Mahle-Streik: Sozialtarifvertrag mit bis zu 250.000 Euro Abfindung
04.06.2026 - 20:54:42 | boerse-global.de
Der Luxusgüterkonzern Kering und italienische Gewerkschaften haben sich am Donnerstag auf einen Sozialplan für die Modehaus-Tochter Alexander McQueen geeinigt. Die Einigung betrifft den geplanten Stellenabbau an italienischen Standorten – ein weiteres Zeichen für die Krise im globalen Luxusmarkt.
Die Aktie des französischen Konzerns reagierte positiv auf die Nachricht: Kering-Papiere legten im Nachmittagshandel um 2,87 Prozent auf 251,05 Euro zu.
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Führungswechsel als Teil der Neuausrichtung
Die Einigung fällt mit einem personellen Neuanfang zusammen: Erst am Mittwoch hatte Kering Gianfranco D'Attis zum neuen CEO von Alexander McQueen ernannt. Der erfahrene Manager, der zuvor Prada führte und auf über 25 Jahre Branchenerfahrung zurückblickt, wird künftig von London aus operieren.
D'Attis berichtet direkt an Kering-Vize-CEO Luca de Meo. Seine Aufgabe: die strategische Neuausrichtung der Traditionsmarke. Der Zeitpunkt ist denkbar schwierig. Die gesamte Branche kämpft mit Gegenwind. Branchenprimus LVMH meldete für das Geschäftsjahr 2025 einen Umsatzrückgang von fünf Prozent, die Gewinne fielen um neun Prozent auf umgerechnet rund 19 Milliarden Euro. Im ersten Quartal 2026 setzte sich der Abwärtstrend mit einem weiteren Minus von sechs Prozent fort. Schätzungen zufolge hat der Luxusmarkt seit 2022 zwischen 55 und 65 Millionen aktive Kunden verloren.
Deutschland: Tarifkonflikte und Werksschließungen
Während Kering in Italien Fakten schuf, brodelte es auch in mehreren deutschen Branchen.
Mahle in Neustadt an der Donau: Die IG Metall-Mitglieder stimmten am Dienstag einem Sozialtarifvertrag zu – nach einem acht-tägigen Streik. Das Werk soll im ersten Quartal 2027 schließen. Die Vereinbarung sieht Abfindungen von bis zu 250.000 Euro sowie einen Mitgliederbonus von insgesamt 3,25 Millionen Euro vor. Die Mahle-Geschäftsführung kritisierte den Streik als unverhältnismäßig und potenziell schädlich für den Industriestandort Deutschland.
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Siempelkamp in Zweibrücken: Das Unternehmen kündigte an, 129 von 282 Stellen am Standort Size Reduction Solutions zu streichen. Begründung: die anhaltende globale Marktflaute. Die IG Metall kündigte Widerstand an und will einen Alternativplan für den Standort vorlegen.
Verdi ruft zu flächendeckenden Warnstreiks auf
Der Einzel- und Großhandel steht vor massiven Einschränkungen: Die Gewerkschaft ver.di hat für Donnerstag und Freitag zu bundesweiten Warnstreiks aufgerufen. Große Kundgebungen sind in Berlin, Bochum, Erfurt, Kiel und Saarbrücken geplant.
Die Gewerkschaft fordert sieben Prozent mehr Lohn. Die Arbeitgeber bieten in Regionen wie Hamburg und Nordrhein-Westfalen lediglich zwei Prozent ab November, gefolgt von weiteren 1,5 Prozent im August 2027. Bereits Ende Mai hatte es in der Region Mannheim/Heidelberg Warnstreiks bei H&M, IKEA und Kaufland gegeben.
Positives Signal: Erster Tarifvertrag für Rettungsdienst
Ein Lichtblick kommt aus dem Rettungsdienst: Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft (DFeuG) hat am Mittwoch auf der Messe Interschutz in Hannover ihren ersten Haustarifvertrag mit der ASB Hamburg unterzeichnet. Der Vertrag sieht eine 39,5-Stunden-Woche, 30 Tage Urlaub sowie deutliche Zuschläge für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit vor.
Europäische Nachbarschaft: Österreich und Spanien
Auch in anderen europäischen Ländern bewegt sich der Arbeitsmarkt:
Österreich: Die Wirtschaftskammer (WKO) will bis Ende 2027 rund 200 ihrer 800 Bundesstellen streichen. Durch Digitalisierung und den Einsatz Künstlicher Intelligenz sollen 35 Millionen Euro eingespart werden. Parallel dazu bleiben die Verhandlungen für 50.000 Beschäftigte der Chemieindustrie festgefahren – die siebte Runde endete am Dienstag ohne Ergebnis.
Spanien: Ein Meilenstein gelang am Dienstag mit dem ersten branchenweiten Tarifvertrag für große Textilhändler wie Inditex, Mango, Primark und H&M. Die Vereinbarung deckt über 120.000 Beschäftigte ab und sieht für 2027 und 2028 jeweils drei Prozent mehr Lohn sowie eine maximale Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden vor.
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