Massenabbau, Kündigungen

Massenabbau ohne Kündigungen: BMW bietet bis zu 247.000 Euro Abfindung

Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mehrere deutsche Großkonzerne planen tausende Stellenstreichungen. Statt Kündigungen setzen sie auf freiwillige Abfindungsprogramme mit sechsstelligen Summen.

BMW, Lufthansa, BASF & Porsche: Massiver Stellenabbau mit hohen Abfindungen
Modernes, minimalistisches Büro mit verschwommenem Hintergrund einer Automobilfabrik als Symbol für industrielle Restrukturierung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

BMW, Lufthansa, BASF und Porsche bauen massiv Stellen ab – aber ohne betriebsbedingte Kündigungen. Stattdessen locken die Unternehmen mit Abfindungen im sechsstelligen Bereich.

BMW startet größtes Freiwilligenprogramm der Firmengeschichte

Der Autobauer BMW will weltweit rund 8.000 Arbeitsplätze streichen – etwa fünf Prozent der Belegschaft. Allein in Deutschland sind mehr als 4.000 Stellen betroffen. Um Kündigungen zu vermeiden, bereitet der Konzern ein freiwilliges Abfindungsprogramm vor.

Das Angebot richtet sich an 40.000 bis 50.000 Beschäftigte in indirekten Bereichen. Start ist im Oktober 2026, die Laufzeit endet 2027. Besonders die Verwaltung, der Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung sind betroffen. Die Produktion bleibt weitgehend verschont.

Am Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) in München rechnet der Konzern mit hoher Beteiligung. Dort arbeiten rund 25.000 Mitarbeiter. Grund für den Stellenabbau sind rückläufige Verkaufszahlen und ein deutlicher Gewinnrückgang – vor allem wegen der Absatzkrise in China. Dort brachen die Verkäufe um 20 bis 30 Prozent ein.

Vorstandschef Milan Nedeljkovic kritisierte die politischen Rahmenbedingungen scharf. „Die Spielregeln der Industrie verändern sich substanziell“, sagte er. Heute will der Konzern seine detaillierten Halbjahreszahlen vorlegen.

BASF fällt unter historische Marke

Auch in der Chemieindustrie läuft der Personalabbau auf Hochtouren. BASF hat seit Anfang 2024 weltweit bereits 7.000 Stellen gestrichen. Am Stammsitz in Ludwigshafen sank die Zahl der Vollzeitstellen erstmals seit 1954 unter die Marke von 30.000.

Das Ziel: Die Kosten bis zum Jahresende um 2,3 Milliarden Euro senken. Dafür hat der Konzern einmalige Aufwendungen von 1,9 Milliarden Euro eingeplant.

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Lufthansa lockt mit Aufhebungsverträgen

Die Lufthansa hat ihr Freiwilligenprogramm „New Ways“ gestartet. Bis zu 550 Vollzeitstellen bei der Kernmarke Lufthansa Airlines und in Zentralbereichen sollen wegfallen. Das Konzept: Führungskräfte gehen gezielt auf Mitarbeiter zu und bieten Aufhebungsverträge mit Abfindungen oder bezahlte Freistellungen an.

Porsche plant Abbau bis 2035

Der Sportwagenhersteller Porsche verfolgt langfristige Pläne. Bis 2035 sollen rund 5.000 Stellen an den Standorten Stuttgart-Zuffenhausen und Weissach verschwinden. Trotz einer Standortsicherung bis Mitte des nächsten Jahrzehnts reagiert das Unternehmen auf den Nachfragerückgang bei Elektromodellen und schwierige Märkte in China und den USA.

So viel Geld gibt es wirklich

Die Höhe der Abfindungen hängt von Gehalt und Betriebszugehörigkeit ab. Bei BMW zeigt eine Modellrechnung: Bei einem Faktor von 1,0 (ein Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr) können langjährige Mitarbeiter in Führungspositionen oder spezialisierte Ingenieure zwischen 100.000 und über 247.000 Euro erhalten.

Ähnlich läuft es bei der Übernahme der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) durch die Salzgitter AG. Dort soll die Belegschaft bis Ende 2028 von 3.000 auf 1.000 Mitarbeiter schrumpfen. Der Sozialplan sieht einen Grundfaktor von 1,05 vor – wer auf Kündigungsschutzklagen verzichtet, bekommt sogar 1,2. Zusätzlich stockt eine Transfergesellschaft das Nettoentgelt auf 85 Prozent auf.

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Steuerfalle für Abfindungs-Millionäre

Juristen warnen: Abfindungen sind zwar sozialversicherungsfrei, aber steuerpflichtig. Seit Anfang 2025 gilt eine wichtige Änderung: Die sogenannte Fünftelregelung wird nicht mehr automatisch vom Arbeitgeber angewendet. Betroffene müssen die ermäßigte Besteuerung jetzt selbst in ihrer Einkommensteuererklärung geltend machen.

Für Top-Manager können mehrstufige Übergangsvergütungen und Wettbewerbsentschädigungen finanziell attraktiver sein als Einmalzahlungen. Der Grund: Sie sichern auch langfristige Pensionsansprüche.

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