Mahle-Streik, Rekordabfindungen

Mahle-Streik: Rekordabfindungen bis 250.000 Euro nach acht Tagen

04.06.2026 - 14:18:24 | boerse-global.de

Deutsche Unternehmen wie Ikea und Mahle legen Sozialpläne vor. Verdi kritisiert Einigung als unzureichend, während IG Metall hohe Abfindungen aushandelt.

Mahle-Streik: Rekordabfindungen bis 250.000 Euro nach acht Tagen - Bild: über boerse-global.de
Mahle-Streik: Rekordabfindungen bis 250.000 Euro nach acht Tagen - Bild: über boerse-global.de

Von Einzelhandelsriesen bis zu Autozulieferern – Unternehmen verhandeln über Abfindungen und Werksschließungen, während Gewerkschaften gegen die Bedingungen protestieren.

Ikea legt Sozialplan für Rostocker Standort vor

Am 4. Juni 2026 wurden die Details zum Sozialplan für das Ikea-Kundenservicecenter in Rostock bekannt. Das Center soll Ende September 2026 schließen. Für die 280 betroffenen Mitarbeiter sieht die Vereinbarung einen Abfindungsfaktor von 0,75 Bruttomonatsgehältern pro Beschäftigungsjahr vor – wer auf eine Klage verzichtet, erhält sogar 0,85. Zusätzliche Zuschläge sind für Schwerbehinderte, Eltern und Beschäftigte in Weiterbildung vorgesehen.

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Die Gewerkschaft Verdi kritisiert die Einigung als „Sozialplan light" – angesichts der finanziellen Möglichkeiten des Mutterkonzerns ein unzureichendes Angebot. Während das Servicecenter schließt, bleibt das Möbelhaus am gleichen Standort geöffnet. Die Umstrukturierung betrifft aber auch Dortmund-Ellinghausen: Dort streicht Ikea 233 Stellen. Die IT-Sparte Deutschland wird bis Ende Oktober 2026 komplett geschlossen, die Einkaufsabteilung bis Jahresende massiv verkleinert. Aufgaben wandern nach Warschau. Die Maßnahmen sind Teil eines globalen Stellenabbaus von 850 Positionen, den Inter IKEA Group im Frühjahr ankündigte.

Mahle: Rekordabfindungen nach acht Tagen Streik

Ganz anders sieht es beim Automobilzulieferer Mahle aus. Nach einem achtägigen Streik einigten sich IG Metall und Unternehmen auf beachtliche finanzielle Regelungen. Die Mitglieder der Gewerkschaft stimmten am Standort Neustadt an der Donau einem Sozialtarifvertrag zu – das Werk soll im ersten Quartal 2027 schließen.

Die Vereinbarung sieht Abfindungen von bis zu 250.000 Euro vor sowie eine Mitgliederprämie von insgesamt 3,25 Millionen Euro. Ein Härtefallfonds, die Einrichtung einer Transfergesellschaft und eine Aufstockung des Transferkurzarbeitergeldes auf 80 Prozent des Nettoentgelts sind ebenfalls Teil des Pakets. Mitarbeiter ab 60 Jahren erhalten zudem Zugang zur Altersteilzeit. Trotz der Einigung kritisierte die Mahle-Geschäftsführung den Streik – den ersten in der 100-jährigen Firmengeschichte – als kontraproduktiv für die künftige Wettbewerbsfähigkeit.

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Industrieller Stellenabbau in mehreren Branchen

Auch andere Großunternehmen haben in den vergangenen Tagen Stellenstreichungen und Werksschließungen angekündigt:

Groupe SEB (WMF): Der Mutterkonzern von WMF beendet die Produktion an drei deutschen Standorten. Betroffen sind das Silit-Werk in Riedlingen sowie Fabriken in Hayingen und Diez. Rund 250 Beschäftigte sind direkt betroffen. Das Unternehmen sucht nach Investoren oder Alternativen zur Wiederansiedlung. Im gesamten DACH-Raum stehen etwa 600 der 4.400 Stellen auf dem Prüfstand.

Siempelkamp (Pallmann): In Zweibrücken streicht das Unternehmen 129 von 282 Jobs – fast die Hälfte der Belegschaft. Der Betrieb will sich vom Neumaschinenbau auf Montage und Ersatzteilproduktion konzentrieren. Als Gründe nennt das Unternehmen die Konkurrenz aus China und den Verlust des russischen Marktes.

Atlas GmbH: Nach der Insolvenzanmeldung am 1. Juni 2026 werden die Atlas-Werke in Ganderkesee, Delmenhorst und Vechta vom kanadischen Hersteller Buhler Versatile übernommen. Die notarielle Beurkundung ist für den 8. Juni 2026 geplant. Die Übernahme sichert die Standorte, doch die Gewerkschaft warnt: Bis zu 200 Entlassungen sind im Zuge des Übergangs wahrscheinlich.

Evonik: Der Chemiekonzern stellt rund 100 Millionen Euro für Abfindungen bereit. Der Stellenabbau betrifft vor allem Führungspositionen und ist Teil eines Bürokratieabbauprogramms.

Warnstreiks legen Einzel- und Großhandel lahm

Die Spannungen um Arbeitsplatzsicherheit und Entlohnung weiten sich auf die laufenden Tarifverhandlungen aus. Verdi hat für den 4. und 5. Juni 2026 zu bundesweiten Warnstreiks im Einzel- und Großhandel aufgerufen. Proteste und Kundgebungen sind in Großstädten wie Berlin, Bochum, Erfurt und Saarbrücken geplant.

Die Gewerkschaft fordert 7 Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 225 Euro monatlich. In Berlin und Brandenburg, wo die Verhandlungen für 220.000 Beschäftigte am 1. Juni ohne Ergebnis begannen, drängt Verdi auf einen Zwölf-Monats-Vertrag. Die Arbeitgeber bieten dagegen eine Laufzeit von 24 Monaten an: zunächst 2 Prozent, später weitere 1,5 Prozent. Die nächsten Verhandlungsrunden sind für den 8. Juni (Einzelhandel Baden-Württemberg) und den 12. Juni (Großhandel Niedersachsen und Bremen) angesetzt.

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