Mercosur, Auto-Exporte

Mercosur seit Mai: Deutsche Auto-Exporte könnten sich verdreifachen

05.06.2026 - 08:21:25 | boerse-global.de

Das Mercosur-Abkommen bringt der deutschen Industrie Zollsenkungen, während Landwirte um ihre Existenz fürchten und ein Importstopp droht.

Mercosur-Abkommen: Industrie profitiert, Bauern protestieren
Mercosur - Zwei Hände, eine europäisch, eine südamerikanisch, schütteln sich über einer Weltkarte mit Handelsrouten und Feldern. 05.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Seit dem 1. Mai 2026 ist das Mercosur-Handelsabkommen vorläufig in Kraft. Die Debatte um seine Folgen für Landwirtschaft und Umwelt kocht hoch.

Industrie jubelt über Zollsenkungen

Die wirtschaftlichen Erwartungen sind enorm. Besonders die Automobilindustrie profitiert: Die Zölle auf Fahrzeuge sinken von 34 auf 17 Prozent. Die deutschen Exporte könnten von jährlich 54.000 auf bis zu 160.000 Einheiten steigen.

Klaus Josef Gößl vom Bayerischen Industrie- und Handelskammertag (BIHK) sieht darin eine Chance, mögliche Verluste auf anderen Märkten auszugleichen. Auch Maschinenbau, Chemie, Textilien und Arzneimittel profitieren von den Zollerleichterungen.

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Bauern fürchten Preisverfall

Doch die Landwirte schlagen Alarm. Brasilien hält rund 238 Millionen Rinder und schlachtet jährlich etwa 46 Millionen Tiere. Das Rindfleisch wird teils für 10 Euro pro Kilo angeboten – der Schlachtgewichtspreis liegt bei rund 4 Euro.

Können deutsche Bauern da mithalten? Wohl kaum.

Importstopp ab September

Ein zentraler Streitpunkt: die Einhaltung europäischer Standards. Ab dem 3. September 2026 greift ein EU-Importstopp für brasilianisches Rindfleisch. Der Grund: Es fehlen Nachweise über den Einsatz von Antibiotika und Leistungsförderern.

Bauernbund-Präsident Georg Strasser fordert lückenlose Kontrollen. Nur so lasse sich die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Betriebe sichern.

Opposition sieht Existenzgefahr

Auch die politische Opposition übt scharfe Kritik. Vertreter der AfD-Fraktion im Bundestag – darunter Stephan Protschka und Peter Felser – bezeichnen das Abkommen als existenzgefährdend. Sie warnen vor Billigfleisch, das unter geringeren Standards produziert wurde.

Ein weiterer Punkt: die fortschreitende Abholzung des Amazonas-Regenwaldes für Weideflächen und Sojaanbau. Das Abkommen war bereits am 20. Januar 2026 unterzeichnet worden. Der Widerstand bleibt massiv.

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Unterschiedliche Produktionsbedingungen

Die Produktionsmethoden in den Mercosur-Staaten unterscheiden sich stark. In Brasilien dominieren Zebu-Rassen, bis zu 90 Prozent der Tiere leben in Weidehaltung. Eine vollständige Rückverfolgbarkeit der Lieferketten wird erst bis 2032 angestrebt.

Anders in Argentinien: Dort erfolgt die Endmast zu etwa 60 Prozent in Feedlots. Britische Rassen wie Angus und Hereford stehen im Vordergrund. Argentinien setzt bereits seit 2006 auf ein Rückverfolgungssystem.

Die EU-Behörde DG SANTE führt regelmäßige Audits vor Ort durch.

Noch nicht endgültig beschlossen

Trotz der vorläufigen Anwendung seit Anfang Mai fehlt noch die finale Zustimmung des Europäischen Parlaments. Auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) muss das Abkommen rechtlich prüfen.

Die Landwirte fordern unterdessen milliardenschwere Entschädigungen. Ob die Digitalisierung der Landwirtschaft mit Ertragssteigerungen von bis zu 30 Prozent einen Ausgleich schaffen kann? In der Branche ist das umstritten.

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