Mercedes-Benz: Abschaffung der 35-Stunden-Woche und 6.000 Stellen gefordert
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 05:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Management der Mercedes-Benz Group AG hat von der deutschen Belegschaft weitreichende Zugeständnisse zur Steigerung der Produktivität und zur Senkung der Standortkosten verlangt. Wie das Unternehmen Ende Juli 2026 mitteilte, strebt der Vorstand unter dem Vorsitz von Ola Källenius signifikante Änderungen an den bestehenden Arbeitszeitmodellen sowie Einsparungen im Personalbereich an.
Management zielt auf Effizienzsteigerung und Stellenabbau
Im Zentrum der Forderungen steht die Abschaffung der im Tarifvertrag verankerten 35-Stunden-Woche. CEO Ola Källenius drängt auf eine Ausweitung der Arbeitszeit, wobei eine Produktivitätsoffensive Mehrarbeit bei gleichbleibendem Gehalt sowie eine Einschränkung der Homeoffice-Regelungen vorsieht. Zudem beabsichtigt das Management, den Einsatz von Leiharbeitern flexibler zu gestalten.
Parallel zu den Bestrebungen nach längeren Arbeitszeiten forciert der Konzern den Abbau von Arbeitsplätzen über ein freiwilliges Abfindungsprogramm. Dieses zielt darauf ab, die Belegschaft um 5.000 bis 6.000 Stellen zu reduzieren. Bereits im ersten Halbjahr 2026 verbuchte Mercedes-Benz Kosten in Höhe von 1.1 Mrd. Euro für Abfindungen. Trotz dieser Maßnahmen bleiben betriebsbedingte Kündigungen aufgrund einer bestehenden Beschäftigungsgarantie bis zum Jahr 2034 ausgeschlossen. Ein ehemaliger Mitarbeiter äußerte jedoch die Vermutung, dass hinter der Produktivitätsoffensive ein verdeckter Stellenabbau stehen könnte.
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Erhebliche Kostennachteile gegenüber dem Standort Ungarn
Die Konzernleitung begründet den Druck auf die deutschen Standorte mit massiven Kostennachteilen im internationalen Wettbewerb. Källenius warnte vor einem Nachteil von 70 Prozent im Vergleich zum Standort Ungarn. Während die Arbeitskosten im ungarischen Werk Kecskemét mit 15,20 Euro pro Stunde beziffert werden, liegen die Kosten in Deutschland deutlich darüber.
Um diese Kapazitäten auszubauen, investiert der Konzern 1 Mrd. Euro in das Werk Kecskemét, womit die Kapazität dort auf bis zu 400.000 Fahrzeuge gesteigert werden soll. In der Verwaltung konnte das Unternehmen bereits Erfolge bei der Kostendisziplin erzielen; hier wurden die Kosten seit 2019 um 25 Prozent gesenkt.
Schwache Absatzbilanz in China belastet das Ergebnis
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Automobilbauer stellten sich im zweiten Quartal 2026 ambivalent dar. Zwar stieg der Konzerngewinn um 13,5 Prozent auf 1,09 Mrd. Euro und der operative Gewinn des Gesamtkonzerns um 21,5 Prozent auf 1,55 Mrd. Euro, doch die Kernsparte Pkw verzeichnete deutliche Rückgänge. Der bereinigte operative Gewinn der Autosparte sank um 26 Prozent auf 909 Mio. Euro, was einer Rendite von 4,0 Prozent entspricht.
Der Absatz von Personenkraftwagen ging insgesamt um 7,9 Prozent auf 417.800 Einheiten zurück. Besonders kritisch entwickelte sich das Geschäft in China, wo der Absatz um 30 Prozent einbrach. Dies führte unter anderem zu einer Sonderabschreibung von 704 Mio. Euro auf chinesische Joint-Ventures. Trotz dieser Entwicklung bekräftigte Källenius das Bekenntnis zum chinesischen Markt und lehnte die Teilnahme an einem Preiskrieg ab. Ein positiver Aspekt zeigte sich beim Absatz batterieelektrischer Fahrzeuge (BEV), der um 51 Prozent auf 52.852 Einheiten zunahm. Für das Gesamtjahr wurde die Prognose dennoch auf rund 1,7 Mio. Fahrzeuge gesenkt, nachdem im Vorjahr noch 1,8 Mio. Einheiten abgesetzt worden waren.
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Heftiger Widerstand der Gewerkschaften und des Betriebsrats
Die Pläne des Vorstands stießen bei den Arbeitnehmervertretern auf scharfe Ablehnung. Die Gewerkschaft IG Metall warnte vor einem sogenannten Klassenkampf von oben und kritisierte das Vorgehen der Unternehmensleitung. Auch der Betriebsrat übt deutliche Kritik am Vorstand. Bereits Anfang Juli kam es zu massiven Protesten der Belegschaft, wobei die Teilnehmerzahlen zwischen 10.000 (laut Mercedes) und 26.500 (laut IG Metall) schwankten.
Für zusätzliche Spannungen sorgt die Verschiebung einer tariflichen Sonderzahlung, die ursprünglich für Juli vorgesehen war. In der Kritik steht zudem die Diskrepanz zwischen den Sparforderungen und den Auszahlungen an Führungskräfte und Aktionäre. So belief sich die Vergütung von CEO Källenius für das Jahr 2025 auf knapp 9 Mio. Euro, während im April 2026 eine Dividende in Höhe von 3,3 Mrd. Euro ausgeschüttet wurde.
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