Lufthansa erhöht Ticketpreise und streicht Europa-Flüge
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 13:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWSLufthansa plant mit weniger Flugzeugen
- Carsten Spohr kündigte Gespräche über mehr Business-Sitze in neuen Boeing-787-Flugzeugen an.
- Die Lufthansa-Gruppe überprüfte bereits mehr als die Hälfte ihrer über 200 europäischen Ziele.
- Die Gewinnprognose für 2026 sinkt auf ein bereinigtes Ebit von 1,7 bis 2,0 Milliarden Euro.
Lufthansa richtet Flugangebot auf Premium-Reisende aus
Hohe Kerosinkosten und fehlende neue Großraumflugzeuge zwingen die Lufthansa zu höheren Ticketpreisen und einem schlankeren Streckennetz. Konzernchef Carsten Spohr und Ryanair-Chef Michael O'Leary erwarten für das kommende Jahr zweistellige Preissteigerungen.
Treiberkosten steigen auf 9,3 Milliarden Euro
Die Lufthansa rechnet für 2026 mit einer Treibstoffrechnung von 9,3 Milliarden Euro. Das sind rund 600 Millionen Euro mehr als noch im August erwartet und mehr als eine halbe Milliarde Euro über dem Vorjahreswert im Sommerquartal.
Für 2026 hat der Konzern rund 86 Prozent seines Treibstoffbedarfs preislich abgesichert. Für 2027 liegt die Quote nach Angaben von Finanzvorstand Till Streichert bei mehr als 60 Prozent; die Versorgung über das Winterhalbjahr sei gesichert.
Premium-Sitze bleiben besonders gefragt
Die Lufthansa konnte die höheren Kosten im Sommer teilweise auf die Kunden übertragen. Bei Eurowings seien die Mehrkosten vollständig weitergereicht worden, bei den übrigen Netzwerk-Airlines zu 85 Prozent.
Vor allem auf Transatlantikstrecken seien Business-Sitze häufig ausgebucht, auch die Premium-Economy sei gefragt. Deshalb spreche der Konzern mit Boeing darüber, die Business-Klasse in künftigen Dreamlinern des Typs 787 zu vergrößern.
Neue Großflugzeuge kommen später
Auf größere Flugzeuge wie die Boeing 777-9 wartet Lufthansa weiter. Boeing hat die Erstauslieferung für das zweite Quartal 2027 angekündigt, rund sieben Jahre später als ursprünglich geplant.
Wegen der Kosten überprüfte der Konzern bereits bei gut der Hälfte seiner mehr als 200 europäischen Ziele die Anbindung an die Lufthansa-Drehkreuze. Verbindungen wurden teilweise gestrichen; Danzig ist beispielsweise weiterhin über Frankfurt und Zürich an das Fernnetz angebunden, nicht aber über München. Dadurch sparte die Gruppe im laufenden Jahr 23 Flugzeuge ein.
Rekordumsatz reicht nicht für altes Gewinnziel
Im dritten Quartal von Juli bis September stieg das bereinigte operative Ergebnis um sechs Prozent auf gut 1,4 Milliarden Euro. Der Umsatz erreichte mit 12,2 Milliarden Euro einen Rekordwert für ein Quartal.
Trotzdem senkte die Lufthansa ihre Prognose für das bereinigte operative Ergebnis 2026 von bislang 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro auf 1,7 bis 2,0 Milliarden Euro. Damit zeichnet sich ein Rückgang gegenüber den knapp zwei Milliarden Euro aus dem Jahr 2025 ab.
Die Lufthansa steht exemplarisch für einen europäischen Luftverkehr, in dem mehrere Kosten- und Kapazitätsfaktoren zusammenwirken. Steigende Treibstoffausgaben treffen auf eine begrenzte Zahl verfügbarer Flugzeuge und eine weiterhin hohe Nachfrage nach internationalen Verbindungen. Airlines können höhere Kosten deshalb vor allem dort weitergeben, wo Reisende zeitlich gebunden sind oder gezielt mehr Komfort buchen.
Für den Konzern verschiebt sich damit die wirtschaftliche Bedeutung einzelner Strecken. Europäische Kurzverbindungen erfüllen zunehmend eine Zubringerfunktion für die Drehkreuze und die profitableren Langstrecken. Wenn sich eine direkte Verbindung nicht ausreichend trägt, kann ihre Streichung für Reisende längere Umsteigewege bedeuten, auch wenn das Fernnetz grundsätzlich bestehen bleibt.
Folgen für Reisende
Die angekündigten Preissteigerungen dürften besonders Geschäftsreisende und Fluggäste mit wenig zeitlicher Flexibilität treffen. Privatkunden können eher auf frühere Buchungen, alternative Abflugorte oder andere Verkehrsmittel ausweichen. Gleichzeitig begrenzen verspätete Flugzeugauslieferungen den Spielraum, zusätzliche Kapazitäten kurzfristig auf den Markt zu bringen.
Die Geschäftszahlen zeigen, dass höhere Preise die Belastungen bislang teilweise ausgleichen. Das Rekordquartal schützt den Konzern jedoch nicht vor einem schwächeren Ausblick: Eine Treibstoffrechnung von 9,3 Milliarden Euro und die gesenkte Gewinnspanne machen deutlich, dass Nachfrage und Umsatz allein die Kostenrisiken nicht beseitigen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Lufthansa erhöht Gewinn trotz teurerer Kerosinpreise“ (03.11.2026)
Der Artikel bestätige den Anstieg des bereinigten operativen Gewinns auf 1,4 Milliarden Euro und den Rekordumsatz im Sommerquartal. Er setze einen zusätzlichen Schwerpunkt auf die schwächere Entwicklung der Kernmarke Lufthansa sowie auf bereits angekündigte Kürzungen bei Kurzstreckenflügen.
Stern: „Lufthansa: 2026 zwei Milliarden Euro Mehrkosten wegen hoher Kerosinpreise“ (03.11.2026)
Der Beitrag ordne die Treibstoffrechnung von 9,3 Milliarden Euro als rund zwei Milliarden Euro über dem Vorjahreswert ein und hebe die Nachfrage nach Premium-Tickets hervor. Damit bestätige er den Kostendruck, während der Schwerpunkt stärker auf Mehrkosten und zahlungskräftigen Kunden liege.
Beide Beiträge stimmten beim Rekordumsatz, dem höheren Kerosinaufwand und der gesenkten Gewinnprognose überein. Unterschiede ergäben sich vor allem bei der Gewichtung von Kurzstreckenabbau, Premium-Nachfrage und der Entwicklung einzelner Konzerngesellschaften.
