Madrid-Protest, Zelte

Madrid-Protest: 150 Zelte auf der Puerta del Sol nach Zwangsräumung

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 17:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nach der Räumung einer 87-Jährigen fordern Mieterorganisationen Reformen; die Regierung plant ein Dekret, dessen Mehrheit offen ist.

Madrid: Protestcamp gegen Wohnungsnot nach Räumung einer Seniorin
Ein weiter Blick über einen leeren, historischen Stadtplatz in Madrid bei Dämmerung mit klassischer Architektur. Illustration mit AI erstellt.

Nach massiven Protesten gegen die Wohnungsnot und die Zwangsräumung einer 87-jährigen Rentnerin haben Demonstranten das Zentrum von Madrid besetzt. Auf dem zentralen Platz Puerta del Sol standen laut Euronews rund 150 Zelte. Das Camp war im direkten Anschluss an die Kundgebungen vom Samstag entstanden, bei denen zehntausende Menschen gegen Mietsteigerungen und Wohnungsverlust auf die Straße gegangen waren.

Protestcamp soll bis zur Kabinettssitzung bleiben

Nach Angaben spanischer Medien wuchs das Lager bis zum Sonntagmorgen zunächst auf mehr als 100 Zelte an, bevor es sich weiter vergrößerte. Der zuständige Mieterverband kündigte an, mindestens bis zur nächsten Kabinettssitzung am Dienstag auf der Puerta del Sol zu campieren.

Auslöser der Mobilisierung war das Schicksal von Maricarmen Abascal. Die 87-Jährige hatte 70 Jahre lang, seit 1956, in ihrer Wohnung im Stadtteil Retiro gelebt. Nach dem Kauf des Gebäudes im Jahr 2020 durch den Investmentfonds Urbagestión forderte das Immobilienunternehmen anstelle der bisherigen Monatsmiete von rund 500 Euro zunächst 2.650 Euro monatlich.

Laut dem Mieterschutzbund entsprach dies einem Anstieg um 275 Prozent. Zwar senkte Urbagestión die Forderung später auf 1.650 Euro, doch überstieg auch dieser Betrag die monatliche Rente der Seniorin von 1.350 Euro. Nachdem drei frühere Versuche gerichtlich blockiert worden waren, erfolgte die Räumung am vergangenen Mittwoch; Abascal musste anschließend in ein Krankenhaus gebracht werden.

Zu den Demonstrationen am 26. September 2026 kamen in Madrid laut der Regierungsdelegation rund 25.000 Teilnehmer, während der Mieterverband von bis zu 300.000 Menschen sprach. Proteste gab es in 40 spanischen Städten, wobei ein Bericht größere Kundgebungen in elf weiteren Städten verzeichnete.

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Mieter fordern strikte Reformen und Räumungsverbote

Die Demonstranten und Mieterorganisationen fordern ein umfassendes Dekret mit einem generellen Mietstopp, unbefristeten Mietverträgen beziehungsweise automatischen Verlängerungen sowie verschärften Anti-Betrugsregeln.

Zentral ist zudem die Forderung nach einem Verbot von Räumungen, sofern keine alternative Unterkunft bereitgestellt wird. Die Politikerin Irene Montero forderte die Enteignung von 650.000 Wohnungen im Besitz von Investmentfonds, um diese für den sozialen Wohnungsbau zu nutzen.

Die spanische Regierung beabsichtigt, am Dienstag ein unmittelbar geltendes Wohnungsdekret zu beschließen, das unter anderem einen stärkeren Schutz vor Zwangsräumungen und automatische Mietvertragsverlängerungen vorsieht. Das Dekret müsste nach dem Beschluss binnen 30 Tagen vom Parlament bestätigt werden; eine parlamentarische Mehrheit dafür gilt bislang jedoch als nicht gesichert.

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Irene Montero fordert die Enteignung von 650.000 Wohnungen im Besitz von Investmentfonds, und die Proteste in 40 Städten setzen die Regierung unter Druck. Wer sein Spanien-Portfolio absichern will, braucht eine belastbare Risiko-Checkliste statt Schlagzeilen. Risiko-Checkliste für Fonds-Immobilien sichern

Die Proteste spiegeln ein tiefgreifendes strukturelles Problem wider. Die Regionalpolitikerin Ayuso bezifferte die Zahl der jährlichen Zwangsräumungen in Spanien auf 25.500. Nach Schätzungen der Bank von Spanien belief sich das landesweite Wohnungsdefizit im Vorjahr auf 550.000 Wohnungen.

Zudem machen öffentliche Mietwohnungen in Spanien weniger als 2 Prozent des gesamten Bestands aus, während der Durchschnitt in der Europäischen Union bei 8 Prozent liegt.

Mehr zum Thema bei FAZ: „Spanien: Protest nach Zwangsräumung von 87-Jähriger in Madrid“

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