Mehrfachsteckdosen im Betrieb: Wasserkocher und Kaffeeautomat überlasten sie
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer betriebliche Brandschutz umfasst eine Vielzahl organisatorischer, technischer und baulicher Vorschriften. Für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen geht es dabei nicht nur um die Einhaltung gesetzlicher Auflagen, sondern um die Vermeidung schwerer Personen- und Sachschäden.
Das Spektrum reicht von der formalen Bestellung qualifizierter Fachkräfte über die regelmäßige Wartung der Löschmittel bis hin zur Minimierung typischer Risikofaktoren im laufenden Betrieb.
Aufgaben und Rolle des Brandschutzbeauftragten
Eine zentrale Säule des organisatorischen Brandschutzes in Liegenschaften und Arbeitsstätten bildet die Funktion des Brandschutzbeauftragten. Dessen Aufgaben profil richtet sich in Deutschland maßgeblich nach der DGUV Information 205-003. In Abschnitt 3, Nummern 1 bis 26, sind die Tätigkeitsfelder detailliert aufgeführt.
Dazu zählen unter anderem die Beratung bei brandschutztechnischen Fragestellungen, das Mitwirken bei der Gefährdungsbeurteilung, die regelmäßige Begehung von Betriebsstätten sowie die Kontrolle von Flucht- und Rettungswegen. Auch die Unterweisung von Beschäftigten und die Fortschreibung von Brandschutzordnungen fallen in diesen Aufgabenbereich, um organisatorische Sicherheitslücken frühzeitig zu erkennen.
Typische Gefahrenquellen: Überlastung elektrischer Anschlüsse
Zu den häufigsten Ursachen betrieblicher Entstehungsbrände zählen Fehler in der elektrischen Installation und unsachgemäß genutzte Geräte. Steckdosenleisten sind im Regelfall für eine maximale Gesamtleistung von 3.000 bis 3.500 Watt ausgelegt, wobei stets die jeweilige Kennzeichnung auf dem Produkt maßgeblich ist.
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Werden in Büroküchen oder Aufenthaltsräumen mehrere Geräte gleichzeitig betrieben, wird diese Grenze schnell überschritten. Ein Wasserkocher mit 2.000 bis 2.400 Watt und ein Kaffeevollautomat mit rund 1.450 Watt ergeben laut VDE zusammen bereits 3.650 Watt, was gängige Mehrfachsteckdosen überlastet.
Weitere Großverbraucher stellen Heizlüfter mit 1.500 bis 3.000 Watt sowie Heißluftfritteusen mit 1.400 bei 2.100 Watt dar. Auch Großgeräte wie Geschirrspüler, Waschmaschinen und Trockner benötigen beim Aufheizen mehrere Tausend Watt; das Innenministerium Baden-Württemberg weist darauf hin, dass diese Anschlüsse besonders problematisch sind.
Laut VDE sollten Großgeräte und Kühlschränke daher stets direkt an eigene Wandsteckdosen angeschlossen werden. Das Hintereinanderstecken mehrerer Leisten ist unzulässig. Bei der Beschaffung gelten unabhängige Prüfzeichen wie GS, VDE oder TÜV als Richtwert, während das CE-Kennzeichen kein unabhängiges Prüfsiegel darstellt.
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Prüfpflichten, Löschmittel und bauliche Vorgaben
Für die Brandbekämpfung im Ernstfall sind funktionstüchtige Einrichtungen unerlässlich. Im gewerblichen Bereich ist die Überprüfung von Feuerlöschern alle zwei Jahre vorgeschrieben. Zertifizierte Sachkundige kontrollieren dabei Funktion, Füllmenge, Druck und Kennzeichnung der Geräte.
Bei der Ausstattung kommt es zudem auf die passende Löschmittelwahl an: Wasser ist bei Fett- und Metallbränden gefährlich; in Küchenbereichen sind deshalb Löschdecken oder spezielle Fettbrandlöscher erforderlich. Als zusätzliche Herausforderungen gelten zunehmend Risiken durch Lithium-Ionen-Akkus sowie Photovoltaikanlagen.
Auf baulicher Ebene bilden Brandabschnitte durch Brandwände und Brandschutztüren, Brandverhalten von Baustoffen, Feuerwiderstand von Bauteilen, Fluchtwegplanung sowie Sprinkleranlagen das Fundament des Schutzes.
Speziallösungen wie Sicherheitsschränke des Typs 90 bieten 90 Minuten Feuerwiderstandsfähigkeit für gefährliche Stoffe, während Brandschutzglas der Klassifizierung EI zur Raumabtrennung dient.
Bei Modernisierungen in einzelnen Bundesländern, wie etwa nach der 3. Änderung der Bauordnung in Nordrhein-Westfalen, konzentrieren sich die bauordnungsrechtlichen Anforderungen an den Brandschutz vor allem auf die Sicherung der Rettungswege.
Auch während Bau- und Instandhaltungsphasen greifen spezifische Vorsichtsmaßnahmen. Die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen regelt in ihrem Konzept Verantwortlichkeiten und Abläufe über Bauphasen hinweg.
Vorgeschrieben sind unter anderem die Nutzung einwandfreier elektrischer Arbeitsmittel nach Herstellervorgaben, ausreichende Abstände wärmeerzeugender Geräte wie Baustellenscheinwerfer zu brennbaren Materialien sowie das vollständige Ausrollen von Kabelrollen, um Überhitzungen zu vermeiden.
