Mercedes-Benz fordert: 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Automobilkonzern Mercedes-Benz verschärft seinen Sparkurs am Heimatstandort drastisch. Auf einer Betriebsversammlung in Sindelfingen warnte Produktionsvorstand Michael Schiebe vor der Schließung von zwei Werken in Deutschland, sollten die dortigen Arbeitskosten nicht gesenkt werden können.
Gelinge dies nicht, müsse das Unternehmen nach Angaben des Vorstands sowohl ein deutsches Aufbauwerk als auch ein deutsches Powertrainwerk aufgeben. Zugleich unterstrich Schiebe jedoch, dass es das erklärte Ziel der Konzernleitung bleibe, sämtliche deutschen Standorte zu erhalten.
Mehrere Standorte im Fokus der Debatte
Hintergrund der Warnung ist eine vom Vorstand angekündigte Produktivitätsoffensive für den Standort Deutschland. Der Vorschlag des Managements sieht im Kern vor, dass die Belegschaft für das gleiche Geld mehr Arbeitszeit leistet.
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Konkret fordert der Autobauer eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit von derzeit 35 auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich. Sollten die Gespräche keinen Erfolg bringen, droht Mercedes-Benz neben Werksschließungen hierzulande mit dem Aufbau weiterer Produktionskapazitäten in Osteuropa.
Im Fall von tatsächlichen Schließungen stünden zentrale Produktionsstätten zur Disposition. Bei den fahrzeugfertigenden Aufbauwerken umfasst die Standortliste Sindelfingen, Rastatt und Bremen. Im Bereich der Powertrain-Komponentenfertigung sind Stuttgart-Untertürkheim, Affalterbach, Berlin, Hamburg, Kamenz in Sachsen sowie Kölleda und Arnstadt in Thüringen betroffen.
Proteste der Belegschaft und Reaktionen des Betriebsrats
Die Ankündigungen treffen auf massiven Unmut in den Belegschaften. Bereits im Vorfeld der Betriebsversammlung hatten rund 20.000 Mercedes-Beschäftigte bei einem Aktionstag der Gewerkschaft IG Metall in Sindelfingen gegen einen drohenden Stellenabbau demonstriert.
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Konzernbetriebsratschef Ergun Lümali kündigte angesichts der jüngsten Vorstandsäußerungen harten Widerstand der Arbeitnehmerseite an. Zugleich ließ die Mitarbeitervertretung jedoch die Tür für weitere Verhandlungen offen.
Tarifrunde im Herbst erhöht den Druck
Die Diskussionen um Arbeitszeitverlängerung und Kostensenkungen fallen in eine ohnehin angespannte Phase der Tarifpolitik. Ab dem 7. Oktober verhandeln die Metall- und Elektroindustrie und die Gewerkschaft IG Metall über künftige Gehälter.
Die von Mercedes-Benz aufgeworfenen Forderungen nach einer unbezahlten Aufstockung der Wochenstunden dürften in diesen Verhandlungen für zusätzlichen Zündstoff sorgen, da die Gewerkschaften derartige Eingriffe in bestehende tarifliche Standards traditionell ablehnen.
