Massenabbau, Stellen

Massenabbau in der Industrie: 5.000+ Stellen fallen weg

05.06.2026 - 02:39:42 | boerse-global.de

Mehrere deutsche Industrieunternehmen und Forschungseinrichtungen kündigen umfassende Sparprogramme und Personalreduzierungen an.

Stellenabbau bei Fraunhofer, Evonik, Thyssenkrupp und Siempelkamp
Massenabbau - Eine einzelne Person steht nachdenklich in einem modernen Büro und blickt aus dem Fenster, im Hintergrund verschwommene Kollegen. 05.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Strukturelle Defizite, veränderte Marktbedingungen und politische Rahmenbedingungen treiben die Unternehmen zu drastischen Sparmaßnahmen.

Fraunhofer streicht 1.200 Stellen

Die Fraunhofer-Gesellschaft kürzt rund 1.200 Vollzeitstellen. Grund ist ein strukturelles Defizit von zwei Prozent, das auf einen Rückgang der Drittmittelaufträge im Jahr 2025 zurückgeht. Das Budget für 2026 liegt bei 3,2 Milliarden Euro, die Belegschaft bei rund 30.900 Angestellten.

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Präsident Holger Hanselka hat das Programm „Transform FhG“ gestartet. Es umfasst drei Teilprojekte. Für die Umgestaltung der Zentralverwaltung holte sich die Gesellschaft die Unternehmensberatung Roland Berger ins Boot. Der Personalabbau soll sozialverträglich erfolgen – man setzt auf die natürliche Fluktuation von acht Prozent pro Jahr. Die Neuausrichtung dürfte auch die Jahrestagung am 10. Juni in Leipzig dominieren.

Chemieindustrie unter Druck

Der Essener Konzern Evonik konkretisiert seinen Stellenabbau im Rahmen des Programms „Tailor Made“. Bis Ende 2026 sollen rund 1.850 Stellen wegfallen, davon 1.000 im laufenden Jahr. Bereits 2025 strich das Unternehmen 850 Stellen. Für Abfindungen stellt Evonik rund 100 Millionen Euro bereit.

Vorstandschef Christian Kullmann will bürokratische Strukturen abbauen – besonders Führungspositionen sind betroffen. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2032 ausgeschlossen. Parallel stocken die Tarifverhandlungen in der Chemiebranche. Die siebte Runde für rund 50.000 Beschäftigte blieb ergebnislos. In der kommenden Woche drohen erste befristete Streiks.

Im Pharmasektor bremsen geplante Gesetzesänderungen zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung Investitionen aus. Boehringer Ingelheim setzt Investitionen von 900 Millionen Euro für den Zeitraum 2027 bis 2030 in Deutschland vorerst aus. Der US-Konzern Lilly reduziert sein Engagement am Standort Alzey um die Hälfte – ein Teil der ursprünglich 1.000 geplanten neuen Jobs dürfte entfallen.

Maschinenbau in der Krise

Der Maschinenbauer Siempelkamp reagiert auf den Druck aus China und die Flaute am Weltmarkt. Am Standort Zweibrücken streicht die Tochtergesellschaft Pallmann 129 von 282 Stellen. Das Unternehmen gibt die Eigenfertigung auf und konzentriert sich künftig auf Endmontage, Service und Ersatzteilfertigung. Die Belegschaft arbeitet seit Monaten in Kurzarbeit. Arbeitnehmervertreter und die IG Metall prüfen Alternativpläne.

Ähnlich sieht es bei der WMF-Mutter Groupe SEB aus. Der Konzern stellt die Produktion in drei deutschen Werken ein – darunter das Silit-Werk in Riedlingen sowie Standorte in Hayingen und Diez. Rund 250 Mitarbeiter sind direkt betroffen. Insgesamt fallen in der DACH-Region 600 von 4.400 Stellen weg.

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Bei Thyssenkrupp Steel in Dortmund bleibt ein Forschungsteam von 50 Mitarbeitern erhalten. Die Zukunft von weiteren 100 Forschern ist ungewiss – ihre Bereiche sollen nach Duisburg verlegt werden. Zudem lagert das Unternehmen Dienstleistungen wie Werksschutz und Logistik an externe Anbieter aus.

Positives Signal aus der Büromöbelbranche

Das Unternehmen König + Neurath hat sein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung abgeschlossen und kehrt in den regulären Geschäftsbetrieb zurück. Im Zuge der Sanierung schrumpfte die Belegschaft von 830 auf 700 Mitarbeiter. Die verbliebenen Angestellten verzichten auf Sonderzahlungen und verschieben Tariferhöhungen. Seit Anfang April führt Patrick Heinen den Vorstand des Unternehmens an.

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