Mercedes-Benz, Werkschließung

Mercedes-Benz droht Werkschließung: 5 Stunden mehr Arbeitszeit ohne Ausgleich

Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 14:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mercedes-Benz verlangt längere Arbeitszeiten und den Wegfall von Sonderzahlungen. Schwache Margen und Auslandsvorteile erhöhen den Druck.

Mercedes-Benz droht mit Werksschließung und fordert harte Einschnitte
Eine leere, weitläufige Industriehalle mit ungenutzten Maschinen und kühlem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Der Automobilhersteller Mercedes-Benz hat in internen Gesprächen mit der Schließung eines Produktionsstandortes in Deutschland gedroht. Die Konzernführung knüpft den Fortbestand des namentlich nicht genannten Werks an drastische Zugeständnisse der Belegschaft bei den Lohnkosten und der Arbeitszeit. Hintergrund sind eine schwache operative Marge und erhebliche Kostenvorteile an ausländischen Standorten.

In den laufenden Verhandlungen zwischen der Konzernleitung und den Arbeitnehmervertretern hat die Mercedes-Benz Group scharfe Maßnahmen zur Kostensenkung gefordert. Wie Anfang September 2026 bekannt wurde, droht der Vorstand intern mit der Schließung eines deutschen Werks, falls die Lohnkosten nicht massiv gesenkt werden.

Um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Produktion zu sichern, verlangt die Unternehmensführung von den Beschäftigten unter anderem eine Ausweitung der wöchentlichen Arbeitszeit um 5 Stunden ohne finanziellen Ausgleich.

Zusätzlich sieht der Forderungskatalog des Vorstands den Wegfall von etablierten Sonderleistungen vor. So sollen künftig sowohl das Weihnachtsgeld als auch das Urlaubsgeld gestrichen werden. Die Arbeitnehmerseite reagierte mit scharfer Kritik auf diese Pläne.

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Vertreter der Betriebsräte sprachen in diesem Zusammenhang von Erpressung und bezeichneten das Vorgehen des Managements als eine extreme Drohung gegenüber der Belegschaft. Im Zentrum des Konflikts steht dabei auch die in der deutschen Metall- und Elektroindustrie übliche 35-Stunden-Woche, deren Aufweichung der Konzern nun forciert.

Erhebliche Effizienzlücke gegenüber Osteuropa

Als Argument für die geforderten Einschnitte führt der Konzern die deutlichen Standortvorteile im Ausland an. Mercedes-Chef Ola Källenius schätzt die Effizienzlücke zwischen den deutschen Werken und dem Standort im ungarischen Kecskemét auf rund 70 Prozent. In Ungarn wurden die Kapazitäten zuletzt auf 400.000 Fahrzeuge verdoppelt, wobei die dortigen Faktorkosten nach Unternehmensangaben um 70 Prozent niedriger liegen als in der Bundesrepublik.

Bereits in einem Brandbrief im Juni dieses Jahres war darauf hingewiesen worden, dass die Kapazitäten der deutschen Werke deutlich über dem tatsächlichen Bedarf lägen. Der Vorstand erwägt vor diesem Hintergrund einen weiteren Ausbau der Produktion in Osteuropa, was von Beobachtern als zusätzliches Druckmittel in den Verhandlungen mit den deutschen Betriebsräten gewertet wird.

Zwar bestritt der Finanzchef des Konzerns zuletzt das Vorliegen konkreter Schließungspläne, doch die Drohung mit einem solchen Schritt bleibt als Option im Raum stehen.

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Schwache Geschäftszahlen erhöhen den Spardruck

Die wirtschaftliche Lage des Stuttgarter Autobauers hat sich im bisherigen Jahresverlauf 2026 spürbar verschlechtert. Im zweiten Quartal 2026 sank die Marge im Pkw-Geschäft auf 4 Prozent, während der Absatz insgesamt um 8 Prozent zurückging. Besonders deutlich war der Einbruch auf dem wichtigen chinesischen Markt, wo die Verkäufe um 30 Prozent einbrachen.

Auch die Ergebnisse des ersten Quartals 2026 unterstrichen die angespannte Situation. Der Umsatz sank in den ersten drei Monaten des Jahres um 5 Prozent auf 31,6 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis verzeichnete im gleichen Zeitraum einen Rückgang um 17 Prozent.

Um auf diese Entwicklung zu reagieren, plant Mercedes-Benz ab dem Jahr 2027 das umfassende Sparprogramm „Next Level Performance“. Ziel des Programms ist es, die Kostenbasis des Konzerns um insgesamt 5 Milliarden Euro zu senken. Die nun geforderten Lohn- und Arbeitszeitmaßnahmen werden als wesentlicher Baustein dieser langfristigen Strategie betrachtet.

Mehr zum Thema bei t-online: „Mercedes droht Mitarbeitern wohl mit Werkschließung in Deutschland“

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