Machtkampf beim VdK Bayern: Vorstand will Verena Bentele stürzen
25.05.2026 - 03:14:32 | boerse-global.deAcht von zehn Vorstandsmitgliedern haben ein Verfahren zur Abwahl von Landeschefin Verena Bentele eingeleitet.
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Der offene Bruch
Es ist der Höhepunkt eines monatelangen Machtkampfs: Die Spitze des VdK Bayern hat sich gegen ihre eigene Vorsitzende gestellt. Wie aus Verbandskreisen bekannt wurde, fordern acht der zehn Vorstandsmitgliedern den Landesausschuss auf, ein Abwahlverfahren gegen Verena Bentele und Landesschatzmeister Konrad Gritschneder einzuleiten. Der stellvertretende Landesvorsitzende Hermann Imhof bestätigte, dass eine weitere Zusammenarbeit nach dem Scheitern intensiver Gespräche nicht mehr möglich sei.
Der VdK Bayern vertritt rund 850.000 Mitglieder im Freistaat. Bentele führt den Landesverband seit Mai 2023 und ist zugleich Bundesvorsitzende des Gesamtverbands. Der Konflikt schwelt seit Monaten – und betrifft die grundsätzliche Frage, wie ein moderner Sozialverband geführt werden sollte.
Streit um Zentralisierung und Führungsstil
Im Kern geht es um Benteles Vorstoß, den VdK Bayern stärker zu zentralisieren. Die 48-Jährige plädiert für einen „modernen Managementansatz", den sie für eine Organisation dieser Größe für unverzichtbar hält. Kritiker im Vorstand befürchten dagegen einen Verlust regionaler Autonomie und demokratischer Kontrolle.
Ein besonders heikler Punkt: Bentele fordert die Einführung einer bezahlten Vorstandsposition. Ihre Argumentation: Ein Verband mit 850.000 Mitgliedern und rund 900 Mitarbeitern sei nicht mehr rein ehrenamtlich zu führen. „Eine moderne Führungsstruktur braucht klare Verantwortlichkeiten und professionelle Standards", ließ sie verlauten. Die Gegenseite sieht darin einen Angriff auf das traditionelle Ehrenamtsprinzip, das den VdK seit Jahrzehnten prägt.
Bentele selbst spricht von einem gezielten Machtkampf, den Teile des Vorstands gegen sie und den Schatzmeister anzetteln würden. Alle Personal- und Organisationsentscheidungen seien satzungskonform und transparent getroffen worden.
Wer hat das letzte Wort?
Die Auseinandersetzung wirft komplizierte vereinsrechtliche Fragen auf. Bentele stellt die Zuständigkeit des Landesausschusses für ihre Abwahl infrage. Sie argumentiert, dass nur die Delegierten des Landesverbandstages, die sie 2023 gewählt haben, über ihre Abberufung entscheiden dürften.
Der Landesausschuss – ein Aufsichts- und Entscheidungsgremium zwischen den großen Delegiertenversammlungen – soll am 19. Juni 2026 über den Abwahlantrag beraten. Dieses Treffen gilt als wegweisend: Entweder es kommt zu einer formellen Abwahl, einem Kompromiss oder der Einberufung einer außerordentlichen Delegiertenversammlung.
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Erfolg nach außen, Krise nach innen
Besonders brisant: Der interne Machtkampf überschattet die erfolgreiche Arbeit des Verbands. Allein im ersten Halbjahr 2025 führte der VdK Bayern fast 200.000 Beratungen durch und leitete über 4.600 Klagen für seine Mitglieder ein – mit Nachzahlungen in Millionenhöhe.
Im Oktober 2025 knackte der Verband die Marke von 850.000 Mitgliedern, zum Jahresende waren es sogar über 857.000. Auch personell gab es bereits Veränderungen: Im November 2025 wurde Dr. Stephan Thewalt zum stellvertretenden Landesgeschäftsführer ernannt.
Der offene Machtkampf kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Der VdK Bayern hatte sich bereits mit einem Zehn-Punkte-Forderungskatalog für die anstehenden bayerischen Kommunalwahlen positioniert. Ob der Verband geschlossen in den Wahlkampf ziehen kann, ist nach dem Eklat fraglich.
Ausblick: Entscheidung im Juni
Bis zur Sitzung des Landesausschusses am 19. Juni bleibt die Lage angespannt. Bentele hat klargemacht, dass sie nicht freiwillig zurücktreten wird. Vereinsrechtsexperten halten es für wahrscheinlich, dass der Konflikt letztlich nur durch eine außerordentliche Delegiertenversammlung gelöst werden kann.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der VdK Bayern einen Weg findet, seine traditionellen Ehrenamtsstrukturen mit den Anforderungen eines modernen Großverbands zu versöhnen – oder ob der Machtkampf die Organisation noch lange beschäftigen wird.
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