Lufthansa tankt bis zu acht Tonnen extra für Frankfurt
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 14:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFrankfurts Treibstoffreserve bleibt verfügbar
- Die Lufthansa lässt Maschinen auf Flügen nach Frankfurt mit bis zu acht Tonnen zusätzlichem Kerosin starten.
- Das Tanklager am Flughafen fasst 186 Millionen Liter und reicht laut Fraport ungefähr zehn Tage.
- Für A320-Flüge darf der Zusatztreibstoff nur so weit reichen, dass Passagiere und Fracht an Bord bleiben können.
Lufthansa baut Kerosinreserve in Frankfurt auf
Die Lufthansa lässt Flugzeuge auf Flügen nach Frankfurt vorsorglich zusätzlichen Treibstoff an Bord nehmen. Damit sollen die Vorräte am größten deutschen Flughafen geschont werden, obwohl Fraport die Versorgung und die Betriebsfähigkeit als gesichert bezeichnet.
Pipeline-Wartung trifft niedrige Wasserstände
Hintergrund sind die Wartung einer wichtigen Pipeline und die niedrigen Wasserstände von Rhein und Main. Tankschiffe können deshalb weniger Kerosin zu den nahe am Flughafen gelegenen Mainhäfen transportieren.
Frankfurt ist über zwei Pipelines mit den Seehäfen an der Nordsee verbunden. Eine davon ist die Nato-Pipeline; Einzelheiten zur Wartung nennt Fraport aus Sicherheitsgründen nicht.
Tanklager reicht etwa zehn Tage
Die Kerosin-Lieferanten betreiben am Flughafen ein gemeinsames Tanklager mit einer Kapazität von 186 Millionen Litern. Nach Angaben von Fraport reicht der Vorrat ungefähr zehn Tage.
Fraport erwartet trotz der Wartung keinen Engpass. Lufthansa bezeichnet die zusätzlichen Tankmengen als reine Vorsichtsmaßnahme und will sie voraussichtlich in absehbarer Zeit wieder einstellen.
Bis zu acht Tonnen mehr Kerosin
Bei Flugzeugen der Airbus-A320-Familie können demnach bis zu acht Tonnen zusätzlicher Treibstoff mitgeführt werden. Das entspricht mehr als einem Drittel der Tankkapazität von rund 20 Tonnen und reicht für einen Mittelstreckenflug von etwa 3.000 Kilometern.
Mehr Treibstoff erhöht das Gewicht, den Verbrauch und die Umweltbelastung. Die zusätzliche Menge wird deshalb begrenzt, damit weder Passagiere noch Fracht ausgeladen werden müssen.
Flüge laufen planmäßig
Für Passagiere gibt es derzeit keine Einschränkungen. Lufthansa und Condor fliegen nach eigenen Angaben planmäßig; wegen der Vorsichtsmaßnahmen sind zunächst keine Flugstreichungen angekündigt.
Sollte ein Flug wegen Kerosinmangels ausfallen, können nach den EU-Fluggastrechten Ersatzbeförderung und je nach Entfernung Entschädigungen zwischen 250 und 600 Euro infrage kommen. Bei einem nicht beherrschbaren lokalen Versorgungsmangel kann die Entschädigungspflicht im Einzelfall entfallen.
Frankfurt ist Deutschlands größter Flughafen und ein zentrales Drehkreuz für den europäischen Luftverkehr. Eine stabile Treibstoffversorgung ist deshalb nicht nur für Lufthansa, sondern auch für zahlreiche weitere Airlines und Umsteigeverbindungen entscheidend.
Die aktuelle Lage entsteht durch das Zusammentreffen zweier logistischer Belastungen: Eine wichtige Pipeline wird gewartet, während niedrige Wasserstände auf Rhein und Main die Versorgung per Tankschiff erschweren. Fraport zufolge stehen weiterhin alternative Versorgungswege und ein gemeinsames Tanklager mit 186 Millionen Litern Kapazität zur Verfügung.
Zusatzgewicht erhöht den Aufwand
Das von Lufthansa angeordnete sogenannte Tankering schafft kurzfristig zusätzlichen Spielraum, ist aber kein regulärer Betriebszustand. Mehr Kerosin erhöht das Start- und Landegewicht, den Verbrauch und die Umweltbelastung. Zugleich muss die Airline darauf achten, dass die zusätzliche Treibstoffmenge nicht zulasten von Passagieren oder Fracht geht.
Für Reisende bleibt die Lage zunächst vor allem eine Vorsichtsmaßnahme ohne angekündigte Flugstreichungen. Sollte sich die Versorgung weiter verschärfen, könnten Flugplanung, Tankstopps und bei einzelnen Verbindungen auch die verfügbare Nutzlast betroffen sein. Die Bedeutung der Pipeline-Wartung und der Wasserstände liegt daher weniger in einer unmittelbaren Gefahr als in der begrenzten Ausweichfähigkeit der Lieferketten.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Lufthansa reagiert: Am Drehkreuz Frankfurt ist das Kerosin knapp“ (15.10.2026)
Der Bericht bestätige die vorsorglichen Zusatzbetankungen und die derzeit ausbleibenden Flugstreichungen. Er setze den Schwerpunkt auf die reduzierte Pipeline-Kapazität, die Pipeline-Wartung und die Gewichtsgrenzen der Flugzeuge.
Frankfurter Rundschau: „Kerosinmangel am Flughafen Frankfurt: Lufthansa macht Ansage an Piloten“ (14.10.2026)
Der Artikel habe die Maßnahme als Tankering beschrieben und zusätzlich die Lagerkapazität von 186 Millionen Litern sowie die mögliche Versorgung über die Nato-Pipeline hervorgehoben. Offen bleibe, wie lange die Sonderregelung erforderlich sein werde.
Beide Berichte stellten die vorsorgliche Reaktion der Lufthansa und den planmäßigen Flugbetrieb heraus. Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung der Pipeline-Einschränkungen, der niedrigen Wasserstände und der technischen Lagerreserven.
