Lufthansa und Ufo starten neue Tarifgespräche für Kabinenpersonal
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 13:22 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo) und Lufthansa wollen in der kommenden Woche ihre Gespräche über offene Tarifthemen wieder aufnehmen. Nach einer Phase deutlicher Spannungen haben sich beide Seiten darauf verständigt, zu einem strukturierten Austausch zurückzukehren.
Lufthansa verlässt Konfrontationskurs
Nach Angaben der Gewerkschaft ist Lufthansa nach einer Moderation und weiteren Sondierungsgesprächen bereit, den „Konfrontationsmodus der vergangenen Monate zu verlassen" und ernsthaft über Lösungen für das Kabinenpersonal zu sprechen. Ufo wertet dies als Signal, dass die Unternehmensführung die Anliegen der Beschäftigten in der Kabine wieder verstärkt in direkten Gesprächen aufgreifen will.
Ufo-Vorsitzender Joachim Vázquez Bürger erklärte, nach intensiven Gesprächen bestehe die Möglichkeit, wieder an ein „Mindestmaß gegenseitigen Vertrauens" anzuknüpfen. Diesen Versuch werde man mit der nötigen Klarheit und strikt an den Interessen der Kabinenbeschäftigten ausgerichtet führen.
Vertrauliche Verhandlungen mit mehreren Terminen
Der Leiter Tarifpolitik der Ufo, Harry Jaeger, betonte, Lufthansa sei bereit, sich auf einen offenen Gesprächsprozess einzulassen. Dies sei zwar keine Garantie für eine sozialpartnerschaftliche Lösung, aber ein wichtiger Schritt nach einer Phase großer Verhärtung. Für die kommenden Wochen wurden mehrere Verhandlungstermine vereinbart.
Über konkrete Inhalte und den Verlauf der Gespräche haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Ziel sei es, in ruhiger Atmosphäre gemeinsame Lösungen zu erarbeiten, ohne Zwischenergebnisse laufend öffentlich zu kommentieren.
Cityline-Beschäftigte im Fokus
Neben den allgemeinen Tarifthemen soll auch der Gesprächsfaden zu Lösungen für die von der Stilllegung der Lufthansa Cityline betroffenen Mitarbeiter wieder aufgenommen werden. Dabei geht es um Perspektiven für die Beschäftigten, deren Stellen durch die Entscheidung zur Aufgabe des Flugbetriebs in dieser Konzerngesellschaft wegfallen.
Die Verhandlungen sollen klären, welche Optionen für die Betroffenen innerhalb des Konzerns oder in anderen Bereichen möglich sind und wie Härten abgefedert werden können. Abschließende Vereinbarungen liegen dazu bislang nicht vor.
Der Schritt von Ufo und Lufthansa zurück an den Verhandlungstisch signalisiert eine mögliche Entspannung nach einer Phase harter Auseinandersetzungen um Löhne, Arbeitsbedingungen und Zukunftsperspektiven des Kabinenpersonals. In den vergangenen Monaten standen bei Lufthansa immer wieder Personal- und Kostenthemen im Mittelpunkt, verbunden mit der Frage, wie der Konzern seine Wettbewerbsfähigkeit sichern und zugleich attraktive Arbeitsbedingungen bieten kann.
Hintergrund des Tarifkonflikts
Die Unabhängige Flugbegleiter Organisation vertritt einen großen Teil der Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter im Konzern und hat in der Vergangenheit wiederholt mit Arbeitskampfmaßnahmen Druck aufgebaut, wenn Gespräche ins Stocken gerieten. Die nun erwähnte „Phase großer Verhärtung" deutet darauf hin, dass die Fronten zuletzt deutlich zugespitzt waren und Kompromisssignale rar blieben. Die Einschaltung einer Moderation passt zu typischen Konfliktverläufen im Luftverkehr, in denen externe Vermittler helfen, festgefahrene Positionen aufzulösen.
Bedeutung für Kabinenpersonal und Konzern
Für das Kabinenpersonal geht es in Tarifrunden nicht nur um Tabellenwerte, sondern auch um Dienstpläne, Planbarkeit von Einsätzen, Belastungsgrenzen und Karrieremöglichkeiten. Gerade nach Jahren mit Umstrukturierungen, steigenden Passagierzahlen und hohem Kostendruck sind Zusicherungen zu Personalstärken und Perspektiven zentral. Zugleich steht der Konzern unter Wettbewerbsdruck durch Billig- und Ferienflieger, was die Verteilungsspielräume begrenzt und Tarifgespräche zusätzlich erschwert.
Ausblick auf die Cityline-Gespräche
Besonders sensibel ist die angekündigte Wiederaufnahme der Gespräche über Lösungen für die von der Stilllegung der Lufthansa Cityline betroffenen Beschäftigten. Hier entscheidet sich, wie sozialverträglich Umbauten im Konzern gestaltet werden können: etwa über Wechsel in andere Gesellschaften, Qualifizierungsangebote oder Abfindungsmodelle. Dass beide Seiten Termine für mehrere Wochen vereinbart und Vertraulichkeit zugesichert haben, deutet auf ernsthafte Verhandlungsbereitschaft hin. Ob daraus am Ende tragfähige Vereinbarungen entstehen, wird maßgeblich bestimmen, wie stabil das Verhältnis zwischen Lufthansa und dem Kabinenpersonal in den kommenden Jahren sein kann.
