Mercedes-Benz: Vier Tage Büro sollen ab 2027 Standard werden
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 13:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Mercedes-Benz will Beschäftigte in Deutschland künftig standardmäßig an vier Tagen pro Woche vor Ort arbeiten lassen.
Neue Vereinbarung soll ab 2027 gelten
Eine neue Konzernbetriebsvereinbarung soll Führungskräften ermöglichen, für Vollzeitbeschäftigte bis zu vier Präsenztage pro Woche ohne Begründung festzulegen. Ziel sei, dass vier Tage im Büro künftig der Standard würden, teilte ein Unternehmenssprecher mit.
Die bisherige Konzernbetriebsvereinbarung zum mobilen Arbeiten hat Mercedes-Benz gekündigt. Zuvor hatte die „Wirtschaftswoche“ über die geplante Änderung berichtet.
Betriebsräte müssen noch zustimmen
Die neue Vereinbarung muss zunächst von den Betriebsratsgremien der Standorte beschlossen werden. Stimmen sie zu, könnte sie voraussichtlich am 1. Januar 2027 in Kraft treten.
Lehnen die Gremien die Regelung ab, stünden die Standorte Ende März ohne entsprechende Vereinbarung da. Den Verhandlungen mit dem Betriebsrat zufolge soll mobiles Arbeiten weiterhin möglich bleiben: Besondere Ausnahmefälle könnten zwischen Führungskraft und Beschäftigten besprochen und freigegeben werden.
Teil des Sparkurses
Die bisherige Vereinbarung hatte den Beschäftigten vergleichsweise große Freiheiten bei der Wahl des Arbeitsplatzes eingeräumt. Die geplante Rückkehr zu mehr Präsenz fällt in einen umfassenderen Sparkurs von Mercedes-Benz in Deutschland.
Das Unternehmen will die Arbeitskosten senken, um wettbewerbsfähiger zu werden. Produktionsvorstand Michael Schiebe hatte die Schließung von zwei deutschen Werken angedroht, falls die Kosten nicht reduziert würden. Gegen die Pläne des Managements gab es zuletzt wiederholt Protestaktionen.
Teil eines umfassenden Sparkurses
Die geplante Rückkehr zu vier Präsenztagen steht im Zusammenhang mit dem Versuch von Mercedes-Benz, die Kosten an deutschen Standorten zu senken. Das Unternehmen verbindet die Debatte über Arbeitsorganisation mit seiner Wettbewerbsfähigkeit und hat zugleich eine längere Wochenarbeitszeit bei gleichem Entgelt ins Gespräch gebracht.
Für die Beschäftigten bedeutet die neue Regelung eine deutliche Einschränkung gegenüber der bisherigen Konzernbetriebsvereinbarung. Sie beträfe vor allem Vollzeitkräfte und ließe Ausnahmen weiterhin zu, machte mobiles Arbeiten aber von einer Entscheidung der jeweiligen Führungskraft abhängig. Verbindlich wird die Regelung erst nach Beschlüssen der Betriebsratsgremien an den Standorten.
Konflikt über Standorte und Arbeitsbedingungen
Die Auseinandersetzung reicht damit über die Frage des Arbeitsortes hinaus. Das Management stellt Kostensenkungen als Voraussetzung für den Erhalt der deutschen Produktionsbasis dar; zugleich wächst bei den Beschäftigten die Sorge, dass Zugeständnisse bei Arbeitszeit, Entgeltbestandteilen und Flexibilität keine dauerhafte Garantie für die Werke bieten.
Die Größenordnung möglicher Folgen hängt vom Ausgang der Verhandlungen ab. Bei Zustimmung könnte sich der Arbeitsalltag ab Anfang 2027 für viele Angestellte ändern. Bei Ablehnung müsste die Konzernregelung neu verhandelt werden; Ende März 2027 stünden die Standorte andernfalls ohne entsprechende Vereinbarung da. Für Leser in den betroffenen Regionen ist die Entscheidung deshalb ein weiterer konkreter Schritt im Streit über die Zukunft industrieller Arbeitsplätze in Deutschland.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau.de: „Vorstand: Mercedes-Beschäftigte sollen mehr arbeiten - ohne Lohnausgleich“ (28.09.2026)
Der Bericht schildere, Mercedes müsse sparen und wolle deshalb die Beschäftigten künftig für dasselbe Entgelt länger arbeiten lassen. Er hebe die angespannte Stimmung bei einer Betriebsversammlung in Stuttgart hervor und stelle der Managementforderung den Widerstand vieler Beschäftigter gegenüber; offen bleibe, ob Zugeständnisse Arbeitsplätze tatsächlich sichern könnten.
tagesschau.de: „Auto-Experte zu 35-Stunden-Woche bei Mercedes: "Diese Zeiten sind vorbei"“ (27.09.2026)
Der Artikel berichte, Ferdinand Dudenhöffer halte die 35-Stunden-Woche in der deutschen Autoindustrie für nicht mehr zeitgemäß. Anders als die aktuelle Meldung zu den Präsenztagen konzentriere er sich auf die Arbeitszeitdebatte und mögliche Werksschließungen; zugleich ordne er die Kostensenkungspläne in die internationale Wettbewerbsfähigkeit ein.
Beide Berichte bestätigten den Zusammenhang zwischen dem Sparkurs, den Arbeitsbedingungen und der Zukunft deutscher Standorte. Unterschiede lägen vor allem im Schwerpunkt: Der erste Beitrag beschreibe den Konflikt in der Belegschaft, der zweite gewichte die wirtschaftspolitische und industrielle Einordnung.
