Menstruationsbeschwerden, Job

Menstruationsbeschwerden: 78% leiden, aber 45% schweigen im Job

27.05.2026 - 22:49:28 | boerse-global.de

Umfrage zeigt: 78% der Frauen leiden unter Zyklusbeschwerden bei der Arbeit, doch 45% schweigen darĂĽber. Experten fordern mehr Offenheit.

Menstruationsbeschwerden: 78% leiden, aber 45% schweigen im Job - Foto: ĂĽber boerse-global.de
Menstruationsbeschwerden: 78% leiden, aber 45% schweigen im Job - Foto: ĂĽber boerse-global.de

Eine aktuelle Umfrage zeigt: 45 Prozent der Arbeitnehmerinnen sprechen nicht darĂĽber.

Dabei sind die Auswirkungen enorm. 78 Prozent der befragten Frauen geben an, dass ihr Arbeitsalltag unter zyklusbedingten Symptomen leidet. Die Studie der Marktforschungsplattform Bilendi und des Benefit-Anbieters Voiio befragte 1.051 Frauen im Durchschnittsalter von 36,3 Jahren.

Leistungseinbußen – aber kaum Krankmeldungen

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Die Symptome sind vielfältig. 66 Prozent der Frauen fühlen sich während ihrer Menstruation schneller erschöpft. 61 Prozent reagieren gereizter, 56 Prozent haben eine geringere emotionale Belastbarkeit. 53 Prozent stellen Leistungsschwankungen fest, 48 Prozent leiden unter Konzentrationsproblemen.

Trotzdem arbeiten 57 Prozent der Betroffenen einfach weiter. 36 Prozent greifen zu Medikamenten, um durchzuhalten. Nur fĂĽnf Prozent melden sich wegen Menstruationsbeschwerden krank.

Das hat auch rechtliche Gründe. „Eine Krankmeldung ist nur zulässig, wenn die Beschwerden einen tatsächlichen Krankheitswert erreichen“, erklärt Fachanwältin Nathalie Oberthür. Arbeitnehmerinnen müssten den Grund gegenüber dem Arbeitgeber aber nicht offenlegen.

Schweigen gegenüber männlichen Kollegen

Besonders auffällig: 75 Prozent der Frauen sprechen nicht mit männlichen Kollegen über das Thema. Die spezifischen Herausforderungen bleiben in der oft männlich geprägten Führungskultur unsichtbar.

Das Problem beginnt früh. Eine Studie der Organisation Cíclicas unter 300 Jugendlichen in Spanien zeigt: 53,8 Prozent der Familien halten Menstruationsschmerzen für normal. 72 Prozent der Jugendlichen empfinden Scham beim Thema. 55 Prozent der Mädchen waren bei ihrer ersten Menstruation verwirrt, 35 Prozent hatten Angst.

Zyklusgerechtes Arbeiten als Chance

Präventive Ansätze gewinnen an Bedeutung. Eine Umfrage der Krankenkasse KKH und forsa vom März 2025 zeigt: 76 Prozent der Frauen sehen Potenzial im sogenannten „Cycle Syncing“ – der Anpassung von Aktivitäten an die Zyklusphasen. 60 Prozent dokumentieren bereits ihren Zyklus.

Die KKH bietet im Juni 2026 Online-Seminare zum Thema an. Auch medizinische Hilfsmittel werden diskutiert. Gynäkologin Dr. Mirjam Wagner weist darauf hin, dass Tampons Schmerzen verstärken können. Periodenunterwäsche sei eine Alternative – sofern sie Qualitätsstandards wie Oeko-Tex Standard 100 erfüllt.

Ă–konomische Relevanz

Das Schweigen hat auch wirtschaftliche Folgen. Wenn über die Hälfte der Frauen unter Leistungsschwankungen leidet, aber nicht kommuniziert, bleiben Lösungen aus. Betriebliches Gesundheitsmanagement muss über Rückenschule und Obstkörbe hinausgehen.

In Spanien wird das Thema bereits politisch diskutiert. Hintergrund ist auch die sogenannte Periodenarmut: Laut CĂ­clicas sind 20 bis 22 Prozent der Frauen dort betroffen.

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In Deutschland plant die Stadt Wiesbaden für den 29. Mai 2026 einen Dialogtag zum Internationalen Tag der Frauengesundheit. Organisiert von Soroptimist International, sollen Themen wie Endometriose öffentlich besprochen werden.

Ausblick

Solange 75 Prozent der Frauen nicht offen mit männlichen Kollegen sprechen, bleibt ein erheblicher Teil der Belegschaft mit seinen gesundheitlichen Herausforderungen allein. Unternehmen, die flexible Modelle wie Homeoffice während der Menstruation anbieten, könnten langfristig einen Vorteil bei der Gewinnung weiblicher Fachkräfte haben. Die Enttabuisierung ist nicht nur eine Frage der sozialen Gerechtigkeit – sondern eine Notwendigkeit für eine gesunde und produktive Wirtschaft.

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