Mercedes-Benz fordert in Deutschland 38-Stunden-Woche ohne Ausgleich
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 14:20 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSMercedes-Benz fordert in den laufenden Gesprächen über Arbeitszeiten in Deutschland eine Ausweitung auf eine 38-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Der Vorschlag wurde der Arbeitnehmerseite unterbreitet; bisher sind 35 Wochenstunden üblich.
Nach Angaben aus dem Konzernumfeld würde die Belegschaft damit pro Woche drei Stunden unbezahlt mehr arbeiten. Das Management verhandelt unabhängig von den anstehenden Tarifrunden der Metall- und Elektroindustrie direkt mit den Betriebsräten über eine Anpassung der Arbeitszeit bei Mercedes.
Gespräche mit Betriebsräten laufen
In den Verhandlungen wird demnach auch darüber diskutiert, ob eine mögliche 38-Stunden-Woche befristet eingeführt oder dauerhaft gelten soll. Die Gespräche richten sich auf die Standorte des Konzerns in Deutschland und sollen zu einer neuen Regelung der betrieblichen Arbeitszeit führen.
Parallel dazu erhöht das Management den Druck auf die Arbeitnehmervertreter. Aus dem Umfeld der Verhandlungen heißt es, sollten die Arbeitskosten in Deutschland nicht gesenkt werden können, drohten weitere Verlagerungen von Produktionsteilen ins Ausland.
Management verweist auf Wettbewerbsfähigkeit
Ein Unternehmenssprecher erklärte, man sei mit der Arbeitnehmerseite im Gespräch darüber, wie gemeinsam tragfähige Lösungen gefunden werden könnten, die die Wettbewerbsfähigkeit stärken. Konkrete Ergebnisse liegen demnach noch nicht vor, die Verhandlungen laufen weiter.
Die strukturellen Kosten in Deutschland, einschließlich der Arbeitskosten, seien im internationalen Vergleich nicht wettbewerbsfähig, teilte der Sprecher weiter mit. Vor diesem Hintergrund sucht der Konzern nach Wegen, die Produktionsstandorte in Deutschland aus Sicht des Managements wirtschaftlich abzusichern.
Mögliche Folgen für die Belegschaft
Für die Beschäftigten würde eine 38-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich eine deutliche Ausweitung der Arbeitszeit bedeuten. Die Frage, ob eine solche Regelung zeitlich befristet oder dauerhaft gelten soll, ist ein zentraler Punkt der laufenden Gespräche zwischen Unternehmensleitung und Betriebsräten.
Die weiteren Verhandlungen werden entscheiden, ob der Vorschlag des Managements umgesetzt, verändert oder zurückgenommen wird. Dabei spielt auch eine Rolle, wie sich eventuelle Verlagerungen ins Ausland auf Arbeitsplätze und Standorte in Deutschland auswirken könnten.
Die Forderung des Mercedes-Managements nach einer 38-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich greift in eine zentrale Konfliktlinie der deutschen Industriepolitik ein: den Wettbewerb um Kosten und Standorte. In der Metall- und Elektroindustrie gilt vielerorts die 35-Stunden-Woche als tariflicher Standard, sie ist ein Symbol für die Balance zwischen Produktivität und Arbeitsschutz. Eine Ausweitung um drei Stunden pro Woche würde die Jahresarbeitszeit spürbar erhöhen und damit faktisch eine Arbeitszeitverlängerung ohne entsprechenden Mehrverdienst bedeuten.
Hintergrund der Debatte um Arbeitskosten
Der Hinweis des Unternehmens auf „strukturelle Kosten“ und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich knüpft an eine länger laufende Diskussion an. Hersteller mit großen Produktionskapazitäten in Deutschland verweisen regelmäßig auf niedrigere Lohn- und Energiekosten in anderen Ländern. Im Hintergrund stehen Investitionsentscheidungen über künftige Werke, Modellfertigungen und die Frage, in welchem Umfang Wertschöpfung in Deutschland verbleibt oder in andere Regionen verlagert wird.
Bedeutung für Beschäftigte und Tariflandschaft
Für Beschäftigte bei Mercedes hätte eine 38-Stunden-Woche ohne Ausgleich direkten Einfluss auf Freizeit, Belastung und faktische Entlohnung pro Stunde. Dass das Management parallel zu den anstehenden Branchentarifverhandlungen mit den eigenen Betriebsräten über Arbeitszeiten spricht, zeigt, dass Unternehmen zunehmend versuchen, zusätzlich zum Flächentarif werksspezifische Regelungen zu erreichen. Gewerkschaften und Betriebsräte werden die Verknüpfung mit einem möglichen Abbau von Arbeitsplätzen oder Verlagerungen ins Ausland genau prüfen.
Ausblick auf weitere Verhandlungen
Ob die 38-Stunden-Woche befristet oder dauerhaft eingeführt werden könnte, ist derzeit Teil der Gespräche. Die Entscheidung dürfte Signalwirkung für andere Unternehmen in der Branche haben, die ebenfalls unter Kostendruck stehen. Für viele Leser in Deutschland geht es dabei nicht nur um einen einzelnen Konzern, sondern um die Frage, wie sich Arbeitsbedingungen in der Industrie in den kommenden Jahren verändern und welchen Stellenwert die 35-Stunden-Woche künftig noch hat.
