Mercedes-Benz droht Werkschließungen: Zwei Standorte auf dem Prüfstand
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 03:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Stuttgarter Automobilhersteller Mercedes-Benz verschärft seinen Sparkurs am Standort Deutschland massiv. Wie Produktionsvorstand Michael Schiebe laut Berichten vom 21. September 2026 auf einer Betriebsversammlung in Sindelfingen ankündigte, droht das Unternehmen mit der Schließung zweier Werke, falls die Arbeitskosten im Inland nicht signifikant sinken sollten. Konkret nannte der Vorstand die mögliche Stilllegung eines Aufbauwerks sowie eines Werks aus dem Bereich der Antriebstechnik (Powertrain).
Standorte unter Kostendruck
Obwohl Michael Schiebe betonte, dass es das erklärte Ziel des Vorstands bleibe, alle deutschen Standorte zu erhalten, knüpfte er diese Bestandsgarantie an eine deutliche Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Die Warnung betrifft potenziell eine große Zahl an Standorten. Zu den deutschen Aufbauwerken, in denen die Fahrzeugmontage stattfindet, gehören Sindelfingen, Rastatt und Bremen.
Noch umfangreicher ist die Liste der Powertrainwerke, die Komponenten für den Antrieb herstellen. Hierzu zählen die Standorte in Stuttgart-Untertürkheim, Affalterbach, Berlin und Hamburg sowie die Werke in Kamenz, Kölleda und Arnstadt. Welches der Werke im Falle einer Eskalation konkret zur Disposition stünde, wurde nicht spezifiziert.
Forderung nach Mehrarbeit ohne Lohnausgleich
Um die Kostenstrukturen anzupassen, hat die Unternehmensleitung eine sogenannte Produktivitätsoffensive für Deutschland ausgerufen. In einem Schreiben schlug der Vorstand vor, dass die Beschäftigten künftig für den gleichen Lohn mehr arbeiten sollen. Damit zielt das Management auf eine Ausweitung der Arbeitszeit ab, um die Lohnstückkosten zu senken.
Dieser Vorschlag ist Teil eines weiter gefassten Sparprogramms, mit dem der Automobilkonzern auf die veränderten Marktbedingungen und den hohen Kostendruck in der Branche reagiert. Der Vorstand machte deutlich, dass die aktuellen Strukturen am Heimatstandort im internationalen Vergleich zu kostenintensiv seien.
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Proteste der Belegschaft und Widerstand des Betriebsrats
Die Ankündigungen stießen auf massiven Widerstand bei der Belegschaft. Bereits im Vorfeld der Bekanntmachung demonstrierten rund 20.000 Beschäftigte im Rahmen eines Aktionstages der IG Metall im Werk Sindelfingen gegen den befürchteten Jobabbau und die geplanten Kürzungen.
Betriebsratschef Ergun Lümali kündigte angesichts der Drohkulisse harten Widerstand an. Den Berichten zufolge wolle die Arbeitnehmervertretung die Pläne nicht kampflos hinnehmen, signalisierte jedoch gleichzeitig Gesprächsbereitschaft, indem Lümali die Tür für weitere Verhandlungen nicht gänzlich zuschlug. Die Situation gilt als äußerst angespannt, da die Positionen von Management und Arbeitnehmervertretern weit auseinanderliegen.
Kapitalmarkt reagiert auf Sparkurs und Unsicherheit
Die wirtschaftliche Lage von Mercedes-Benz spiegelt sich auch in der Entwicklung an den Finanzmärkten wider. Am 21. September 2026 wurde die Mercedes-Aktie auf der Handelsplattform Tradegate um 17:42 Uhr mit 43,70 EUR gehandelt, was einem Rückgang von 0,68 % entsprach.
Der langfristige Trend verdeutlicht die Herausforderungen, vor denen der Konzern steht: In den vorangegangenen fünf Tagen verzeichnete das Papier ein Minus von 6,17 %. Seit dem 1. Januar 2026 hat die Aktie insgesamt 27,13 % an Wert verloren. Analysten sehen in den nun angekündigten Maßnahmen den Versuch der Konzernleitung, das Vertrauen der Investoren durch eine strikte Kostendisziplin zurückzugewinnen.
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Ausblick auf die Tarifrunde
Die Auseinandersetzung um die Standorte und Arbeitszeiten fällt in eine kritische Phase für die gesamte Branche. Ab dem 7. Oktober 2026 beginnen die offiziellen Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie mit der IG Metall.
Die Forderungen des Mercedes-Vorstands nach Mehrarbeit ohne Lohnausgleich dürften in diesen Gesprächen für erheblichen Zündstoff sorgen und die Verhandlungen über die künftigen Arbeitsbedingungen maßgeblich beeinflussen.
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