Maschinensicherheit, EU-Verordnung

Maschinensicherheit: Neue EU-Verordnung gilt ab 19. Januar 2027

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 20:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kontaktleisten stoppen gefährliche Bewegungen; Normen, Kennzeichnungen und Wartungsregeln ergänzen den Schutz an Industrieanlagen.
Industrielle Fertigungsanlage mit einem massiven Roboterarm in einer modernen Werkshalle. Illustration mit AI erstellt.

An industriellen Maschinen stellen Quetsch- und Scherstellen erhebliche Gefahrenquellen für das Bedienpersonal dar. Zur Vermeidung schwerer Arbeitsunfälle kommt der berührenden Schutzkontaktsensorik eine zentrale Rolle zu.

Wie aus einem aktuellen Fachbeitrag zur Maschinensicherheit vom 27. Oktober 2026 hervorgeht, basieren Schaltleisten an solchen Gefahrenpunkten auf dem bewährten Öffnerprinzip. Dabei fließt im Normalbetrieb ein Ruhestrom durch einen geschlossenen Kontaktkreis.

Sobald es zu einer Berührung kommt, öffnet sich der Kontakt, was die Maschinensteuerung veranlasst, die gefahrbringende Bewegung unverzüglich zu stoppen.

Technische Bauarten und Integration in die Steuerung

Die technische Umsetzung von Schaltleisten variiert je nach Ausführung. Schaltleisten mit integriertem Abschlusswiderstand erfordern den Einsatz eines separaten Auswertegeräts zur Überwachung. Im Gegensatz dazu lassen sich Schaltleisten mit reinem Öffnerkontakt direkt an einen bereits vorhandenen Not-Halt-Baustein anschließen.

Neben linearen Gefahrenstellen an Maschinenkomponenten müssen häufig auch größere Umgebungsbereiche geschützt werden. Hierfür kommen Schaltmatten zum Einsatz, die Bodenflächen vor Anlagen absichern. Typische Anwendungsbereiche dieser Flächenabsicherungen sind Bearbeitungszentren, Pressen, Industrieroboter sowie Gassen in Lagereinrichtungen.

Normative Grundlagen und europäischer Rechtsrahmen

Für die sicherheitstechnische Einstufung der Kontaktsensorik ist die Norm DIN EN ISO 13849-1 maßgeblich. Die Bewertung erfolgt hierbei über definierte Kategorien sowie das Erreichen des erforderlichen Sicherheitsintegritätslevels in Form des sogenannten Performance Levels.

Hinsichtlich der rechtlichen Vorgaben befindet sich der europäische Binnenmarkt in einer Übergangsphase. Bis zum 19. Januar 2027 gilt weiterhin die europäische Maschinenrichtlinie 2006/42/EG.

Nach diesem Stichtag greift verbindlich die Verordnung (EU) 2023/1230. Auf betrieblicher Ebene müssen Arbeitgeber Gefährdungsbeurteilungen für Arbeitsmittel auf Basis der Betriebssicherheitsverordnung durchführen und gemäß den Vorgaben der Paragrafen 5 und 6 des Arbeitsschutzgesetzes dokumentieren.

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Muster können dabei Hilfestellung leisten, müssen jedoch an die jeweiligen betrieblichen Verhältnisse angepasst werden. Hersteller berücksichtigen bei der Konstruktion zudem Regelwerke wie die Niederspannungsrichtlinie 2006/95/EG, die Druckgeräterichtlinie 97/23/EG und die Richtlinie über elektromagnetische Verträglichkeit 2004/108/EG.

Warnhinweise und betriebliche Verhaltensregeln

Ergänzend zu trennenden und nichttrennenden Schutzeinrichtungen spielen optische Kennzeichnungen eine wichtige Rolle. Vorgaben der US-Arbeitsschutzbehörde OSHA definieren eine feste Signalworthierarchie:
- Gefahr kennzeichnet unmittelbar gefährliche Situationen, die zum Tod oder zu schweren Verletzungen führen.
- Warnung weist auf potenziell gefährliche Situationen hin, die ebenfalls tödliche oder schwere Folgen haben können.
- Vorsicht markiert potenzielle Gefährdungen mit dem Risiko leichter oder mittelschwerer Verletzungen.
- Hinweis betrifft Praktiken zum Schutz vor Sach- und Geräteschäden ohne Personenschaden.

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Die korrekte Einstufung von Gefahren ist nur der erste Schritt zum sicheren Betrieb – die gesetzliche Dokumentationspflicht verlangt eine lückenlose Gefährdungsbeurteilung. Nutzen Sie praxiserprobte Checklisten und Vorlagen, um behördenkonforme Dokumente schnell und rechtssicher zu erstellen. Kostenlose Vorlagen und Checklisten zur Gefährdungsbeurteilung sichern

Bediener sind angehalten, diese Kennzeichnungen vor Arbeitsbeginn zu überprüfen, Beschädigungen unverzüglich zu melden und die Arbeit bei Unklarheiten einzustellen. Zur weiteren Kennzeichnung verlangen Vorgaben die Erfassung von Gefahrenbereichen in einem Risikoregister sowie die visuelle Abgrenzung durch Markierungen, Sicherheitszeichen und Signalabsperrungen.

Besondere Sicherheitsanforderungen bei Wartung und Handhabung

Anlagen wie Mischmaschinen erfordern vor Reinigungs- und Wartungsarbeiten das Herstellen eines vollständig energielosen Zustands. Vorgeschrieben sind Verfahren zur Trennung des Hauptschalters und des Leistungsschalters des Wartungsmotors inklusive physischer Verriegelung und Warnschildern.

Zusätzlich sind Not-Aus-Taster zu betätigen, der Bedienerschlüssel ist durch das Wartungspersonal oder Vorgesetzte zu verwahren, und angeschlossene Förderbänder müssen beidseitig stillgesetzt werden. Während der Wartungsarbeiten ist eine dedizierte Aufsichtsperson vorgeschrieben, und Wartungstüren müssen vollständig geöffnet bleiben.

Auch bei anderen Bearbeitungsformen sind spezifische Risiken zu beachten: Bei Hand-Laser-Maschinen, die offene Laser-Einrichtungen und handgeführte Laserschweißgeräte umfassen, werden Gefahren für Augen und Haut in der Praxis häufig unterschätzt.

Hinsichtlich der Schutzkleidung empfiehlt die Berufsgenossenschaft Holz und Metall, stets zuerst technische und organisatorische Schutzmaßnahmen auszuschöpfen. Bei Tätigkeiten wie dem Bohren ist eng anliegende Kleidung erforderlich, während Handschuhe wegen der Einzugsgefahr durch rotierende Maschinenteile untersagt sind.

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