Menopause, Arbeitsplatz

Menopause am Arbeitsplatz: Milliardenverlust für deutsche Wirtschaft

20.05.2026 - 18:37:14 | boerse-global.de

Jährlich 9,4 Milliarden Euro Produktivitätsverlust durch mangelnde Menopause-Unterstützung. Unternehmen stehen vor strategischen Herausforderungen.

Menopause am Arbeitsplatz: Milliardenverlust für deutsche Wirtschaft - Foto: über boerse-global.de
Menopause am Arbeitsplatz: Milliardenverlust für deutsche Wirtschaft - Foto: über boerse-global.de

Rund 9,4 Milliarden Euro gehen der deutschen Wirtschaft jährlich verloren, weil Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen in den Wechseljahren nicht ausreichend unterstützen. Das zeigt eine Studie der Berlin School of Economics and Law (HWR Berlin). Angesichts des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels wird das Thema zum strategischen HR-Thema.

Die Kosten des Schweigens

Die HWR Berlin hat die wirtschaftlichen Auswirkungen der Menopause erstmals umfassend beziffert. Demnach entstehen durch Symptome wie Erschöpfung, Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten jährlich rund 40 Millionen verlorene Arbeitstage. Die Studie befragte über 2.000 Frauen zwischen 28 und 67 Jahren. Das Ergebnis: Frauen in ihren besten Berufsjahren sind am stärksten betroffen.

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Zwischen 6,7 und 7,5 Millionen erwerbstätige Frauen in Deutschland befinden sich derzeit in der typischen Altersspanne für die Wechseljahre. Professorin Andrea Rumler, die das MenoSupport-Projekt leitet, betont: „Die tatsächlichen Kosten dürften noch höher liegen." Denn die Studie erfasst noch nicht die Verluste durch Frühverrentung, reduzierte Arbeitszeiten oder den Verzicht auf Beförderungen.

Im Durchschnitt können betroffene Frauen mit starken Symptomen etwa 30 Minuten pro Woche nicht effektiv arbeiten. Was nach wenig klingt, summiert sich in Großunternehmen zu erheblichen Produktivitätseinbußen.

Internationaler Druck auf deutsche Personalabteilungen

Während Deutschland noch auf eine spezifische Gesetzgebung wartet, ziehen andere Länder voraus. Großbritannien hat mit dem Employment Rights Act 2025 einen Meilenstein gesetzt: Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten müssen seit Frühjahr 2026 freiwillig Menopause-Aktionspläne veröffentlichen. Ab 2027 wird dies zur Pflicht.

Auch auf EU-Ebene tut sich etwas. Das Europäische Parlament verabschiedete im Frühjahr 2024 eine Resolution zum besseren Schutz weiblicher Beschäftigter in den Wechseljahren. Für deutsche Unternehmen mit internationalen Standorten werden diese Standards zum Maßstab für die Mitarbeiterbindung.

In Deutschland lassen sich das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und das Mutterschutzgesetz in Einzelfällen heranziehen – wenn die Symptome einen gesundheitlichen Beeinträchtigungsgrad erreichen. Eine klare nationale Strategie fehlt jedoch. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion brachte Ende 2024 einen Antrag für eine nationale Menopause-Strategie ein.

Pioniere der deutschen Wirtschaft

Einige Konzerne handeln bereits. SAP und Sanofi gelten als Vorreiter. Sie haben spezielle Unterstützungsprogramme und Schulungen für Führungskräfte eingeführt. Sanofi betonte in seinem Nachhaltigkeitsbericht 2025, dass „gesundheitliche Inklusion" ein Kernbestandteil der Unternehmensstrategie sei.

Das MenoSupport-Projekt hat Anfang 2025 einen umfassenden Leitfaden veröffentlicht. Die darin vorgestellte MenoMATRIX hilft Unternehmen, die spezifischen Bedürfnisse ihrer Mitarbeiterinnen zu identifizieren. Der MenoMAPP-Prozess bietet eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Umsetzung. Die Maßnahmen sind oft kostengünstig:

  • Flexible Arbeitszeiten für bessere Vereinbarkeit mit Schlafproblemen
  • Temperaturregulierung und Ventilatoren am Arbeitsplatz
  • Rückzugsräume und spezialisierte Gesundheitsberatung
  • Sensibilisierungstrainings für Führungskräfte

Strategische Personalarbeit als Wettbewerbsvorteil

Die Dringlichkeit zeigt sich im Fachkräftemangel. Rund zehn Prozent der betroffenen Frauen haben laut HWR-Studie schon erwogen, den Job ganz aufzugeben. Bei den über 55-Jährigen sind es sogar 20 Prozent. Der Verlust einer einzelnen Führungskraft kostet ein Unternehmen oft mehr als die Einführung eines kompletten Unterstützungsprogramms.

Nur 15 Prozent der Frauen empfanden ihren Arbeitsplatz 2023 als unterstützend in Sachen Menopause. Hier liegt enormes Potenzial. Wer die Lücke schließt, reduziert nicht nur Fehlzeiten, sondern stärkt auch die Mitarbeiterbindung. Gerade in Zeiten des demografischen Wandels wird das zum entscheidenden Vorteil im „Employer Branding".

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Vom Nischenthema zum Wirtschaftsfaktor

Der Wandel vollzieht sich rasant. War früher der Fokus auf Familienplanung und Mutterschutz gerichtet, rücken nun alle Lebensphasen in den Blick. Das Global Wellness Institute spricht in seiner Trendanalyse 2026 von einer „unternehmensweiten Integration" des Wohlbefindens.

Die wirtschaftliche Logik ist klar: Wer Frauen in den Wechseljahren nicht unterstützt, betreibt eine Form von „Brain Drain", den sich die deutsche Wirtschaft nicht leisten kann. Fast 75 Prozent der Betroffenen berichten von nachlassender Konzentrationsfähigkeit, über 70 Prozent von erhöhtem Stress.

Ausblick: Nationale Strategie in Sicht?

Für die kommenden Jahre zeichnet sich eine Entwicklung ab: weg von freiwilligen Maßnahmen, hin zu standardisierten Zertifizierungen und gesetzlichen Vorgaben. Die Anhörungen des EU-Parlaments, zuletzt im März 2026 im FEMM-Ausschuss, deuten auf eine koordinierte europäische Strategie hin.

Für deutsche Unternehmen heißt das: Die Zeit des Abwartens ist vorbei. Wer jetzt handelt, sichert sich nicht nur einen Wettbewerbsvorteil, sondern bereitet sich auch auf kommende Berichtspflichten vor. Die MenoSupport-Tools bieten dafür eine solide Grundlage. Das Ziel ist ein Arbeitsplatz, der die Wechseljahre mit derselben professionellen Transparenz behandelt wie jede andere gesundheitliche Lebensphase. Für die deutsche Wirtschaft geht es um nicht weniger als die Rückgewinnung von 9,4 Milliarden Euro jährlicher Produktivität.

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