Mehrwertsteuer: Ifo-Chef fordert Abschaffung des 7%-Satzes
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der aktuellen Debatte um die Konsolidierung des Staatshaushalts und die Effizienz des deutschen Steuersystems hat Ifo-Präsident Clemens Fuest am 5. August 2026 eine grundlegende Reform der Mehrwertsteuer angeregt. Er plädierte öffentlich für die vollständige Abschaffung des ermäßigten Steuersatzes von derzeit 7 Prozent und sprach sich für eine Vereinheitlichung der Sätze aus.
Hohe fiskalische Belastung durch Steuervergünstigungen
Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz, der in Deutschland für zahlreiche Waren des täglichen Bedarfs sowie bestimmte Dienstleistungen gilt, führt laut Berechnungen des Ifo-Präsidenten zu erheblichen Einnahmeausfällen für den Fiskus. Fuest bezifferte die jährlichen Kosten für den Staat auf 43,5 Mrd. Euro. In der aktuellen Systematik werden diese Güter mit 7 Prozent besteuert, während der Regelsatz bei 19 Prozent liegt.
Der Ökonom kritisierte, dass das derzeitige Modell seine ursprüngliche Funktion nicht mehr zeitgemäß erfülle. Die breite Anwendung des ermäßigten Satzes sorge für ein komplexes System, das im Vergleich zu einem einheitlichen Steuersatz massive finanzielle Ressourcen binde, ohne dabei die gewünschte Lenkungswirkung in ausreichendem Maße zu erzielen.
Geringe Zielgenauigkeit bei der Entlastung ärmerer Haushalte
Ein wesentlicher Aspekt der Kritik von Fuest betrifft die soziale Komponente der Steuerermäßigung. Bisher wird der ermäßigte Satz oft mit der notwendigen Entlastung einkommensschwächerer Haushalte begründet, insbesondere bei den Ausgaben für Lebensmittel. Fuest legte jedoch Zahlen vor, die die Effizienz dieses Instruments infrage stellen.
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Nach seinen Angaben beläuft sich die tatsächliche monatliche Entlastung für ärmere Haushalte durch den 7-Prozent-Satz auf lediglich 30 Euro. Diese Kalkulation basiert auf durchschnittlichen Ausgaben für Nahrungsmittel in Höhe von 250 Euro pro Monat. Auf das Gesamtjahr und die gesamte Bevölkerungsgruppe hochgerechnet, entspreche dies einer Entlastungssumme von etwa 7,2 Mrd. Euro. Angesichts der Gesamtkosten von 43,5 Mrd. Euro pro Jahr für den Staatshaushalt verdeutlicht dies laut Fuest ein erhebliches Missverhältnis. Ein Großteil der Steuervergünstigung komme somit Haushalten zugute, die finanziell nicht auf diese Unterstützung angewiesen seien.
Plädoyer für Direkttransfers statt Gießkannen-Prinzip
Anstelle der pauschalen Steuerermäßigung schlägt der Ifo-Präsident einen Systemwechsel hin zu einer progressiven Ausgestaltung der Mehrwertsteuer vor. Sein zentrales Argument ist die Steigerung der Zielgenauigkeit staatlicher Hilfen.
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Fuest betonte, dass direkte Transferzahlungen an bedürftige Haushalte ein wesentlich effektiveres Mittel seien, um soziale Härten abzufedern, als die künstliche Verbilligung von Produkten über das Steuersystem. Durch solche gezielten Transfers könnten die Haushalte direkt unterstützt werden, während gleichzeitig die Mitnahmeeffekte durch wohlhabendere Konsumenten entfielen. Die durch eine Abschaffung des ermäßigten Satzes freiwerdenden Mittel könnten nach Ansicht des Ökonomen dazu genutzt werden, diese Transferleistungen zu finanzieren oder andere Teile des Steuersystems zu entlasten.
