Machtmissbrauch in Kliniken: Jeder zweite Arzt betroffen
06.05.2026 - 00:57:11 | boerse-global.deDas zeigt eine aktuelle Umfrage des Marburger Bundes mit über 9.000 Teilnehmenden.
Die Ergebnisse sind alarmierend: 49 Prozent der befragten Ärzte berichten von Grenzüberschreitungen durch Kollegen oder Vorgesetzte. Dabei handelt es sich nicht um Einzelfälle – die Hälfte der Betroffenen erlebt solche Vorfälle mehrfach im Jahr, 14 Prozent sogar wöchentlich.
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Respektloser Ton an der Spitze
Am häufigsten beklagen die Ärzte einen respektlosen und herablassenden Umgangston (83 Prozent). 66 Prozent berichten von sachgrundloser Infragestellung ihrer fachlichen Kompetenz, 53 Prozent von Mobbing oder öffentlicher Bloßstellung.
Die Täter sind in 87 Prozent der Fälle ärztliche Vorgesetzte. Auffällig: In 62 Prozent der Fälle gehen die Übergriffe ausschließlich oder vornehmlich von Männern aus.
Die Folgen für die Betroffenen sind gravierend. 79 Prozent leiden unter emotionaler Erschöpfung, 70 Prozent unter verminderter Arbeitsmotivation. 45 Prozent erwägen sogar, ganz aus der stationären Versorgung auszusteigen.
Studierende besonders betroffen
Noch dramatischer ist die Lage beim medizinischen Nachwuchs. Eine Studie der Kinderchirurgin Dr. Sabine Drossard zeigt: Drei von vier Studentinnen im Praktischen Jahr erleben sexuelle Belästigung.
Das Spektrum reicht von Kommentaren zum Aussehen über geschlechtsbasierte Diskriminierung bis zu unerwünschter körperlicher Nähe. Die Täter kommen nicht nur aus dem ärztlichen Personal, sondern auch von Patienten.
Die Abhängigkeit von Noten und Zeugnissen verhindert Gegenwehr. Viele Studierende fürchten negative Konsequenzen für ihre Karriere – und schweigen.
Hohe Dunkelziffer – kaum Konsequenzen
Drei Viertel der Betroffenen verzichten auf eine offizielle Meldung. Hauptgründe: fehlendes Vertrauen in wirksame Konsequenzen (72 Prozent) und Angst vor beruflichen Nachteilen.
In nur zwölf Prozent der gemeldeten Fälle wird ein internes Verfahren eingeleitet. Der Deutsche Ärztinnenbund spricht von Systemversagen. „Starre Hierarchien und die starke Abhängigkeit in der medizinischen Weiterbildung schaffen einen Nährboden für toxisches Verhalten", sagt Co-Präsidentin Prof. Dr. Barbara Puhahn-Schmeiser.
Wirtschaftlicher Druck als Brandbeschleuniger
Der Machtmissbrauch ist eng mit den ökonomischen Rahmenbedingungen verknüpft. Personalmangel und wirtschaftlicher Druck belasten Teams – und begünstigen autoritäre Führungsstile.
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Wenn Führungskräfte selbst unter Leistungsdruck stehen, geben sie diesen oft ungefiltert an Untergebene weiter. In einem Umfeld der Effizienzmaximierung fallen soziale Kontrollmechanismen als Erstes weg.
Paradoxerweise könnte der Fachkräftemangel zum Wendepunkt werden: Kliniken mit schlechtem Ruf verlieren massiv an Attivität für den dringend benötigten Nachwuchs.
Wege aus der Krise
Erste Gegenmaßnahmen laufen. Der Marburger Bund bietet Führungsseminare für eine kooperative Arbeitskultur. Kirchliche Klinikträger haben verpflichtende Schulungen zu sexualisierter Gewalt eingeführt.
Experten fordern verbindliche Standards: Die Zertifizierung von Kliniken oder die Erteilung von Weiterbildungsbefugnissen sollte an den Nachweis wirksamer Schutzkonzepte geknüpft werden.
Das „Aktionsbündnis für mehr Chefärztinnen" will zudem die Monokultur in Führungsetagen aufbrechen. Mehr Vielfalt gilt als Schlüssel, um traditionelle, machtzentrierte Hierarchien aufzuweichen.
Die Zukunft der Medizin wird nicht nur an technologischen Innovationen gemessen werden. Sondern maßgeblich daran, wie sicher und respektvoll der Arbeitsplatz Krankenhaus für alle ist.
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