Mahle-Streik: 98,4% für Arbeitskampf gegen Werksschließung
29.05.2026 - 06:39:34 | boerse-global.deWährend Großkonzerne massiven Stellenabbau und Werksschließungen ankündigen, setzen Gewerkschaften zunehmend auf Arbeitskämpfe und rechtliche Mittel.
Mahle-Streik: Produktion in Neustadt steht still
Im niederbayerischen Neustadt an der Donau hat der Automobilzulieferer Mahle mit einem unbefristeten Streik zu kämpfen. Nach einer Urabstimmung, bei der 98,4 Prozent der Teilnehmer für den Arbeitskampf stimmten, liegt die Produktion lahm. Die von der IG Metall organisierte Aktion folgt auf eine gescheiterte vierte Verhandlungsrunde über die geplante Werksschließung in der ersten Jahreshälfte 2027.
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Mahle begründet die Schließung mit rückläufigen Aufträgen und Kostendruck. Die Gewerkschaft fordert dagegen entweder einen zukunftsfähigen Tarifvertrag oder einen umfassenden Sozialplan.
Unicredit warnt: Mitbestimmung in der Bankenbranche
Auch der Bankensektor steht vor Konflikten. Am 27. Mai 2026 warnte die Gewerkschaft DBV die italienische Unicredit davor, die Macht der Mitbestimmung bei einer möglichen Übernahme der Commerzbank zu unterschätzen. Unicredit hat angekündigt, im Falle einer Übernahme rund 7.000 Stellen streichen zu wollen.
„Die Italiener müssen die deutschen Mitbestimmungsstandards respektieren“, betonte DBV-Vertreter Marcus Bourauel. Andernfalls drohe erheblicher Widerstand.
VW Osnabrück: Rüstungsproduktion als Option?
Am Volkswagen-Standort Osnabrück verlangt der Betriebsrat Transparenz über mögliche Militärproduktionen. Das Werk mit rund 2.300 Beschäftigten führt Gespräche mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael Advanced Defense Systems über die Fertigung von Komponenten für das Iron-Dome-Abwehrsystem.
Volkswagen selbst schließt Waffenproduktion am Standort aus. Der Betriebsrat pocht jedoch auf sein Informationsrecht und bereitet sich auf Verhandlungen über Sozialpläne vor, falls sich die Produktion verlagern sollte.
Bahnbrechende Urteile des Bundesarbeitsgerichts
Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat in mehreren Entscheidungen die Rechte von Arbeitnehmern gestärkt:
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Annahmeverzugslohn (Januar 2026, Az. 5 AS 4/25): Der vollständige vertragliche Ausschluss von Zahlungen bei unwirksamer Kündigung ist unwirksam. Dies gilt auch bei Rechtswahlklauseln, etwa zugunsten US-amerikanischen Rechts.
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Whistleblower-Schutz (4. Dezember 2025): Eine Kündigung nach einer Compliance-Meldung ist nicht automatisch eine verbotene Vergeltungsmaßnahme. Das Gericht verlangt einen nachweisbaren Kausalzusammenhang zwischen Meldung und Kündigung. Im konkreten Fall konnte der Arbeitgeber belegen, dass die Kündigungsentscheidung bereits vor der Whistleblower-Meldung getroffen wurde.
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Vergütung von Betriebsräten (August 2025): Das BAG nennt drei mögliche Anspruchsgrundlagen: die Mindestvergütungsgarantie, hypothetische Karriereverläufe und vertragliche Ansprüche. Kläger müssen nun Haupt- und Hilfsanträge stellen.
Behinderung von Betriebsratswahlen: Gewerkschaften klagen
Der DGB berichtet, dass etwa jedes fünfte Unternehmen in Deutschland die Wahl von Arbeitnehmervertretern behindert. Nur acht Prozent der betriebsratsfähigen Betriebe haben tatsächlich einen Betriebsrat.
Am 27. Mai 2026 kündigte Verdi an, den Autovermieter Sixt in Flensburg zu verklagen. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe mit Kündigungen gedroht, um die Gründung eines Betriebsrats zu verhindern.
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In einem weiteren Fall geht die IG Metall gegen das Ergebnis der Betriebsratswahl bei Tesla in Grünheide vor. Die Gewerkschaft bezweifelt die Rechtmäßigkeit der Wahl, bei der eine managementnahe Liste gewonnen haben soll. Ein Gütertermin am Arbeitsgericht Frankfurt (Oder) ist für Mitte Juni 2026 angesetzt.
Struktureller Druck: 300.000 weitere Jobs in Gefahr
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen belasten das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern massiv. Stefan Dinglreiter, Präsident von Gesamtmetall, warnte am 27. Mai 2026, dass weitere 300.000 Arbeitsplätze in der Metall- und Elektroindustrie gefährdet seien. Grund seien die schwache Konjunktur und der Wettbewerbsdruck aus China. Bereits seit 2019 gingen in der Branche 300.000 Stellen verloren.
Telekom: Tarifabschluss sichert Jobs bis 2028
Ein Lichtblick kommt von der Deutschen Telekom. Am 28. Mai 2026 einigte sich der Konzern mit Verdi auf einen Tarifvertrag für rund 60.000 Beschäftigte. Der Deal sieht gestaffelte Gehaltserhöhungen und eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2028 vor.
Künstliche Intelligenz als Kündigungsgrund
Der „Kündigungsreport 2026“ von HR WORKS zeigt die zunehmende Volatilität des Arbeitsmarktes. In der Studie mit über 6.000 Befragten gaben 30 Prozent an, in den letzten fünf Jahren eine berufliche Trennung erlebt zu haben. Besonders auffällig: Der Anteil der Künstlichen Intelligenz als Kündigungsgrund stieg von einem Prozent im Jahr 2021 auf acht Prozent im Jahr 2025. Die höchste Kündigungsrate verzeichnete der Beratungssektor.
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