Kartenzahlung, Bargeld

Kartenzahlung: Mehr als jeder Zweite scheitert beim bargeldlosen Bezahlen

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Mehr als jeder zweite Erwachsene in Deutschland konnte in diesem Jahr mindestens einmal nicht wie geplant mit Karte oder Smartphone bezahlen. Der Finanzminister will Geschäfte und Restaurants deshalb zur zusätzlichen Annahme digitaler Zahlungen verpflichten.

  • Manche Geschäfte und Restaurant akzeptieren nur Bargeld. (Archivbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa
    Manche Geschäfte und Restaurant akzeptieren nur Bargeld. (Archivbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa
  • Viele Menschen nutzen zum Bezahlen an der Ladenkasse ihre Bankkarte oder ihr Smartphone. (Symbolbild) - Bild: Leonie Asendorpf/dpa
    Viele Menschen nutzen zum Bezahlen an der Ladenkasse ihre Bankkarte oder ihr Smartphone. (Symbolbild) - Bild: Leonie Asendorpf/dpa
Manche Geschäfte und Restaurant akzeptieren nur Bargeld. (Archivbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa Viele Menschen nutzen zum Bezahlen an der Ladenkasse ihre Bankkarte oder ihr Smartphone. (Symbolbild) - Bild: Leonie Asendorpf/dpa

Mehr als jeder zweite Erwachsene in Deutschland konnte in diesem Jahr mindestens einmal nicht wie gewünscht bargeldlos bezahlen.

Mehr Fälle als vor fünf Jahren

Das geht aus einer YouGov-Umfrage für den Genoverband hervor. Demnach lag der Anteil im August bei 56 Prozent und damit über dem Wert von 2021, als 45 Prozent von solchen Erfahrungen berichtet hatten.

Unter den Befragten, die entgegen ihrer Planung doch mit Scheinen und Münzen zahlen mussten, erlebten 28 Prozent dies zwei- bis fünfmal im laufenden Jahr. Für die repräsentative Erhebung wurden 1.534 Erwachsene befragt.

Klingbeil plant gesetzliche Pflicht

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) will Geschäfte und Restaurants verpflichten, zusätzlich zum Bargeld auch digitale Zahlungen mit Karte oder Smartphone zu akzeptieren. Eckpunkte für eine solche Regelung werden derzeit abgestimmt.

Das Finanzministerium strebt an, dass ein Gesetzentwurf noch in diesem Jahr vom Kabinett beschlossen wird. Die Umsetzung ist für 2027 vorgesehen. Digitale Zahlungen könnten aus Sicht des Staates Steuerhinterziehung und Geldwäsche erschweren, weil die Vorgänge dokumentiert werden.

Volksbankvorstände unterstützen den Vorstoß

Unter den Vorständen der Volksbanken im Verbandsgebiet des Genoverbandes findet die geplante Akzeptanzpflicht mehrheitlich Zustimmung. Das Verbandsgebiet umfasst alle Bundesländer außer Bayern und Baden-Württemberg.

Von 196 befragten Vorständen befürworteten 77 Prozent eine Pflicht zur Annahme von Karten- und digitalen Zahlungen. Zugleich sprachen sich 49 Prozent dafür aus, dass Bargeld bis zu einer bestimmten Höchstgrenze verpflichtend angenommen werden muss.

Bargeld bleibt für viele wichtig

Der Vorstandsvorsitzende des Genoverbands, Michael Hoeck, verwies auf die wachsende Bedeutung von Smartphone und Karte für Bankgeschäfte und Zahlungsverkehr. Zugleich bleibe den Menschen die Möglichkeit zur Barzahlung wichtig, erklärte er. Ziel der Volks- und Raiffeisenbanken sei Wahlfreiheit für die Kundinnen und Kunden.

Vier von zehn Befragten erwarten, dass ihre persönliche Bargeldnutzung in den kommenden Jahren abnimmt: 20 Prozent rechnen mit einem deutlichen Rückgang, 21 Prozent mit einem gewissen Rückgang. Häufiger mit Bargeld zahlen wollen demnach sechs Prozent.

49 Prozent würden nach eigenen Angaben gerne häufiger mit Karte oder Smartphone bezahlen. Als Gründe nannten sie mehr Akzeptanzstellen, die Möglichkeit, an der Ladenkasse Bargeld abzuheben, oder einen besseren Überblick darüber, wo bargeldloses Bezahlen möglich ist.

Digitales Bezahlen wird zum politischen Thema

Die Umfrage zeigt, dass die technische Möglichkeit zum bargeldlosen Bezahlen für viele Verbraucher längst Teil des Alltags ist. Wenn Geschäfte oder Restaurants ausschließlich Bargeld akzeptieren, entsteht eine Lücke zwischen dem bevorzugten Zahlungsmittel der Kunden und dem Angebot vor Ort. Besonders relevant ist das für Menschen, die ihre Ausgaben digital dokumentieren oder mit dem Smartphone bezahlen.

Eine gesetzliche Pflicht würde diese Lücke schließen, zugleich aber in die unternehmerische Freiheit eingreifen. Für Händler könnten zusätzliche Kosten für Terminals, Zahlungsdienstleister und technische Infrastruktur entstehen. Kleine Betriebe und mobile Verkaufsstellen wären davon voraussichtlich stärker betroffen als große Handelsunternehmen. Die konkrete Ausgestaltung müsste daher klären, welche Zahlungsarten anerkannt werden und ob Ausnahmen möglich sind.

Bargeld bleibt Bestandteil der Wahlfreiheit

Der Vorstoß zielt nicht auf eine Abschaffung des Bargelds. Nach den dpa-Angaben befürwortet fast die Hälfte der befragten Volksbankvorstände sogar eine verpflichtende Annahme von Bargeld bis zu einer bestimmten Höchstgrenze. Damit steht weniger die Verdrängung eines Zahlungsmittels im Mittelpunkt als eine Ausweitung der Auswahl an der Kasse.

Für den Staat verspricht digitales Bezahlen eine bessere Nachvollziehbarkeit von Umsätzen und kann dadurch Steuerhinterziehung und Geldwäsche erschweren. Für Verbraucher bleibt entscheidend, dass Kartenzahlungen zuverlässig funktionieren, Datenschutz gewährleistet ist und auch bei technischen Störungen eine praktikable Alternative besteht. Der geplante Kabinettsbeschluss noch in diesem Jahr wäre deshalb zunächst ein politischer Zwischenschritt; maßgeblich wären anschließend Gesetzestext, Übergangsfristen und konkrete Ausnahmen.

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