Mercedes-Benz, Arbeitskampf

Mercedes-Benz: Arbeitskampf um 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich

30.05.2026 - 08:09:17 | boerse-global.de

Mercedes-Benz verhandelt über längere Arbeitszeiten und erwägt Werksverkauf an Rüstungskonzern KNDS.

Mercedes-Benz: Arbeitskampf um 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich - Foto: über boerse-global.de
Mercedes-Benz: Arbeitskampf um 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich - Foto: über boerse-global.de

Mercedes-Benz steht vor einem harten Arbeitskampf. Der Konzern verhandelt intensiv mit dem Betriebsrat über eine deutliche Ausweitung der Wochenarbeitszeit – von 35 auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich. Das berichten Branchenkreise Ende Mai 2026. Hintergrund ist das ehrgeizige Sparprogramm „Next Level Performance", das bis 2027 jährliche Einsparungen von fünf Milliarden Euro vorsieht.

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Arbeitszeitdebatte: Tarifvertrag als Hürde

Die Stuttgarter bezeichnen die deutschen Arbeitskosten als nicht mehr wettbewerbsfähig. Ein erster Schritt war das Abfindungsprogramm, das Ende März 2026 auslief. Nun stehen härtere Einschnitte im Raum. Eine offizielle Stellungnahme zu den konkreten Plänen gibt es nicht. Klar ist jedoch: Die 35-Stunden-Woche ist tarifvertraglich festgeschrieben. Eine Ausnahme erlaubt die sogenannte Pforzheimer Vereinbarung von 2004 – allerdings nur mit Zustimmung von Betriebsrat und Gewerkschaft.

Die IG Metall stellt sich quer. „Zugeständnisse bei der Arbeitszeit wird es nur gegen handfeste Gegenleistungen geben", heißt es aus Gewerkschaftskreisen. Gefordert werden langfristige Standort- und Beschäftigungsgarantien. Für Führungskräfte außerhalb des Tarifvertrags sind 40 Stunden bereits Standard. Eine Ausweitung auf die gesamte Belegschaft würde eine Einigung mit der IG Metall voraussetzen.

Kriegsgerät als Rettungsanker?

Parallel zur Kostensenkung sucht Mercedes neue Wege, um Überkapazitäten zu füllen. CEO Ola Källenius signalisierte gegenüber dem Wall Street Journal Bereitschaft, eine „positive Rolle" in der europäischen Verteidigung zu spielen. Die Produktion von Präzisionsmaschinen sieht er als wachsende Nische.

Konkret steht der Verkauf des Ludwigsfelder Werks im Raum. Der Standort mit rund 1.800 Mitarbeitern könnte ganz oder teilweise an den Rüstungskonzern KNDS gehen. Der Partner sucht dringend Produktionskapazitäten für den „Boxer"-Panzer, nachdem die Bundeswehr Großaufträge erteilt hat. Mercedes selbst will am Standort keine weiteren Fahrzeuge mehr industrialisieren. Eine Beschäftigungsgarantie gilt noch bis Ende 2029.

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Dieser Schritt ist kein Einzelfall. Volkswagen-Chef Oliver Blume bestätigte Gespräche mit Rüstungsfirmen über das Osnabrücker Werk, in dem 2027 die Fahrzeugproduktion ausläuft. Auch Bosch ist bereits in militärische Lieferketten eingebunden und liefert Sensortechnik für gepanzerte Fahrzeuge.

Die Krise der deutschen Autoindustrie

Der Druck auf die Hersteller hat einen klaren Grund: Die Produktion in Deutschland sinkt dramatisch. 2025 verließen nur noch rund 4,15 Millionen Fahrzeuge die Werke – ein Rückgang von 25 Prozent im Vergleich zu vor zehn Jahren und zwölf Prozent weniger als 2019.

Die Folgen sind überall spürbar. Audi kündigte an, die Verträge der letzten 150 Leiharbeiter am Standort Neckarsulm zum 30. Juni 2026 zu kündigen. Der Hochlauf neuer Modelle ist abgeschlossen. In Spitzenzeiten waren dort bis zu 1.600 Zeitarbeiter beschäftigt.

Politischer Reformdruck wächst

Die Industriekrise war am 29. Mai 2026 zentrales Thema im Kanzleramt. Regierungsvertreter, Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften, darunter DGB-Chefin Yasmin Fahimi, bereiteten einen Reformgipfel vor. Das Treffen am 10. Juni soll sich mit Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsmarktreformen und Bürokratieabbau befassen. Ein Reformpaket soll bis zum 30. Juni stehen – vor der Sommerpause des Bundestags. Ob die Koalition die Wende schafft, ist fraglich. Die Fronten zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften sind so verhärtet wie lange nicht.

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