Arbeitsmarkt, Dienst

Öffentlicher Dienst warnt vor verschärfter Personalknappheit

08.08.2023 - 01:05:45 | dts-nachrichtenagentur.de

Mehrere Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes haben wegen der sich verschärfenden Personalknappheit Alarm geschlagen.

Müllabfuhr - Bild: über dts Nachrichtenagentur
Müllabfuhr - Bild: über dts Nachrichtenagentur

"Wenn die Politik nicht gegensteuert, droht ein Personalkollaps", sagte Daniel Merbitz, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstagausgaben). In allen Bereichen der Polizei fehlten Beamte, warnte der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Michael Mertens.

"In der polizeilichen Ermittlungsarbeit gibt es seit schon seit Jahren einen massiven Bearbeitungsstau. Davon ist kein Land ausgenommen, auch nicht die Bundespolizei und das Bundeskriminalamt." Der Chef des Beamtenbundes dbb, Ulrich Silberbach, warnte vor der Personalentwicklung der kommenden Jahre. Zwar drohe kein Stillstand des Staates: "Aber es wird noch viel mehr, öfter und lauter rumpeln als jetzt", sagte Silberbach den Funke-Zeitungen. "Wenn wir bei Digitalisierung und Bürokratieabbau nicht endlich vorankommen, wird der bevorstehende Personalmangel Bearbeitungsfristen verlängern, Betreuungsschlüssel verschlechtern und die staatliche Leistungsfähigkeit insgesamt signifikant schwächen." Nach dbb-Angaben sind aktuell rund 360.000 Stellen im öffentlichen Dienst unbesetzt. Bis 2030 gehen demnach etwa 1,3 Millionen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes in den Ruhestand. "Das Bildungssystem in Deutschland ist seit Jahrzehnten deutlich unterfinanziert - mit dramatischen Folgen", sagte Merbitz, der im GEW-Vorstand zuständig ist für Tarif- und Beamtenpolitik. In allen Bildungsbereichen, insbesondere in Kitas und den Schulen, herrsche ein riesiger Fachkräftemangel. "Das führt oft zu einem Teufelskreis aus Überlastung durch Fachkräftemangel und Fachkräftemangel durch Überlastung. Viele Beschäftigte im Bildungsbereich gehen in Teilzeitarbeit, um der persönlichen Überlastung zu entkommen", warnte Merbitz. Besonders offensichtlich sei die Personalknappheit der Polizei im Bereich der Verkehrsüberwachung, sagte GdP-Vize Mertens den Funke-Zeitungen. Den Polizeibeamten sei es nicht mehr möglich, flächendeckend das Einhalten der Verkehrsregeln zu kontrollieren. "Die Folge ist ein deutlich verringertes Entdeckungsrisiko, was sich auf die Einhaltung der Verkehrsregeln und vor allem in der Unfallstatistik negativ auswirkt." Der GdP-Vizevorsitzende kritisierte: "Die politischen Entscheider wissen, dass den Menschen in der Bundesrepublik ihre Sicherheit wichtig ist, tun aber immer noch zu wenig." Das Erstarken populistischer und teils extremer Strömungen sei "ein Weckruf, daran endlich was zu ändern".

dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

de | wirtschaft | 63888793 |

Weitere Meldungen

Dehoga warnt vor Jobverlust durch Warken-Pläne Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sieht durch die Reformpläne von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) Jobs gefährdet. (Politik, 13.06.2026 - 12:47) weiterlesen...

Offenbar tiefe Gräben bei Reformgipfel im Kanzleramt Arbeitgeber und Gewerkschaften sind offenbar mit diametralen Positionen in den Reformgipfel am vergangenen Mittwoch im Bundeskanzleramt gegangen. (Politik, 13.06.2026 - 10:42) weiterlesen...

Beamtenbund-Chef wirft Bas und Linnemann Populismus vor Beamtenbund-Chef Volker Geyer wirft Spitzenpolitikern der schwarz-roten Regierung Populismus vor. (Politik, 13.06.2026 - 06:36) weiterlesen...

BDA-Präsident fordert Reformbeschlüsse bis Mitte Juli Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Rainer Dulger, dringt auf weitreichende Reformbeschlüsse innerhalb der nächsten vier Wochen. (Politik, 13.06.2026 - 06:10) weiterlesen...

Wirtschaftsweise Grimm kritisiert Reformpläne der Regierung Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm kritisiert den politischen Kurs der Bundesregierung.Man müsse feststellen, dass das, was derzeit an Reformen angedacht ist, bei Weitem nicht ausreicht, um Deutschland wieder auf einen dynamischen Wachstumspfad zu bringen, sagte sie der "Welt am Sonntag". (Wirtschaft, 13.06.2026 - 05:56) weiterlesen...

IW: Deutschland fehlen bis 2036 rund 4,3 Millionen Arbeitskräfte Die Lücke zwischen ausscheidenden Babyboomern und jungen, neuen Arbeitskräften könnte in den kommenden zehn Jahren deutlich größer werden als bislang angenommen. (Politik, 13.06.2026 - 00:00) weiterlesen...