Lungenkrebs-Früherkennung, Betriebsärzte

Lungenkrebs-Früherkennung: Betriebsärzte fordern verbindliche Rolle

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

VDBW und Deutsche Krebshilfe verlangen mehr Arbeitsmedizin in der Lungenkrebsprävention und werben für höhere Teilnahmequoten an Screenings.

Lungenkrebs-Früherkennung: Betriebsärzte sollen stärker eingebunden werden
Ein heller, minimalistischer Behandlungsraum in einem modernen Bürogebäude mit natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Im Rahmen der Nationalen Krebspräventionswoche setzen sich der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte sowie die Deutsche Krebshilfe für eine Reform der Früherkennung ein. Ziel ist es, die Expertise von Betriebsärztinnen und Betriebsärzten künftig fest in die Programme zur Erkennung von Lungenkrebs zu integrieren.

Anlässlich der Nationalen Krebspräventionswoche vom 21. bis zum 27. September 2026 fordern der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) und die Deutsche Krebshilfe eine verbindliche Einbindung der Arbeitsmedizin in die Früherkennung von Lungenkrebs.

Bisher sind Betriebsärzte von der Umsetzung im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) weitgehend ausgeschlossen. Die entsprechende Beratung, Berichterstattung und Überweisung darf nach aktueller Regelung nur von vertragsärztlichen Fachärzten für Allgemeinmedizin oder Innere Medizin erbracht werden.

Hohe Mortalität erfordert frühzeitige Intervention

Die Relevanz einer verbesserten Früherkennung wird durch aktuelle Krankheitszahlen unterstrichen. In Deutschland werden jährlich rund 58.000 Neuerkrankungen an Lungenkrebs verzeichnet.

Die Prognose ist oft ungünstig: 4 von 5 erkrankten Männern und 3 von 4 betroffenen Frauen versterben innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnose. Insgesamt erkranken in Deutschland jedes Jahr mehr als 500.000 Menschen an Krebs, wobei etwa ein Drittel der Betroffenen im erwerbsfähigen Alter ist.

Nach Einschätzung der beteiligten Organisationen könnten rund 40 Prozent dieser Neuerkrankungen durch gezielte Primärprävention vermieden werden. Während gesetzlich Versicherte bereits Ansprüche auf Früherkennungsuntersuchungen für Brust-, Darm-, Gebärmutterhals-, Haut- und Prostatakrebs haben, wurde das CT-Screening für starke Raucher zur Erkennung von Lungenkrebs erst in diesem Jahr als zusätzliche Leistung eingeführt.

Früherkennungsoffensive am Arbeitsplatz

Unter dem Motto „Lass mal checken“ haben die Deutsche Krebshilfe, das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) eine Offensive zur Früherkennung am Arbeitsplatz gestartet. Unternehmen erhalten hierzu kostenlose Informationsmaterialien und Aktionsmodule, um die Prävention in das betriebliche Gesundheitsmanagement zu integrieren.

Der Vorstandsvorsitzende des DKFZ, Professor Dr. Michael Baumann, betonte die Notwendigkeit einer gezielteren Ansprache von Gefährdeten. Die Effizienz jedes Früherkennungsprogramms hänge maßgeblich von der Beteiligungsquote ab.

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Aktuelle Daten zeigen hier Defizite: Das Mammographie-Screening wird nur von etwa der Hälfte der berechtigten Frauen genutzt, und auch die Darmkrebs-Früherkennung erreicht zusammengenommen weniger als 50 Prozent der Zielgruppe.

Internationale Vorbilder und nationale Unterstützung

Die Generalsekretärin der DKG, Dr. Konstanze Blatt, verwies in diesem Zusammenhang auf die Niederlande. Dort werden immunologische Stuhltests und HPV-Tests direkt per Post an die Versicherten versandt, um die Hürden zur Teilnahme zu senken. Ergänzend dazu forderte Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe, eine stärkere Ausrichtung der Programme am individuellen Risiko der Patienten.

Die nationale Präventionswoche wird politisch vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sowie dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) unterstützt. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann hob hervor, dass Krebsvorsorge Leben retten könne. Forschungsministerin Dorothee Bär verwies darauf, dass statistisch jeder zweite Mensch im Laufe seines Lebens an Krebs erkranke.

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Informationsangebote und fachlicher Austausch

Begleitend zur Präventionswoche bieten verschiedene Organisationen Informationsformate an. Vom 21. bis zum 25. September 2026 veranstalten der VDBW und die Deutsche Krebshilfe tägliche digitale Expertentalks zu verschiedenen Krebsarten. Die Sachsen-Anhaltische Krebsgesellschaft ergänzt dies durch digitale Vorträge, unter anderem zu Darm-, Lungen- und Prostatakrebs.

Für den weiteren fachlichen Austausch kündigte der VDBW ein Satellitensymposium am 22. Oktober 2026 an. Dieses findet im Rahmen des 42. Deutschen Betriebsärzte Kongresses in Mainz statt, der vom 21. bis zum 24. Oktober 2026 angesetzt ist.

Für Betroffene und Interessierte unterhält die Deutsche Krebshilfe zudem ein kostenloses Servicetelefon. Das DKFZ, das zu 90 Prozent vom BMFTR finanziert wird, stellt zudem Informationen zur Bedeutung der regelmäßigen Teilnahme an CT-Screenings für langjährige Raucher bereit.

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