Mercedes-Benz: Vier Pflicht-Bürotage ab 2027 für 38.000 Beschäftigte geplant
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 12:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Automobilhersteller Mercedes-Benz beabsichtigt, ab dem 1. Januar 2027 vier Pflicht-Bürotage pro Woche für rund 38.000 Büroangestellte in Deutschland einzuführen. Diese Maßnahme steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Betriebsräte. Sollte eine Einigung ausbleiben, gilt ab März 2027 der gesetzliche Normalfall von fünf Präsenztagen.
Ende der weitgehenden Homeoffice-Regelungen
Das Unternehmen informierte die Belegschaft in Deutschland per E-Mail über die anstehende Verschärfung der Anwesenheitspflicht. Im Zuge dessen wurde die bisherige Vereinbarung aus dem Jahr 2016 gekündigt. Diese hatte den Beschäftigten bis zu fünf Homeoffice-Tage pro Woche und damit theoretisch eine Quote von 100 Prozent ermöglicht. Zuletzt lag die tatsächliche Präsenzquote am Firmenstandort bei rund 50 Prozent.
Ein Mercedes-Sprecher erklärte, dass vier Tage im Büro künftig der Standard werden sollen. Führungskräfte erhalten demnach die Befugnis, für Vollzeitbeschäftigte bis zu vier Präsenztage wöchentlich ohne gesonderte Begründung festzulegen. Die Neuregelung ist an eine umfassende Produktivitätsinitiative des Konzerns gekoppelt. Konzernchef Ola Källenius hatte sich zuletzt sogar für fünf Bürotage ausgesprochen.
Sparprogramm sorgt für Konflikte mit der Arbeitnehmervertretung
Die Anpassungen bei der Präsenz sind Teil eines größeren Sparpakets, das neben Regelungen zum Arbeitsort auch die Arbeitszeit und Vergütungsbestandteile berührt. Källenius strebt an, die Arbeitskosten in Deutschland um 800 Mio. Euro zu senken, worauf der Betriebsrat mit deutlicher Ablehnung reagiert.
Im Raum stehen zudem Einschnitte wie bis zu fünf Stunden unbezahlte Mehrarbeit pro Woche sowie Kürzungen bei Sonderzahlungen und dem Urlaubsgeld; andernfalls stehe die Schließung von zwei Werken im Raum.
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Auf einer Betriebsversammlung in der Stuttgarter Schleyerhalle diskutierten 5.000 Mitarbeiter über das Vorhaben der Konzernführung. Viele langjährige Beschäftigte wiesen Forderungen nach 38 statt 35 Wochenstunden ohne finanziellen Ausgleich zurück.
Betriebsratschef Michael Häberle beschrieb die angespannte Lage mit dem Bild, dass das Unternehmen der Belegschaft eine Waffe an den Kopf halte. Zudem plant das Unternehmen, ab Dezember ein freiwilliges Abfindungsprogramm für indirekte Bereiche wie Entwicklung, Verwaltung und die Finanzabteilung wieder in Kraft zu setzen, welches Produktionsmitarbeiter ausschließt.
Überdies soll eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich dazu beitragen, den Einsatz von Leiharbeitern an den deutschen Standorten zu verringern. In den Werken Sindelfingen, Rastatt und Bremen sind aktuell etwa 3.000 Zeitarbeiter beschäftigt. Arbeitnehmervertreter werten die Forderung nach Mehrarbeit mit Blick auf bestehende Überkapazitäten als verdeckte Maßnahme zum Personalabbau.
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Für das Werk Bremen mit rund 10.500 Beschäftigten erklärte der dortige Betriebsratschef Michael Peters jedoch, dass derzeit keine Pläne für einen Abbau von Leiharbeitskräften vorlägen. Aufsichtsratschef Martin Brudermüller warf in einem Medieninterview die generelle Rückkehr zur 40-Stunden-Woche auf.
Der Branchentrend zu mehr Präsenz
Der Schritt von Mercedes-Benz reiht sich in eine branchenweite Neubewertung des mobilen Arbeitens ein. So kündigte der Technologiekonzern Bosch seine Regelung ohne Begrenzung mobiler Arbeitstage zum 1. August 2026. Bei der Commerzbank gelten seit dem 1. Oktober 2025 unbefristet zwei bis drei Präsenztage pro Woche zuzüglich eines Team-Tages.
Markterhebungen von Drees & Sommer bestätigen eine allgemein steigende Zahl an Arbeitstagen, die Büroangestellte wieder am Unternehmensstandort verbringen.
Daten des Münchner ifo Instituts unterstreichen die Verschiebung: Im August 2026 arbeiteten 24,9 Prozent der Beschäftigten in Deutschland zumindest zeitweise im Homeoffice.
Dieser Wert lag leicht über dem Niveau vom Februar 2026 mit 24,3 Prozent, blieb jedoch deutlich unter dem Höchststand von 32,3 Prozent aus dem März 2021. Den bisherigen Tiefststand verzeichnete das Institut im August 2024 mit 23,4 Prozent.
Die Quote variiert dabei stark zwischen den Branchen: Während im Dienstleistungssektor rund 35 Prozent mobil arbeiten, beläuft sich der Anteil im Baugewerbe auf rund fünf Prozent.
