Mercedes-Benz, Präsenztage

Mercedes-Benz: Vier Präsenztage für 38.000 Büroangestellte ab Januar geplant

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 03:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Konzern will Leiharbeit reduzieren und ab 2027 mehr Bürotage einführen; die Zustimmung der Betriebsräte steht noch aus.
Weite, leere Produktionshalle in einem deutschen Automobilwerk mit hohen Stahlträgern und glattem Betonboden. Illustration mit AI erstellt.

Der Automobilkonzern Mercedes-Benz verschärft seinen Sparkurs am Heimatstandort Deutschland. Wie aus Medienberichten vom 23. Oktober 2026 hervorgeht, plant das Management eine umfassende Produktivitätsoffensive. Diese sieht neben einer deutlichen Einschränkung des mobilen Arbeitens für Büroangestellte auch den Abbau tausender Leiharbeitsplätze sowie eine erneute Runde von Abfindungsangeboten vor. Ziel der Maßnahmen sei es, die Kostenstruktur im Konzern spürbar zu senken.

Reduzierung bei Zeitarbeitern und zweites Abfindungsprogramm

Im Rahmen der Kostensenkungspläne beabsichtigt Mercedes-Benz laut Medienberichten unter Berufung auf Konzernkreise, die Zahl der Leiharbeiter in Deutschland um einige Tausend zu reduzieren. Der Schritt betrifft ausschließlich Beschäftigte mit befristeten Verträgen.

Allein an den Produktionsstandorten Sindelfingen, Bremen und Rastatt sind rund 3.000 Zeitarbeitskräfte im Einsatz. Eine Unternehmenssprecherin stellte klar, dass Zeitarbeitnehmer die Stammbelegschaft lediglich ergänzen und diese nicht ersetzen.

Ein Abbau der Stammbelegschaft wird derzeit nicht erwogen; für diese gilt in Deutschland eine vereinbarte Beschäftigungssicherung bis Ende 2034. Dennoch soll Personal auf freiwilliger Basis abgebaut werden. Bereits Ende September informierte das Unternehmen über eine zweite Abfindungsrunde, deren Konditionen den Betriebsräten vorgelegt wurden und die voraussichtlich ab Dezember starten soll.

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Eine frühere Abfindungsrunde hatte rund 40.000 Mitarbeiter adressiert, von denen schließlich 5.500 das Angebot annahmen. Zudem scheiden in den kommenden zehn Jahren rund 20 Prozent der Belegschaft aus Altersgründen aus.

Rückkehr ins Büro für Zehntausende Angestellte

Gleichzeitig will das Unternehmen die Büropräsenz seiner Verwaltungskräfte massiv erhöhen. Rund 38.000 Beschäftigte im Bürobereich wurden in Deutschland per E-Mail darüber in Kenntnis gesetzt, dass ab dem 1. Januar 2027 vier verbindliche Präsenztage pro Woche gelten sollen.

Der Schritt steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Betriebsräte. Die bisherige Regelung aus dem Jahr 2016 hatte bis zu fÜnf Tage mobiles Arbeiten pro Woche ermöglicht. Zuletzt lag die tatsächliche Präsenzquote bei etwa 50 Prozent.

Mercedes-Benz begründet den Vorstoß mit erwarteten Produktivitätsgewinnen durch die persönliche Zusammenarbeit vor Ort. Sollte bis März 2027 keine neue Betriebsvereinbarung erzielt werden, würde gesetzlich der Normalfall von fÜnf Präsenztagen in Kraft treten.

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Streit um Arbeitszeit und Widerstand der Arbeitnehmervertreter

Bereits im Juni hatte Mercedes-Benz die Belegschaft über die Verschärfung des Sparprogramms informiert. Nach Informationen aus Konzernkreisen soll die Produktivitätsoffensive jährlich 800 Millionen Euro einsparen und die operative Marge um knapp einen Prozentpunkt verbessern.

Zur Senkung der Arbeitskosten schlug der Vorstand unbezahlte Mehrarbeit sowie Kürzungen oder Streichungen von Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie der jährlichen Gewinnbeteiligung vor. Beschäftigte sollten demnach für gleiches Geld mehr arbeiten.

Auf einer Betriebsversammlung in der Stuttgarter Schleyerhalle am 28. September 2026 stießen diese Pläne auf scharfe Gegenwehr. Rund 5.000 Beschäftigte diskutierten dort über vier Stunden mit der Unternehmensführung.

Teilnehmer berichteten, das Management habe Kostensenkungen eingefordert und andernfalls die Schließung von zwei deutschen Werken als denkbar bezeichnet. Viele langjährige Mitarbeiter lehnen eine Ausweitung der Arbeitszeit von 35 auf 38 Wochenstunden bei gleichem Entgelt strikt ab.

Der Betriebsratsvorsitzende Michael Häberle beschrieb die Stimmung in der Belegschaft angesichts der geforderten unbezahlten Mehrarbeit und des drohenden Verzichts auf Sonderzahlungen als überaus angespannt. Auch die Gewerkschaft IG Metall kündigte Widerstand gegen die Vorhaben an.

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