Mercedes-Benz reaktiviert Abfindungsprogramm für Beschäftigte in Deutschland
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 13:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMercedes-Benz legt sein freiwilliges Abfindungsprogramm für Beschäftigte in Deutschland voraussichtlich im Dezember neu auf.
Individuelle Angebote für Beschäftigte
Der Autobauer teilte in Stuttgart mit, das Programm werde in den indirekten Bereichen wiederbelebt. Individuelle Angebote sollen Tarifbeschäftigte und zum Teil auch Führungskräfte erhalten.
Mercedes-Benz begründet den Schritt mit weiteren strukturellen Anpassungen, die sozialverträglich gestaltet werden sollen. Für ein Ausscheiden müssen weiterhin beide Seiten zustimmen: Sowohl die Beschäftigten als auch das Unternehmen müssen einverstanden sein.
Konzern will Arbeitskosten senken
Mercedes-Benz beschäftigt in Deutschland rund 108.000 Menschen. Der Konzern will seine Arbeitskosten am Standort reduzieren, um profitabler und wettbewerbsfähiger zu werden.
Produktionsvorstand Michael Schiebe hatte mit der Schließung von zwei deutschen Werken gedroht, falls die Kosten nicht sinken. Gegen die Pläne des Managements gab es zuletzt wiederholt Protestaktionen.
Gewinn 2025 fast halbiert
Der Autobauer steht seit längerem unter wirtschaftlichem Druck. Der Gewinn sank 2025 von 10,4 Milliarden Euro im Vorjahr auf 5,3 Milliarden Euro, nachdem er bereits 2024 um 28,4 Prozent zurückgegangen war.
Im zweiten Quartal dieses Jahres stieg das Konzernergebnis zwar um 13,5 Prozent von 957 Millionen Euro auf rund 1,09 Milliarden Euro. Das schwache China-Geschäft belastete jedoch weiterhin die Pkw-Sparte.
Kostendruck trifft den deutschen Kernstandort
Das erneute Abfindungsprogramm ist Teil eines umfassenderen Sparprozesses bei Mercedes-Benz. Der Konzern verbindet die freiwilligen Ausscheidensangebote mit dem Ziel, die Arbeitskosten in Deutschland zu senken. Betroffen sind zunächst vor allem Beschäftigte in indirekten Bereichen, also etwa in Verwaltung, Entwicklung oder anderen nicht unmittelbar der Produktion zugeordneten Funktionen.
Der Konflikt reicht über Personalabbau hinaus. Das Management drängt zugleich auf längere Arbeitszeiten bei unverändertem Entgelt und auf eine stärkere Präsenz im Betrieb. Eine neue Vereinbarung soll Führungskräften ermöglichen, Vollzeitbeschäftigte künftig an bis zu vier Tagen pro Woche ins Büro zu verpflichten; sie soll nach Zustimmung der Standortbetriebsräte zum 1. Januar 2027 gelten.
Beschäftigte stehen vor schwierigen Abwägungen
Für die rund 108.000 Beschäftigten in Deutschland bedeutet die doppelte Freiwilligkeit, dass weder das Unternehmen noch einzelne Mitarbeiter allein einen Austritt erzwingen können. Abfindungen können Stellenabbau sozialverträglicher gestalten, verringern aber zugleich die Zahl der Beschäftigten und damit langfristig auch die personellen Spielräume an deutschen Standorten.
Der Druck entsteht vor dem Hintergrund deutlich gesunkener Gewinne und eines schwachen China-Geschäfts. Für die Belegschaft geht es deshalb nicht nur um individuelle Angebote, sondern um die künftige Arbeitsteilung im Konzern und die Bedeutung der deutschen Werke. Die angekündigte Möglichkeit, zwei Standorte zu schließen, macht jede Einigung über Kosten, Arbeitszeit und Zusatzleistungen zu einer Frage mit hoher regionaler Tragweite.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau.de: „Baden-Württemberg Vorstand: Mercedes-Beschäftigte sollen mehr arbeiten - ohne Lohnausgleich“ (28.09.2026)
Der Bericht hebe hervor, dass das Management bei einer Betriebsversammlung in Stuttgart erneut Kostensenkungen gefordert habe und andernfalls zwei Werksschließungen in Deutschland möglich seien. Anders als die Meldung zum Abfindungsprogramm richte der Beitrag den Schwerpunkt auf den Streit über eine mögliche Verlängerung der Arbeitszeit von 35 auf 38 Stunden und auf die angespannte Stimmung unter den Beschäftigten.
n-tv: „Homeoffice fast gestrichen: Mercedes ruft Beschäftigte zurück ins Büro“ (29.09.2026)
Der Artikel schreibe, Vorstand und Betriebsrat hätten sich auf eine neue Regelung zur Präsenz im Büro verständigt, nach der bis zu vier Präsenztage zum Standard werden könnten. Er bestätige den Zusammenhang mit dem Kostensenkungsprogramm, setze den Akzent aber auf die Arbeitsorganisation und ergänze, dass die Standortbetriebsräte der Vereinbarung noch zustimmen müssten.
Beide Berichte stellten den Kostendruck und die drohenden Folgen für deutsche Standorte heraus; sie unterschieden sich vor allem beim Schwerpunkt zwischen Arbeitszeit, Präsenzpflicht und der betrieblichen Auseinandersetzung. Offen bleibe in den Beiträgen, wie viele Beschäftigte das neue Abfindungsangebot annehmen und ob die angekündigten Einsparungen ausreichen würden.
