Mehrwertsteuer: Ifo schlägt 36 Milliarden Euro Mehreinnahmen vor
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Clemens Fuest schlägt die Abschaffung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes vor. Die Politik lehnt ab.
Einheitlicher Satz statt Sonderregeln
Der Präsident des Ifo-Instituts präsentierte am 6. August einen weitreichenden Plan: Statt 7 Prozent für bestimmte Waren sollen künftig 19 Prozent auf alles gelten. Nach Berechnungen des Instituts würde das dem Staat jährlich über 36 Milliarden Euro Mehreinnahmen bringen – nach Abzug von Kompensationszahlungen. Der ermäßigte Satz kostet den Fiskus aktuell rund 43,5 Milliarden Euro pro Jahr.
Um soziale Härten abzufedern, sieht das Konzept eine jährliche Gutschrift von 360 Euro pro Kopf für Haushalte mit geringem Einkommen vor. Das Gesamtvolumen dieser Ausgleichszahlungen liegt bei etwa 7,2 Milliarden Euro. Die ärmere Hälfte der Bevölkerung würde durch die Steueranhebung im Schnitt rund 30 Euro pro Monat zusätzlich zahlen. Eine Netto-Mehrbelastung droht vor allem Haushalten mit einem Bruttoeinkommen von mehr als 55.000 Euro jährlich.
Politischer Gegenwind aus Union und SPD
Die Reaktionen fielen am 7. August überwiegend negativ aus. Die Finanzpolitikerin der SPD-Bundestagsfraktion, Heiligenstadt, kritisierte: „Die vorgelegte Rechnung geht nicht auf." Auch SPD-Generalsekretär Klüssendorf lehnte den Plan ab. Der CDU-Finanzpolitiker Güntzler betonte, eine Verteuerung von Brot, Milch, Obst und Gemüse mache das tägliche Leben der Bürger nicht einfacher.
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Kritiker bemängeln zudem den Zeitpunkt. Die Lebensmittelpreise sind seit 2020 um mehr als 36 Prozent gestiegen. Eine zusätzliche steuerliche Belastung in diesem Bereich gilt politisch als schwer vermittelbar.
Warnungen vor steigenden Verbraucherpreisen
Wirtschaftsforschungsinstitute warnen vor den Folgen einer vollständigen Weitergabe der Steuererhöhung an die Konsumenten. Die Preise für Produkte mit bisher ermäßigtem Satz könnten um bis zu 12 Prozent steigen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht ärmere Haushalte überproportional belastet.
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Eine vierköpfige Familie mit geringem Einkommen müsste jährlich zwischen 500 und 800 Euro mehr zahlen. Die vorgeschlagene Gutschrift würde diese Belastung nur teilweise decken. Das DIW rechnet mit einem Realeinkommensverlust von bis zu 2 Prozent für einkommensschwache Gruppen.
Die Debatte ist Teil größerer Überlegungen zur Steuerstruktur. Für 2027 steht eine Reform der Einkommensteuer im Raum, in Fachkreisen wird vereinzelt sogar über eine Anhebung des Mehrwertsteuersatzes auf bis zu 22 Prozent diskutiert. Der Vorstoß zur Vereinheitlichung auf 19 Prozent gilt als Versuch, das System zu vereinfachen und bürokratische Sonderregeln abzubauen.
