Maschinenbau erwartet mehr Umsatz und baut weiter Jobs ab
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 10:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Branchenbranchen mit unterschiedlicher Entwicklung
- 34 Prozent der Firmen bewerteten ihre aktuelle Lage im dritten Quartal als gut oder sehr gut.
- Die Umfrage erfasste Anfang Oktober knapp 800 Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus.
- Seit 2019 sind laut VDMA rund 100.000 Stellen am Standort Deutschland weggefallen.
Im deutschen Maschinen- und Anlagenbau hat sich die Stimmung im dritten Quartal deutlich verbessert, zugleich rechnet der Branchenverband VDMA mit weiterem Stellenabbau.
Mehr Unternehmen bewerten Lage positiv
Rund 34 Prozent der befragten Firmen stuften ihre aktuelle Lage als „gut“ oder „sehr gut“ ein. Im Juli waren es 28 Prozent gewesen. Etwa 22 Prozent bezeichneten ihre Situation als „schlecht“ oder „sehr schlecht“.
Auch der Blick nach vorn wurde optimistischer: 33 Prozent der Unternehmen erwarten in den kommenden sechs Monaten eine Verbesserung, nachdem dieser Anteil im Juli bei 25 Prozent gelegen hatte. Nur zehn Prozent rechnen mit einer Verschlechterung.
Rüstung und KI geben Impulse
Rückenwind kommt nach Einschätzung des VDMA vor allem aus der Rüstungsindustrie, der Luft- und Raumfahrt sowie der Medizintechnik. Auch die Elektro- und Elektronikindustrie profitiert demnach von hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz.
Schwieriger bleibt die Lage in der Chemiebranche. Zudem belastet die Krise der Autoindustrie Bereiche des Maschinenbaus wie Robotik und Automation.
Umsatzerwartungen steigen
VDMA-Chefvolkswirt Johannes Gernandt sprach von „vorsichtigem Optimismus“. Geopolitische Krisen, die Konkurrenz aus China und hohe Kosten in Deutschland erschwerten das Geschäft jedoch weiterhin.
Für das laufende Jahr erwarten 57 Prozent der Unternehmen einen nominalen Umsatzanstieg. Für das kommende Jahr liegt dieser Anteil bei 62 Prozent.
Viele Firmen planen weniger Personal
Trotz der besseren Erwartungen dürfte der Personalabbau weitergehen. 52 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer stabilen Stammbelegschaft, mehr als 30 Prozent sehen sich zu Stellenstreichungen gezwungen.
Nur 18 Prozent planen zusätzliche Einstellungen. Gernandt erklärte, die Schocks der vergangenen Jahre und der Wandel der Industrie hätten Spuren hinterlassen. Seit 2019 seien im Maschinen- und Anlagenbau rund 100.000 Stellen in Deutschland weggefallen.
Optimismus bleibt auf wenige Bereiche begrenzt
Die VDMA-Zahlen zeigen eine gespaltene Entwicklung: Mehr Unternehmen bewerten ihre Lage positiv, doch die Erholung erreicht nicht alle Abnehmerbranchen. Rüstung, Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik sowie Investitionen in KI-Technik sorgen für Nachfrage. Chemie, Robotik und Automation bleiben dagegen durch schwache Kundenindustrien belastet.
Für die deutsche Industrie ist der Maschinenbau besonders relevant, weil seine Aufträge eng mit Investitionen anderer Unternehmen verbunden sind. Steigende Umsatzerwartungen bedeuten daher nicht automatisch eine schnelle Entspannung am Arbeitsmarkt. Unternehmen können zunächst vorhandene Kapazitäten besser auslasten, ohne neue Beschäftigte einzustellen.
Beschäftigung reagiert zeitverzögert
Der erwartete weitere Stellenabbau steht für diesen Anpassungsprozess. Unsichere Nachfrage, internationale Konkurrenz und hohe Kosten erhöhen den Druck, Abläufe zu automatisieren, Standorte zu überprüfen und Personal vorsichtiger zu planen. Für Beschäftigte kann sich die verbesserte Geschäftsstimmung deshalb zunächst vor allem in einer Stabilisierung statt in Neueinstellungen zeigen.
Die Entwicklung der Autoindustrie bleibt ein entscheidender Faktor. Ihre Schwäche trifft nicht nur Fahrzeughersteller, sondern auch Zulieferer und Maschinenbauer, die Produktionsanlagen, Roboter oder Automatisierungslösungen liefern. Gleichzeitig können öffentliche und private Investitionen in Verteidigung und KI neue Märkte eröffnen.
Umsatzanstieg ersetzt keine Trendwende
Die Branche steht damit vor einem strukturellen Umbau. Selbst wenn mehr Firmen steigende Umsätze erwarten, dürfte die Zahl der Arbeitsplätze von Produktivität, Standortentscheidungen und der Entwicklung einzelner Kundenmärkte abhängen. Die VDMA-Umfrage macht sichtbar, dass sich Konjunkturhoffnung und Beschäftigungsabbau nicht ausschließen.
