Menstruationstabu, Arbeitsplatz

Menstruationstabu am Arbeitsplatz: Nur 5% melden sich krank

28.05.2026 - 06:30:07 | boerse-global.de

Immer mehr Unternehmen erkennen Menstruationsbeschwerden und Wechseljahre als relevantes Thema für die Mitarbeiterbindung und Fachkräftesicherung.

Menstruationstabu am Arbeitsplatz: Nur 5% melden sich krank - Foto: über boerse-global.de
Menstruationstabu am Arbeitsplatz: Nur 5% melden sich krank - Foto: über boerse-global.de

Zum Internationalen Tag der Frauengesundheit wird klar: Das Thema ist längst kein reines Privatproblem mehr, sondern ein relevanter Wirtschaftsfaktor für Fachkräftesicherung und Mitarbeiterzufriedenheit.

E-Learning für den Schichtdienst

Die Universitätsmedizin Mainz geht mit gutem Beispiel voran. Seit dem 27. Mai bietet sie ein spezielles E-Learning-Programm für Pflegekräfte im Schichtdienst an. Ziel ist es, Wissen über zyklusorientiertes Arbeiten zu vermitteln – insbesondere zu den vier verschiedenen Phasen des weiblichen Zyklus.

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Die Fortbildung enthält Empfehlungen zu zyklusfreundlicher Ernährung und Bewegung. Dazu kommen Strategien für die praktische Umsetzung in belastenden Arbeitszeitmodellen. Die Klinik reagiert damit auf die spezifischen Herausforderungen von Frauen in Gesundheitsberufen: unregelmäßige Arbeitszeiten und körperliche Belastung erschweren die Selbstfürsorge enorm.

Menstruationsbeschwerden: großes Tabu, kaum Krankschreibungen

Dass Handlungsbedarf besteht, zeigt eine Umfrage von Bilendi unter mehr als 1.000 Frauen vom Mai 2026. Demnach betrachten 74 Prozent der Befragten Menstruationsbeschwerden als unterschätztes Berufsthema. 78 Prozent geben an, dass ihre Beschwerden den Arbeitsalltag negativ beeinflussen – doch nur fünf Prozent melden sich deswegen krank.

Der Grund liegt im sozialen Klima: Rund 45 Prozent der Frauen nehmen Menstruation am Arbeitsplatz weiterhin als Tabu wahr. Rechtlich ist eine Krankschreibung bei Beschwerden mit Krankheitswert zwar möglich. Die Hemmschwelle zur Inanspruchnahme bleibt jedoch hoch.

„Cycle Syncing“: Potenzial für Gesundheit und Produktivität

Auch Krankenkassen widmen sich dem Thema. Eine KKH-Studie aus März 2025 mit rund 1.000 Teilnehmerinnen zeigt großes Interesse an einer Anpassung des Lebensstils an den hormonellen Rhythmus. 76 Prozent der Befragten sehen Potenzial in zyklusgerechtem Training, 60 Prozent dokumentieren ihren Zyklus bereits aktiv. Im Juni 2026 sollen ergänzende Online-Seminare das Wissen in die Breite tragen.

Parallel dazu fordert der ÖGB am heutigen Donnerstag eine stärkere Sensibilisierung für die Wechseljahre am Arbeitsplatz. Zwei Drittel der Frauen leiden während dieser Phase unter Beschwerden. Die Gewerkschaft verlangt flexible Arbeitsbedingungen, bessere arbeitsmedizinische Betreuung und mehr Berücksichtigung der Gendermedizin. Ziel: Die Wechseljahre aus der Tabuzone holen und die Arbeitsfähigkeit erfahrener Mitarbeiterinnen langfristig sichern.

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Erschöpfung als Dauerzustand

Der Frauengesundheitsreport 2026 für Österreich zeigt eine weitere Belastungsgrenze: Müdigkeit ist für viele Frauen zum Normalzustand geworden. 68 Prozent der Befragten funktionieren trotz Erschöpfung weiter. Hauptbelastungsfaktor ist Care-Arbeit. Besonders betroffen: Frauen zwischen 30 und 44 Jahren.

Technische Hilfe für körperlich fordernde Berufe

Neben Schulungen werden auch technische Innovationen diskutiert. Eine Studie der Universitätsmedizin Magdeburg vom Februar 2026 untersuchte den Einsatz passiver Exoskelette im Pflegealltag. Ergebnisse deuten darauf hin, dass solche Hilfsmittel Rücken und Gelenke entlasten können. Ökonomisch amortisiere sich der Einsatz bereits, wenn dadurch nur wenige Krankheitstage vermieden werden.

Experten betonen zudem die Bedeutung von Familienfreundlichkeit als Wirtschaftsfaktor. In Regionen wie dem Kreis Euskirchen scheitert die Erwerbstätigkeit von Frauen oft an fehlenden Betreuungsangeboten. Flexible Arbeitszeiten und verlässliche Kinderbetreuung bleiben zentrale Bausteine für Gesundheit und Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen.

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