meta drohen Milliardenstrafen wegen unzureichendem Minderjährigenschutz auf Facebook und Instagram.

Meta droht Milliardenstrafe: EU wirft Verstöße gegen Kinderschutz vor - Foto: über boerse-global.de
Meta droht Milliardenstrafe: EU wirft Verstöße gegen Kinderschutz vor - Foto: über boerse-global.de

Der Facebook-Konzern soll gegen den Digital Services Act (DSA) verstoßen haben – und das gleich in mehreren Bereichen.

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Systematische Mängel beim Schutz Minderjähriger

Die Brüsseler Behörde wirft Meta vor, Kinder unter 13 Jahren nicht wirksam von Facebook und Instagram fernzuhalten. Die Registrierung basiere fast ausschließlich auf selbst angegebenen Geburtsdaten – ein System, das Kinder leicht umgehen könnten, indem sie einfach falsche Angaben machen.

Die Ermittlungen, die im Mai 2024 begannen, zeigen ein erschreckendes Bild: Zwischen zehn und zwölf Prozent der unter 13-Jährigen in der EU sind demnach aktiv auf den Plattformen unterwegs. Das widerspricht Metas eigenen Risikobewertungen deutlich.

Besonders kritisch sieht die Kommission auch die Meldewege für problematische Profile. Wer ein offensichtlich zu junges Mitglied melden will, muss bis zu sieben Klicks durchlaufen. Und selbst dann reagiert Meta oft nicht. „Der DSA verlangt, dass Plattformen ihre Nutzungsbedingungen als handlungsleitende Sicherheitsprotokolle behandeln – nicht als bloße Absichtserklärungen“, betont Henna Virkkunen, Exekutiv-Vizepräsidentin der Kommission.

Milliardenrisiko für den Tech-Riesen

Die finanziellen Folgen könnten gewaltig sein. Bei einem Verstoß gegen den DSA drohen Strafen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Metas Erlöse lagen 2025 bei umgerechnet rund 185 Milliarden Euro – die mögliche Strafe bewegt sich also im zweistelligen Milliardenbereich.

Hinzu kommen Zwangsgelder, falls Meta seine Moderationssysteme nicht umgehend anpasst.

WhatsApp im Visier: AI-Zugang blockiert

Doch damit nicht genug: Die EU-Kommission hat ein weiteres Verfahren gegen Meta eröffnet. Es geht um WhatsApp und den Umgang mit KI-Assistenten von Drittanbietern.

Im Oktober 2025 hatte Meta eine Richtlinie veröffentlicht, die konkurrierende KI-Dienste faktisch von der WhatsApp-Business-Plattform ausschloss. Eine überarbeitete Version vom März 2026 reicht der Kommission nicht aus. Die Regulierer werfen Meta vor, seine marktbeherrschende Stellung im Messaging-Bereich zu missbrauchen, um Konkurrenten im boomenden KI-Sektor auszubremsen.

Die Kommission will Meta zwingen, den Zugang für Drittanbieter unter den alten Bedingungen wiederherzustellen. Es handelt sich um eine einstweilige Maßnahme, um „schweren und irreparablen Schaden“ für den europäischen KI-Markt zu verhindern.

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Der lange Schatten der DSA-Ermittlungen von 2024

Die aktuellen Vorwürfe sind Teil eines größeren Verfahrens, das die EU-Kommission im Frühjahr 2024 eröffnete. Damals standen mehrere Aspekte im Fokus:

  • Die Gefahr von Suchtmechanismen durch Algorithmen, die Minderjährige in sogenannte „Rabbit-Holes“ mit immer extremeren Inhalten locken
  • Der Umgang mit irreführender Werbung und politischer Desinformation vor Wahlen
  • Die Wirksamkeit von Melde- und Beschwerdesystemen

Die Kommission wirft Meta vor, wissenschaftliche Erkenntnisse zur psychologischen Verletzlichkeit von Kindern ignoriert zu haben. Die Risikobewertung des Konzerns sei „unvollständig und willkürlich“ gewesen.

EU setzt auf neue Technologie

Interessant ist der zeitliche Zusammenhang: Mitte April 2026 stellte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine neue EU-weite Altersverifikations-App vor. Sie basiert auf Zero-Knowledge-Beweisen – Nutzer können ihr Alter nachweisen, ohne persönliche Daten direkt an die Plattformen zu übermitteln.

Damit entkräftet die EU Metas wiederholtes Argument, dass eine robuste Alterskontrolle technisch nicht möglich sei, ohne die Privatsphäre zu verletzen. „Es gibt keine Ausreden mehr“, heißt es aus der Kommission.

Meta selbst zeigt sich uneinsichtig. Man habe in den letzten Jahren über 50 Werkzeuge zum Schutz junger Menschen entwickelt, erklärte ein Sprecher. Altersverifikation sei eine branchenweite Herausforderung, die nur gemeinsam gelöst werden könne.

Was nun passiert

Meta hat nun die Möglichkeit, die Ermittlungsakten einzusehen und schriftlich Stellung zu nehmen. Das Unternehmen kann auch konkrete Abhilfemaßnahmen vorschlagen. Reichen diese nicht aus, könnte noch in diesem Jahr eine endgültige Entscheidung fallen – mit potenziell rekordverdächtigen Strafen.

Der Fall wird von anderen großen Plattformen genau beobachtet. Er definiert die praktischen Grenzen der DSA-Durchsetzung neu. Klar ist: Compliance im Jahr 2026 bedeutet nicht mehr nur das Abhaken von Checklisten. Die EU verlangt, dass Plattformarchitekturen weder den Wettbewerb ersticken noch die Verletzlichkeit von Nutzern ausbeuten.

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