Maschinenimporte aus Drittstaaten: 80 Prozent der EU-Ansprechpartner existieren nicht
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 03:04 Uhr | Redaktion boerse-global.deMangelhafte Sicherheitsstandards und unzureichende Kennzeichnungen bei Maschinenimporten aus Drittstaaten rücken verstärkt in den Fokus von Behörden und Wirtschaftsverbänden.
Regierungspräsidentin Isabel Kling vom Regierungspräsidium Tübingen warnte laut einem Bericht vom 22. Oktober 2026 vor illegalen Maschinenimporten aus dem Nicht-EU-Onlinehandel, da diese die baden-württembergische Industrie gefährden.
Zu dieser Problematik fand ein Austausch mit der Europaabgeordneten Prof. Dr. Andrea Wechsler sowie Thomas Kraus vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) statt.
Sicherheitsdefizite bei Maschinen und fehlende Ansprechpartner
Die behördlichen Kontrollen decken erhebliche Sicherheitsmängel bei eingeführten Geräten auf. Nach Angaben des Regierungspräsidiums Tübingen wurden im Rahmen der Überprüfungen insbesondere Minibagger wegen unzulässiger Lärmbelastung beanstandet. Zudem fielen Laserschneidanlagen auf, bei denen vorgeschriebenes Sicherheitsglas fehlte.
Neben technischen Mängeln erweist sich die rechtliche Rückverfolgbarkeit als gravierendes Problem. Bei Überprüfungen der Marktüberwachung stellte sich heraus, dass 80 Prozent der in den Onlineangeboten angegebenen EU-Verantwortlichen gar nicht existierten. Damit fehlt bei vielen Produkten der gesetzlich vorgeschriebene Ansprechpartner innerhalb des europäischen Binnenmarkts, der im Falle von Sicherheitsbedenken oder Haftungsfragen herangezogen werden kann.
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Kapazitäten und Kontrollergebnisse der Marktüberwachung
Der Vollzug der Sicherheitsvorschriften stellt die Kontrollinstanzen vor erhebliche Herausforderungen. Bei der Marktüberwachung Baden-Württemberg prüfen rund 120 Mitarbeiter an acht Standorten etwa 12.000 Produkte pro Jahr.
Die ermittelte Mängelquote liegt bei den Kontrollen bei rund 40 Prozent. Dies verdeutlicht, dass ein relevanter Teil der im Handel befindlichen oder dorthin gelieferten Waren die europäischen Konformitätsanforderungen verfehlt.
Zunehmende Paketflut und Reaktionen im E-Commerce
Verschärft wird die Situation durch das stark wachsende Volumen an Direktimporten über den Onlinehandel. Angaben der EU-Kommission zufolge wurden im Jahr 2025 rund 5,8 Milliarden Warensendungen mit einem Wert von unter 150 Euro aus Nicht-EU-Staaten in die Europäische Union verschickt. Dies entsprach einem Anstieg von 26 Prozent gegenüber dem Jahr 2024, in dem 4,6 Milliarden solcher Sendungen verzeichnet worden waren. Schätzungen zufolge sind bis zu zwei Drittel dieser Sendungen falsch gekennzeichnet.
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Auch die bundesweiten Zahlen spiegeln den hohen Einfuhrdruck wider. Nach Angaben des Handelsverbands Deutschland versenden die Plattformen Temu und Shein täglich rund 400.000 Pakete nach Deutschland. Auf Seiten der Online-Plattformen wurden im Jahr 2025 zwar mehr als eine Million Angebote gelöscht, um unzulässige Waren aus dem Verkehr zu ziehen.
Die Marktüberwachungsbehörden und Industrievertreter sehen in den unkontrollierten Einfuhren jedoch weiterhin eine anhaltende Belastung für die Produktsicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit der lokalen Betriebe.
